Entscheidung zur Groß-Kita am 15. Juli

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POHLHEIM - (ww). Gegner und Befürworter gaben noch einmal ihr Bestes während der Sondersitzung der Pohlheimer Stadtverordnetenversammlung in der Volkshalle. Ob die Groß-Kita Kirchstraße mit acht Gruppen errichtet wird, steht weiter in den Sternen. Die neue Mehrheit SPD, Grüne und FDP machte nur "Am Schwarzen Morgen" in der östlichen Ecke der Magdeburger Straße Nägel mit Köpfen.

Hier werden jetzt die Planungen für eine neue Kindertagesstätte mit vier oder fünf Gruppen explizit für Steinberg eingeleitet, gegen die Stimmen von CDU und FW.

In der nächsten Stadtverordnetensitzung am 15. Juli soll endgültig über das Schicksal der fast baureifen Kindertagesstätte mit acht Gruppen in der Kirchstraße entschieden werden. Beim Thema "Weitere Kindertagesstätte im Neubaugebiet ,Hausen Ost' oder ,Hinter der Friedensstraße' in Garbenteich" waren sich aber alle einig. Hier sollen erste Vorbereitungen getroffen werden.

Bürgermeister Andres Ruck (unabhängig) rief noch einmal die Zeitschiene für den Neubau der Kita Kirchstraße in Erinnerung. Im Juni 2019 war die Groß-Kita noch unter alter Mehrheit von CDU/FW beraten und dann im Juni des Jahres mit den Stimmen der Grünen und der FDP beschlossen worden. Zur Groß-Kita Kirchstraße habe es Ende Juni dieses Jahres noch einmal eine aktualisierte Kostenberechnung gegeben. In der kommenden Woche könnte ein Bauantrag gestellt werden.

An Architektenhonorar würden rund 230 000 Euro fällig. Für den Neubau einer Kita "Am Schwarzen Morgen" habe die Stadt bereits Grundstücke, und es müsse nur ein kleiner Teil zugekauft werden. Der Verkäufer habe bereits einen Kaufvertrag erhalten.

Die Sondersitzung zur Kita Kirchstraße hatten CDU und FW veranlasst. Das Vorgehen ist in der Geschäftsordnung des Parlamentes verankert.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Malke Aydin betonte, dass die Groß-Kita nur 10,8 Millionen Euro koste. "Hier wurden uns 19 Millionen Euro verkauft. Sie wissen nicht einmal, wie viele Nullen die 19 Millionen Euro haben!", giftete er in eine bestimmte Richtung.

Simon Hafemann, Fraktionsvorsitzender der Grünen, brachte den Antrag auf Neubau einer Kita "Am Schwarzen Morgen" ein. Es sei klarer Konsens, dass Pohlheim weitere Kita-Plätze brauche, auch über acht Gruppen hinaus. Es mangele zudem an Plätzen für unter Dreijährige. Von 140 Kindern aus Steinberg würde nur die Hälfte in der bisherigen Kita Sonnenschein betreut. Das Grundstück für die neue Kita "Am Schwarzen Morgen" liege am Rand eines Naturschutzgebietes und in der Nähe des Waldes. Das sei ideal.

An diesem Abend kam auch der Planer Timo Heise zu Wort, der vom Magistrat unter Udo Schöffmann als Sieger des ausgelobten Architektenwettbewerb beauftragt worden war, die Acht-Gruppen-Kia umzusetzen. Er stellte noch einmal die Vorzüge der zweigeschossigen Kindertagesstätte vor. Die Planung sei nach den Vorgaben der Kindergartenaufsicht ausgeführt worden. Die Kita werde dem Energiestandard KfW 40 entsprechen. Es würden recycelbare nachwachsende Rohstoffe verwendet. Die Kindertagesstätte sei mit einer Lüftungsanlage ausgestattet, wie sie heute üblich sein sollte. Auch eine Brandmeldeanlage gebe es in einem solchen Bau. Der Hamburger bestätigte aber auch, dass Betonträger aus statischen Gründen bis in eine Tiefe von acht Metern in den Erdboden eingelassen werden müssen. Er sagte zudem, dass zwei der acht Gruppen aus Baugründen nicht rollstuhlgerecht seien.

Im Architektenwettbewerb habe es einen Kostenrahmen von 6,6 Millionen Euro gegeben. Schon 2019 sei allerdings klar gewesen, dass eine Gruppe im Durchschnitt eine Million Euro an Baukosten verursache. Es seien jetzt 1,06 Millionen Euro für die Groß-Kita geworden. Letztlich sei ihm eine Kalkulation mit 19 Millionen Euro nicht bekannt. Es gebe einerseits eine Kostenschätzung in einer frühen Phase eines Projekts, die Unsicherheiten bis zu zehn Prozent enthalte, aber nach der jetzigen Kostenrechnung seien es nur noch fünf Prozent. Ende März 2023 könnte der Neubau bezogen werden. Die Einrichtung von Parkplätzen nach Abriss der Kindertagesstätte Sonnenschein sei nicht Bestandteil des Auftrages gewesen.

Auf die Fragen, ob man günstiger bauen könne, erklärte der Architekt, dass die Kita Kirchstraße sehr hohe energetische Standards erreichen werde. Natürlich kann man billiger bauen, aber reduziere die Nachhaltigkeit dadurch. Fabian Schäfer (FDP) betonte noch einmal, dass seit 2019 bei Gebäuden mit einem Kfw-50-Standard zu planen sei. Dazu gebe es keine Alternativen. "Das Wort ,Designer-Kita', das hier ausgesprochen wurde, hat sie echauffiert, es war aber nicht als Schimpfwort gemeint, ganz im Gegenteil, dass was Sie geplant haben, ist anschaulich und schön. Es sollte nicht Ihre Leistung angreifen." Dr. Melanie Neeb (CDU) fragte sich, was es wohl koste, wenn alles zweimal gebaut werden müsse, wie es die Mehrheit vorhabe. Björn Feuerbach (FW) machte den Vorschlag, dass man doch das eine jetzt bauen und das andere planen könnte. Peter Alexander (SPD) rechnete vor, dass die Groß-Kita pro Gruppe 500 000 Euro teurer sei.

Simon Hafemann (Grüne) stellte dem Architekten Heise dann die brennende Frage, ob der Magistrat um Udo Schöffmann eine Kostenvorgabe von elf Millionen Euro gemacht habe, von der das Parlament nichts wusste: "Es gab keine Kostenvorgaben, nur Kostenrahmen. Das hat man falsch zitiert." Diese Zeitung weist allerdings darauf hin, dass Timo Heise einen diesbezüglichen veröffentlichten Text autorisiert hat. Dazu liegen E-Mails vor. "Die andere Summe stand aber schon im Raum. Das wussten alle", erklärte er abschließend.

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