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Erich Hof: Genosse, Sänger, Familienmensch

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Erich Hof ist seit 60 Jahren SPD Mitglied. Sein Engagement wurde bereits 2011 mit der Willy-Brandt-Medaille, der höchsten Auszeichnung der Partei, gewürdigt. Foto: Zielinski © Zielinski

Im Mai ist das »Urgestein« der Busecker SPD nach 33 Jahren auf eigenen Wunsch aus der Gemeindevertretung ausgeschieden.

Buseck. »Ein Roter, doch ein Sanfter«, so bezeichnet sich Erich Hof. Dieses Zitat stammt zwar nicht von ihm, sondern vom Wissenschaftsjournalisten Horst Stern, trifft aber seine Persönlichkeit sehr gut. Denn er habe nie die Konfrontation gesucht, aber stets seinen Standpunkt deutlich gemacht, erklärt der 78-Jährige im Gespräch mit dem Anzeiger. Bereits vor einem halben Jahrhundert hat er sich als Vorsitzender der Busecker Jusos für umweltfreundliche Mobilität eingesetzt.

Die Bedingungen für den Radverkehr zu verbessern war schon damals sein Ziel. »Allerdings stießen wir auf erhebliche Widerstände bei den Landwirten, als wir versuchten, landwirtschaftliche Wege für den Radverkehr zu nutzen«, erinnert er sich. Unzählige Anträge habe er eingereicht mit dem Ziel, entlang der Landes- und Kreisstraßen Radwege zu bauen. Aus diesem Grund ist es für Erich Hof eine Selbstverständlichkeit, die Busecker Initiative »Verkehrswende« von Beginn an zu unterstützen.

Im Mai ist das »Urgestein« der Busecker SPD nach 33 Jahren auf eigenen Wunsch aus der Gemeindevertretung ausgeschieden. Als Dank für seine engagierte Arbeit wurde er ebenso wie Heinz Seibert (CDU) zum Ehrengemeindevertreter ernannt. Eine von vielen Auszeichnungen, die der 78-Jährige bereits erhalten hat. Besonders stolz ist er auf die Willy-Brandt-Medaille - die höchste Auszeichnung der SPD -, die ihm 2011 anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Partei in Buseck überreicht wurde.

Brandt persönlich kennengelernt

»Von allen SPD-Politikern hat mich Willy Brandt am meisten beeindruckt«, erzählt Hof. Schon als junger Mann habe er viel über ihn gelesen und sich sehr gefreut, den früheren Bundeskanzler bei einem seiner letzten Auftritte Mitte der 80er Jahre in Langgöns persönlich kennengelernt zu haben. »Brandt stand wie kein anderer für das demokratische Deutschland.«

Die Beziehung zur SPD wurde Erich Hof bereits in die Wiege gelegt. Sowohl sein Vater Wilhelm als auch sein Opa Kaspar waren engagierte Mitglieder der Partei. »1954 wurde meinem Opa die Ehrenurkunde für 60 Jahre Mitgliedschaft überreicht.« Die Urkunde ziert heute, wie viele andere Erinnerungsstücke auch, sein Arbeitszimmer.

Als sein Vater mit 55 Jahren starb, war Erich Hof gerade mal 14 Jahre alt. Mit Hilfe eines kleinen landwirtschaftlichen Betriebs konnte sich die Familie über Wasser halten. »Ende der 50er Jahre habe ich SPD-Beiträge kassiert, um mir ein Taschengeld dazu zu verdienen«, erzählt Hof. Sechs Mark habe er im Monat dafür bekommen. 1962 ist er dann selbst in die Partei eingetreten. Im Juli wurde Erich Hof für seine 60-jährige Mitgliedschaft geehrt.

Nach dem Besuch der Grundschule in Alten-Buseck und der Mittleren Reife in Wieseck startete er 1961 seine Beamtenlaufbahn im mittleren Postdienst. 1969 wechselte er zur Bahnpost in den gehobenen nicht technischen Fernmeldedienst und schlug somit die Inspektorenlaufbahn ein. Mit Ausnahme der letzten zehn Arbeitsjahre habe ihm sein Job immer Spaß gemacht, erklärt der Busecker. Doch die Privatisierung habe ständige Veränderungen im Arbeitsalltag mit sich gebracht.

Seit 1975 Vorsitzender

Durch seinen Schichtdienst in den 60er Jahren sei er weniger politisch aktiv gewesen. 1973 jedoch wurde Hof zum stellvertretenden Vorsitzenden der SPD Großen-Buseck gewählt, zwei Jahre später übernahm er den Vorsitz. Ein Amt, das er noch heute innehat. »Bereits dreimal haben wir versucht, einen Nachfolger für mich zu finden«, erzählt er. Doch keiner habe es länger als zwei Jahre durchgehalten. Und dies, obwohl Erich Hof immer als Stellvertreter zur Seite stand.

»In dieser Position ist es wichtig, die Mitglieder zu betreuen«, weiß er aus langjähriger Erfahrung. So sei es in Großen-Buseck noch immer eine Selbstverständlichkeit, Mitgliedern bei runden Geburtstagen zu gratulieren und bei Trauerfeiern persönlich einen Nachruf auf den Verstorbenen zu halten.

Noch immer ist kein Nachfolger für den rüstigen Rentner gefunden. Erich Hof hofft, dass es bei der Hauptversammlung im Oktober einen geeigneten Kandidaten gibt. In den vergangenen zwei Jahren seien die SPD-Ortsbezirke in Trohe, Alten-Buseck, Beuern und Oppenrod abgeschafft worden. Hof hofft, dass dies nicht auch in Großen-Buseck geschieht. Denn Anne Weigelt, die kürzlich die Nachfolge ihres Vaters Norbert als Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Buseck übernommen habe, brauche dringend Unterstützung.

Doch auch ohne die Arbeit in der Gemeindevertretung wird dem 78-Jährigen, der in drei Jahren diamantene Hochzeit mit Ehefrau Marianne begehen wird, nicht langweilig. Dafür sorgen vor allem die Kinder Wilfried, Corinna und Christine sowie die Enkelinnen Helene, Jette und Paula, die alle in Hessen leben.

Besonders stolz ist Erich Hof, dass sowohl seine Tochter Corinna als auch die älteste Enkelin Helene SPD-Mitglieder sind. »Eine Familie, in der sowohl zwei Vor- als auch zwei Nachfahren Mitglieder der Sozialdemokraten sind, ist sehr selten«, weiß er.

Neben der Familie ist ihm auch die Vereins- und Verbandsarbeit weiterhin sehr wichtig. Erich Hof ist Mitglied im Verkehrsclub Deutschland (VCD), im Fahrgastverband »Pro Bahn und Bus Hessen« und der Arbeiterwohlfahrt sowie seit 1961 in der Gewerkschaft. Von 2016 bis 2021 war Hof auch Ortsvorsteher von Großen-Buseck, seit einem Jahr ist er nun Stellvertreter.

50 Jahre im Gesangverein

Der 78-Jährige ist zudem ein leidenschaftlicher Sänger. Seit über 50 Jahren ist er Mitglied im Gesangverein Eintracht Germania Großen Buseck, wo er auch als Schriftführer fungiert. Auch im »Singenden Stammtisch«, der zur »Eintracht Germania« gehört, ist er aktiv. »Leider hatten wir seit Beginn der Corona-Pandemie keine Auftritte mehr«, bedauert er. Beim aus dem Jahrgang 1944/45 hervorgegangenen Shantychor »Busecker Strandgut« ist er Gründungsmitglied. »Wir sind 15 Sänger, die sich alle drei Wochen treffen. Vor der Pandemie hatten wir bis zu sieben Auftritte im Jahr.«

Eine Herzensangelegenheit war für Hof der »Projektchor«, der 2013 anlässlich des 150-jährigen Bestehens der SPD gegründet wurde und einen großen Auftritt im Versammlungsraum des Gießener Stadthauses hatte. »Viele der Arbeiter- und Freiheitslieder geraten leider immer mehr in Vergessenheit.«

Von Mitte der 70er Jahre bis 2015 war der Sozialdemokrat als ehrenamtlicher Schöffe bei Gießener Gerichten tätig. »Dort habe ich das Leben von der negativen Seite kennengelernt«, stellt er fest.

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