Erinnerungen an Hochwasser 1966 im Lumdatal

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ALLENDORF/LDA./LOLLAR/RABENAU/STAUFENBERG - (dge). Während an der Ahr nach dem katastrophalen Hochwasser noch immer die Aufräumarbeiten laufen, kommen hier in der Region die Erinnerungen an das Hochwasser im Lumdatal hoch. Im Juli 1966 hatten hier immense Niederschlagsmengen zu einem sogenannten Jahrhundert-Hochwasser geführt. die Schäden gingen zum Teil in die Millionenhöhe.

Schlauchboote auf der Treiser Hauptstraße - für die Kinder ein faszinierender Anblick, fast schon ein Abenteuer. Vom sicheren Fensterplatz aus blickte das kleine Mädchen gebannt hinaus. Aus dem Flüßchen Lumda war ein reißender Strom geworden, der niederwalzte, was ihm im Weg war. Wie gefährlich es etwa für die Nachbarin war, die auf der Flucht vor den Fluten nach ganz oben in die Scheune geklettert war, konnte das vierjährige Mädchen damals kaum erahnen. Die Frau wurde gerettet, doch auch auf dem bäuerlichen Anwesen zeigten sich Tage später die großen Ausmaße der Schäden. Das eigene Elternhaus lag etwas höher, doch auch hier war die Angst der Erwachsenen zu spüren. Man half den Nachbarn, so gut man konnte, und versuchte, die eigene Familie zu schützen - immer die Sorge im Nacken, dass nach den Wolkenbrüchen am 19. und 21. Juli noch mehr kommen könnte. Es kam nichts mehr nach, doch den Augen bot sich nach dem Rückzug der Wassermassen ein Bild der Zerstörung: "Übrig blieb ein Bild der Verwüstung" und "Flut wälzte sich talabwärts" lauteten die Überschriften im Gießener Anzeiger in der Ausgabe vom 21. Juli 1966. Brücken waren geborsten, teilweise weggeschwemmt worden, Keller waren vollgelaufen, das Mauerwerk häufig zerstört, Schlammspuren zogen sich nicht nur durch die Straßen, sondern auch durch Häuser, Scheunen und Ställe. Landwirtschaftliche Geräte waren kaputt, die Ernte auf den Feldern, in den Nutzgärten vernichtet. "Das Vieh auf den Weiden stand an manchen Stellen bis zu den Köpfen im Wasser, Schweine ertranken in ihren Ställen", beschrieben damals die Anzeiger-Redakteure die Lage.

Werner Heibertshausen von der Arbeitsgemeinschaft Heimatgeschichte Allendorf/Lda. hat in den Archiven gekramt und auch einige Fotos gefunden, die von den damaligen Ereignissen zeugen. Er berichtete unter anderem, dass Menschen, die mit dem Zug in Allendorf angekommen waren oder an den Bahnhof wollten, mit dem Lastwagen befördert werden mussten, die Ortsstraßen waren für Fußgänger und Autos unpassierbar. Doch das war beileibe nicht alles. Auch in Gewerbebetrieben, die im Bereich des Hochwassers lagen, seien große Schäden entstanden, so Heibertshausen. "Das Besondere an diesem Jahrhundert-Hochwasser war, dass am 19. Juli 1966 das erste Hochwasser kam, und dann richtete das zweite Hochwasser drei Tage später, am 22. Juli 1966, noch mehr Verwüstung an." In Lollar waren viele Geschäfte entlang der Durchgangsstraße in Mitleidenschaft gezogen, die Spur der Zerstörung zog sich durch das ganze Tal.

Thomas Schmitz-Albohn, ehemaliger Anzeiger-Redakteur, hatte zum 50. Jahrestag des Hochwassers 2016 zurückgeblickt: "Unmengen von Geröll waren zum Beispiel im Bereich der Kesselbacher Mühle angespült worden. Dort mündet der ansonsten friedlich plätschernde Kesselbach in die Lumda, doch hier hatten die Wassermassen mit zerstörerischer Kraft gewütet. Die Brücke an der Mühle war so sehr in Mitleidenschaft gezogen worden, dass die Teerdecke zusammenbrach und die Begrenzungssteine mitgerissen wurden. Voll erwischt hatte es auch das Sägewerk Nachtigall und die beiden Gärtnereien Pietsch und Diener, in denen Maschinen und technische Anlagen den Wassermassen zum Opfer fielen. Im Sägewerk wurden zwei bereits fertiggestellte Dachkonstruktionen völlig vernichtet."

Die Menschen im Lumdatal krempelten die Ärmel hoch, räumten auf. Mittlerweile gibt es mehrere Regenrückhaltebecken entlang der Lumda. Sie sollen Katastrophen wie die von 1966 verhindern helfen.

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