1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Kreis Gießen

»Es muss keiner kalt duschen«

Erstellt:

gikrei_090722_TVGroszen-L_4c_1
Der TV Großen-Linden betreibt seine eigene Sporthalle und sieht aufgrund der hohen Energiepreise enorme Kostensteigerungen auf sich zukommen. Archivfoto: Wißner © Thomas Wißner

Welche Auswirkungen haben die hohen Energiekosten auf Sportvereine? Wer eine Halle der Kommune nutzt, hat bessere Karten.

Kreis Gießen . (lth). Noch scheint ein Ende der Fahnenstange nicht in Sicht zu sein. Die Energiepreise steigen weiter stetig an und das ist nicht nur für Familien und Unternehmen ein Problem, sondern stellt auch Sportvereine vor große Herausforderungen. Viele Vereine wie der TSV Grünberg oder der TSV Krofdorf-Gleiberg nutzen städtische beziehungsweise gemeindliche Hallen kostenfrei für den Trainings- und Wettkampfbetrieb. Der TV Großen-Linden hingegen betreibt die vereinseigene Halle in Eigenregie und blickt daher mit besorgterem Blick in Richtung Zukunft.

»Da sich die meisten Abteilungen derzeit noch in der Sommerpause befinden und die Vorbereitungen auf die neue Saison erst beginnen, hält es sich aktuell mit den hohen Energiepreisen noch in Grenzen«, sagt der Vorsitzende der Sportkreises Gießen, Professor Heinz Zielinski, im Gespräch mit dem Anzeiger. Doch er ist sich über den Ernst der Lage bewusst und richtet sich darauf ein, dass die Problematik viele Vereine direkt betreffen wird. »Wir haben natürlich die Sorge, dass es noch schlimmer wird.« Die Vereine haben bereits unter den zurückliegenden zwei Jahren der Corona-Pandemie gelitten, als der Sportbetrieb großteils komplett zum Erliegen gekommen war und es in Folge dessen zu erheblichen Einbußen bei den Einnahmen kam.

Sparpotenziale ausfindig machen

Für die Vereine gilt es deshalb nun, Sparpotenziale ausfindig zu machen, um Energiekosten zu reduzieren. Diesen Weg schlägt auch der TV Großen-Linden ein, dessen Verantwortliche bereits Gespräche mit einem Energieberater vereinbart haben. »Wir wollen Einsparmöglichkeiten aufgezeigt bekommen, die wir selbst noch nicht entdeckt haben«, erläutert der Vorsitzende Josef Semmelroth. Er rechnet in diesem Jahr mit einer deutlichen Steigerung der Kosten für die Unterhaltung der vereinseigenen TV-Halle in der Ludwigstraße. Lagen diese in den vergangenen Jahren in etwa bei 6000 bis 7000 Euro jährlich, plant der Verein für 2022 einen fünfstelligen Betrag ein.

Als eine erste Maßnahmen hat der Verein die Temperatur der Duschen leicht reguliert. »Man kann das Thermostat nicht mehr komplett auf heiß drehen, was beim Duschen ohnehin nicht notwendig ist. Eine normale Nutzung ist aber weiterhin möglich«, betont Semmelroth. Zusätzlich will der TV-Vorstand prüfen, ob man beim Heizen der Halle sparen kann. Eine automatische Nachtabschaltung sei schon seit einigen Jahren aktiv. Dennoch wolle man schauen, »ob nachgesteuert werden kann«, erläutert Semmelroth.

Einschränkungen beim Benutzen der Halle will der TV-Vorsitzende nicht. Das Sportangebot soll wie bisher fortgeführt werden. Dies ist auch im Sinne des Sportkreises. Denn auch Zielinski appelliert an die Vereine, die Sporthallen offen zu lassen und die vielfältigen Angebote aufrecht zu erhalten.

Beitragserhöhungen als »letztes Mittel«

Sollten jedoch die Energieeinsparmöglichkeiten nicht ausreichen, um die laufenden Kosten zu decken, behält es sich der Vorstand des TV Großen-Linden als »letztes Mittel«, vor, die Mitgliedsbeiträge zu erhöhen. »Wir hoffen, dass der Fall nicht eintritt. Aber sollte es soweit kommen, hoffen wir natürlich auch, dass unsere Mitglieder diesen Weg zusammen mit uns gehen«, so der Vorsitzende des rund 1400 Mitglieder starken Vereins. Trotz der unsicheren Zukunft werde man beim TV nicht den Mut verlieren, gibt sich Semmelroth kämpferisch.

Deutlich kleiner sind die Sorgenfalten beim TSV Krofdorf-Gleiberg und beim TSV Grünberg. Beide nutzen ihre Hallen, die den Kommunen gehören, als Verein kostenlos und haben von den Verwaltungen nicht gehört, dass sich daran etwas ändern sollte. »Bürgermeister Marc Nees hat nach seiner Wahl uns gesagt, dass die Nutzung der Sporthallen für Vereine kostenfrei bleiben wird. Und davon gehen wir auch weiterhin aus«, erklärt der Vorsitzende des TSV Krofdorf-Gleiberg, Kay Drescher. Die Kosten zur Unterhaltung des Vereinsheims seien ohnehin nicht besonders groß, deshalb ist der größte Wettenberger Sportverein froh, dass man nicht direkt von den hohen Energiepreisen betroffen ist.

Im Osten des Landkreises nutzt der TSV Grünberg vorwiegend die städtische Theo-Koch-Sporthalle in unmittelbarer Nähe zum Vereinsheim. Von höheren Kosten durch steigende Energiepreise geht man aktuell nicht aus, wie der Bereichsleiter für Verwaltung und Finanzen beim TSV, Wolfgang Luhn, angibt. Zugute kommt dem Verein, dass die Heizanlage im vergangenen Jahr von Gas auf Flüssiggas umgestellt wurde. »Bei uns muss keiner kalt duschen«, merkt Luhn schmunzelt an.

Die Kosteneinsparung durch die Heizungsumstellung sei zwar aktuell noch nicht zu beziffern, doch der Finanzchef des TSV schätzt sie auf rund 1500 Euro pro Jahr. Außerdem habe man durch den Verkauf des Vereinsgebäudes im vergangenen Herbst Heizkosten einsparen können. Der Verkauf des Gebäudes an einen Investor war mit einigen negativen Nebengeräuschen vollzogen worden. Das Sportgelände des TSV ist ohnehin nicht besonders stark frequentiert, da die Fußballer in einer Spielgemeinschaft aktiv sind. Deshalb rechnet man mit keiner großen Kostenbelastung durch die steigenden Energiepreise.

Wo genau der Weg hinführen wird, wird wohl erst nach den Sommerferien ersichtlich werden. Dass der Sportkreis Gießen die Vereine nicht im Stich lässt, betont Zielinski in aller Deutlichkeit. »Wir können Unterstützung beim Beantragen von Fördergeldern anbieten und werden uns auch dafür einsetzen, dass die Landesregierung Hilfspakete für besonders betroffene Vereine auf den Weg bringt.«

Auch interessant