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Felix Döring (SPD) schafft Feuertaufe im Bundestag

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Bundestagsabgeordneter Felix Döring (2.v.l.) weihte das Bürgerbüro in Grünberg zusammen mit seinem Mitarbeiter Tobias Lux, der Landtagsabgeordneten Nina Heidt-Sommer und Patrick Krug, Vorsitzender der SPD Vogelsberg (v.l.), ein. © Böhm

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Felix Döring hat seine erste Rede zur geplanten Streichung des Paragrafen 219 a gehalten. Wie es ihm dabei ging, hat er bei einem Termin in Grünberg verraten.

Kreis Gießen (vb). »Willkommen in Grünberg«, meinte Bürgermeister Frank Ide, gab Felix Döring einen Fistbump und gratulierte ihm zur ersten Rede als Bundestagsabgeordneter. »Ich war ziemlich aufgeregt«, bekannte der SPD-Politiker, doch seinem knapp vierminütigen Auftritt zur geplanten Abschaffung des Paragrafen 219 a merkte man dies nicht an. Döring hat damit seine Feuertaufe im Bundestag bestanden. Die Wohnungssuche in Berlin war indes noch nicht erfolgreich. »Aber ich bin ja schließlich auch gewählt worden, um im Wahlkreis anwesend zu sein«, meinte der 30-Jährige. Und in Grünberg, ziemlich in der geografischen Mitte seines Wahlkreises, wurde am Freitag ein Bürgerbüro eröffnet. Dort will der Abgeordnete künftig regelmäßig Sprechstunden anbieten. Die erste fand direkt nach dem Pressetermin statt.

Bekanntlich hatte Döring am 26. September das Direktmandat im Wahlkreis 173 gewonnen, der den Landkreis Gießen (ohne Biebertal und Wettenberg) und Teile des Vogelsberges umfasst. Deshalb nahm auch Patrick Krug, der Vorsitzende der Vogelsberger SPD, am Pressetermin teil. Ebenfalls dabei war die Landtagsabgeordnete Nina Heidt-Sommer, die Mitte Dezember für Frank-Tilo Becher in den Landtag nachrückte, nachdem dieser Gießener Oberbürgermeister geworden war. Das Büro in der Alsfelder Straße 6 dient auch als Außenstelle ihres Wahlkreisbüros, ebenso für jenes des Gießener Europaparlamentariers Udo Bullmann. Seit zweieinhalb Jahren sind die Räumlichkeiten hauptsächlich die Geschäftsstelle des SPD-Ortsvereins.

Das eigentliche Wahlkreisbüro ist in der SPD-Geschäftsstelle in Gießen, ein weiterer Anlaufpunkt ist in Alsfeld. Döring sieht das Büro in Grünberg als »Angebot an den ländlichen Raum«, an die Bürger im östlichen Landkreis Gießen und im westlichen Vogelsbergkreis, von denen viele ohnehin freitags zum Wochenmarkt in die Gallusstadt kommen. An die Marktzeit anschließend ist künftig jeden Freitag zwischen 12 und 14 Uhr Bürgersprechstunde. Döring wird nicht jedes Mal da sein können, aber sein Mitarbeiter Tobias Lux, der Vorsitzende der Grünberger SPD, wird Anliegen aufnehmen oder Gesprächstermine vermitteln. Die Geschäftsstelle ist freitags von 10 bis 12 sowie von 16 bis 18 Uhr geöffnet.

»Wir müssen sichtbar und ansprechbar sein«

Auch Nina Heidt-Sommer will regelmäßig freitags in Grünberg vor Ort sein und die Bürger auch direkt auf dem Marktplatz ansprechen. »Wir können nicht warten, dass die Bürger kommen, sondern man muss für sie sichtbar und ansprechbar sein«, erklärte sie.

Wie oft die Abgeordneten tatsächlich in Grünberg Präsenz zeigen können, hängt selbstredend von ihren Verpflichtungen in Berlin oder Wiesbaden ab. Döring berichtete, dass es pro Jahr 22 Sitzungswochen im Bundestag gebe. Die ersten Termine seien jeweils Montagsabends, so dass er morgens mit dem Zug anreisen könne. Nach dem letzten Termin am Freitag reiche es noch »für ein spätes Abendessen mit meiner Frau«. Die Wochenenden stehen für Aktivitäten im Wahlkreis zur Verfügung. Heute zum Beispiel soll der 30-Jährige als Nachfolger von Becher zum SPD-Unterbezirksvorsitzenden gewählt werden.

Döring ist ordentliches Mitglied im Ausschuss für Kultur und Medien und im Familienausschuss (»beide hatte ich mir gewünscht«) sowie stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung (»passt zu mir als ehemaligem Lehrer«).

Wie kam es zur ersten Rede im Bundestag? Der Abgeordnete ist im Familienausschuss unter anderem zuständig für das Thema »Reproduktionsrecht«. Die neue Ampel-Koalition will den Paragrafen 219 a, der die Werbung für den Abbruch der Schwangerschaft unter Strafe stellt, bekanntlich abschaffen. In seiner Rede bezeichnete Döring den Paragrafen als »im Grundsatz falsch und reaktionär«. Er übermittelte einen »Gruß der Solidarität« an die Gießener Ärztin Kristina Hänel, die wegen der geltenden Rechtslage verurteilt worden ist. Dies sei »zutiefst beschämend«. Der SPD-Politiker bescheinigte der Union, es sei deren »traurige Kernkompetenz, den gesellschaftlichen Fortschritt« aufhalten« zu wollen.

»Die Zwischenrufe waren neu für mich, das kenne ich von Parteitagen nicht«, schmunzelte der 30-Jährige. Dorothee Bär (CSU) habe »Quatsch« gerufen und ihm bescheinigt, keine gute erste Rede gehalten zu haben. »Das bereitet mir keine schlaflosen Nächte. Die Rede passte zeitlich, denn zwei Tage später kam der Referentenentwurf zur Abschaffung des 219 a.«

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