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Fernwalder Sozialausschuss vertragt Abstimmung über Kita-Betreiber

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Von: Eva Pfeiffer

FERNWALD - (ebp). Wenig Neues gibt es zu den Planungen für eine neue Kindertagesstätte in Annerod. Eigentlich hatte man in der vergangenen Sitzungsrunde angestrebt, dass nach der Sommerpause ein Vertragsentwurf mit der Lebenshilfe Gießen, die als Betreiber angedacht ist, vorliegen soll. Die Verzögerung sei "den Ferienzeiten geschuldet", sagte Bürgermeister Stefan Bechthold und ergänzte:

"Genauigkeit hat Vorrang vor Schnelligkeit". Man habe zwar wie alle Kommunen einen "enormen Druck", was die Kinderbetreuung angehe, aber noch keinem Kind absagen müssen.

Peter Steil bat darum, dass vor einem Beschluss eine Kostengegenüberstellung angefertigt wird: Wie teuer wird es für Fernwald, wenn die Gemeinde den Kindergarten selbst betreibt und wie hoch fallen die Kosten aus, wenn die Lebenshilfe dies übernimmt. Man werde am Ende nicht viel sparen, prognostizierte Bechthold. Die Vergabe an einen externen Betreiber entlaste jedoch auch die Gemeindeverwaltung.

"Bevor der Kindergarten betrieben werden kann, muss er erst einmal gebaut werden", sagte Matthias Klose (CDU). Doch nach wie vor steht noch nicht endgültig fest, wie groß das spätere Baugrundstück ausfallen wird. Man sei "in guten Gesprächen mit dem Eigentümer" für ein zusätzliches Grundstück, das die Fläche nahe des Neubaugebiets "Auf der Jägersplatt" erweitern würde.

"Das würde alles entspannen, aber man braucht es nicht zwingend", so der Bürgermeister. Man wolle daher "nicht bis zum Sankt-Nimmerleinstag" auf eine Entscheidung des Eigentümers warten, sagte Bechthold und kündigte an: "In ein bis zwei Wochen ist die Grundstücksfrage geklärt."

Die Größe des Grundstücks ist ausschlaggebend für die Positionierung von Kindergarten und Nahversorger. Im Entwurf von Architekt Dieter Warter grenzt die Kita-Fläche an die Großen-Busecker Straße. Bei einem größeren Grundstück könnten Nahversorger und Kita die Plätze tauschen.

Schneller realisiert werden kann vermutlich die geplante Waldkita. Hier plane man mit dem kommenden Frühjahr als Starttermin, sagte Bechthold. In den nächsten Wochen soll es eine Begehung geben, um einen geeigneten Standort festzulegen.

Die gezielte Erhöhung der Familiengerechtigkeit in den Städten und Gemeinden hat sich der Verein "Familiengerechte Kommune" auf die Fahnen geschrieben. Auf Antrag der CDU-Fraktion erläuterte Auditorin Ellen Ehring das Konzept im Sozialausschuss.

Entscheidet sich eine Kommune für die Teilnahme, durchläuft sie zunächst ein rund einjähriges Auditorium. In dieser Zeit wird eine Bestandsanalyse angefertigt. In der anschließenden sechsmonatigen Beteiligungsphase werden unter anderem Bürger und Vereine eingebunden. Nach der Zielvereinbarung erhält die Kommune das Zertifikat "Familiengerechte Kommune" und kann dies für drei Jahre nutzen. In den drei Jahren sollen die beschlossenen Ziele umgesetzt und regelmäßig über den Stand berichtet werden. Eine Verlängerung ist möglich.

In Hessen gibt es bislang erst zwei zertifizierte Kommunen: Eschwege und Bebra. Der Großteil der Zertifikatsträger befindet sich in Nordrhein-Westfalen. "Es gibt einen Wettbewerb der Kommunen untereinander", sagte Ellen Ehring. Man könne das Zertifikat als Marketinginstrument nutzen, um gezielt junge Familien anzulocken. Bis zum Jahr 2030 werde für Fernwald ein Zuwachs von fünf Prozent prognostiziert, der vor allem durch Zuzüge generiert werde. Es könne daher sinnvoll sein, die Attraktivität für Familien gezielt herauszustellen, so Ehring.

Man könne das Zertifikat "als Möglichkeit nutzen, um bei Anträgen und Planungen in Zukunft strategischer vorzugehen", regte Jan-Eric Walb (CDU) an. Die Partizipation der Bürger sei wichtig, denn man dürfe Maßnahmen zur Familiengerechtigkeit nicht am Reißbrett entwickeln.

Peter Steil (FDP) verwies auf die Kosten in Höhe von 13 000 Euro, die für den Auditierungsprozess fällig werden. Das sei "eine gewaltige Summe", von der er sich nicht sicher sei, dass Fernwald sie tragen könne. "Ich sehe den Mehrwert einer Zertifizierung im Moment nicht", sagte Heike Wehrum (SPD). Unter den Teilnehmern seien einige "Problemkommunen", zu denen Fernwald nicht zähle. Zudem gehöre die Gemeinde ohnehin zum Einzugsgebiet Rhein-Main und müsse aufpassen "nicht alles zuzupflastern".

Stefan Becker (Freie Wähler) warf die Frage auf, ob familiengerecht die richtige Positionierung für Fernwald sei, um sich von anderen Kommunen abzugrenzen. Zudem hapere es nicht an der generellen Bereitschaft, sondern "wir haben eher Probleme mit der Umsetzung". Er erwarte wenige neue Erkenntnisse durch ein Auditorium. Eine Entscheidung wurde in der Sitzung nicht getroffen. Die Fraktionen wollen sich beraten.

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