Friedelhausen: "Frau Merkel im Bienenstock"

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FRIEDELHAUSEN - (dge). Bienenvölker haben in der Tat so etwas wie eine demokratische Struktur, denn immerhin bestimmen sie ihr Staatsoberhaupt, in diesem Fall die Bienenkönigin, doch selbst. Eine erstaunliche Erkenntnis - das fanden auch Dr. Helge Braun (Kanzleramtsminister und Direktkandidat für den Bundestag) und Landratskandidat Peter Neidel (beide CDU) bei ihrem Besuch auf dem Hofgut Friedelhausen.

Gemeinsam mit Mitgliedern des CDU-Stadtverbands Lollar lauschten sie den Ausführungen von Wiebke Keiner-Stoehr und Jens Keiner. Die beiden sind nicht nur Hobby-Imker, sondern leben und arbeiten als Betreuer auf dem inklusiven Hofgut. In Friedelhausen leben und arbeiten Menschen mit Behinderung. Vor rund 30 Jahren aus einer Elterninitiative heraus entstanden, hat sich die Hofgemeinschaft für heilende Arbeit, so auch der Name des Trägervereins, zu einem Ort entwickelt, an dem heute 85 Menschen mit Behinderung nach ihren Fähigkeiten und Vorlieben arbeiten. Bekannt und beliebt sind die biologisch-dynamisch hergestellten Lebensmittel, die im Hofladen und auch im Dorfladen im benachbarten Ruttershausen verkauft werden. Auch der Honig des Ehepaars Keiner reiht sich nun in die Produktpalette ein.

Genau wie bei der Haltung der Kühe und Schweine, bei der Arbeit auf den Feldern, im Garten, in der Molkerei, der Käserei und den verschiedenen Werkstätten braucht es auch bei der Imkerei helfende Hände. So sind die Mitarbeiter selbstverständlich auch bei den Bienenvölkern zu finden. Und sie kennen sich mittlerweile mit deren "Staatsform" aus: "Die Bienenkönigin ist die Frau Merkel im Bienenstock", zitiert Wiebke Keiner-Stoehr einen ihrer Schützlinge. Das ist in der Tat ein guter Vergleich, denn, wie eingangs erwähnt, bestimmen die Arbeiterbienen ihre Königin quasi selbst. Sie entscheiden, welches Ei mit Gelee Royal versorgt wird, bauen extra ein größeres Nest für die royale Nachfolgerin. Ist die neue Königin ausgewachsen, summt sie und tut damit kund: "Ich komme gleich raus." Das ist, so die Experten, sozusagen auch das Signal für die alte Königin, sich zurückzuziehen, abzutreten.

Wann merkt man, dass die alte Königin ihrem Amt nicht mehr gerecht wird? "Die Stimmung im Volk ist anders, die Bienen verhalten sich anders", so Keiner-Stoehr. Daran merke man, dass eine neue Königin gebraucht werde. Die Rolle der Drohnen, also der männlichen Bienen, sei bei alldem "ziemlich eingeschränkt".

Mit Blick auf die fleißigen Arbeiterinnen und die eher passiven Drohnen scherzte Helge Braun, dass hier wohl eine "traditionelle Rollenverteilung" herrsche. "Abgesehen davon, dass die Königin von gleich mehreren Drohnen begattet wird, ja", schränkte Jens Keiner diesen Vergleich ein wenig ein.

Doch nicht nur die Imkerei stand im Fokus des Besuchs. Nicole Statt vom Vorstand des Trägervereins wies auf dringliches Problem hin. "Wir brauchen unbedingt einen Breitbandanschluss. Zurzeit laufen Telefonie und Internet über Funk", schilderte sie die digitale Unterversorgung des Hofguts. Der nächste Knoten sei in Odenhausen, doch müsste ein Kabel unter der Lahn hindurch verlegt werden. Einfacher wäre es, die Verbindung vom benachbarten Sichertshausen zu holen. Das Problem: Sichertshausen liegt im Landkreis Marburg-Biedenkopf und dort arbeitet man wohl mit einer anderen Technik als im Landkreis Gießen. "Das ist meine Spezialität", so Braun. Er versprach, sich des Problems anzunehmen: "Ich rufe mal bei der Telekom an."

Im Anschluss besuchten Braun und Neidel die Firma Weimer in Ruttershausen.

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