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Friederike nicht geschlagen

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Ylenia legte viele Bäume flach, doch an Friederike kam sie nicht heran. © M. Göbel

Ein Glückspilz und viele umgestürzte Bäume sind die Bilanz des Ylenia-Auftritts.

Kreis Gießen (ww/dge/lth/imr). Ylenia kann Friederike nicht das Wasser reichen, zumindest nicht im Kreisgebiet. Kreisbrandinspektor Mario Binsch erinnerte sich an einen Einsatz 2018 auf der Beuerner Brücke, als ein Lkw vom Seitenwind gekippt wurde. Das gab es diesmal nicht, allerdings einen Glückspilz, als im Leihgesterner Weg auf Lindener Gemarkung ein Baum auf sein Auto stürzte. Er verletzte sich nur leicht. Ylenia war nicht nur ein Lüftchen, das steht fest. Eine weitere Sturmwarnung gilt auch noch am heutigen Freitagabend.

Am späteren Mittwochabend kamen die ersten Meldungen herein, wie Warnungen und, dass die Präsenzpflicht an Schulen bis einschließlich heute aufgehoben ist. Die Leitstelle der Feuerwehren in Gießen wurde schon am Mittwoch verstärkt und das bleibt auch so bis Samstagfrüh, betonte der Kreisbrandinspektor, der auf über 50 Einsätze im Kreisgebiet verwies. Vorwiegend umgefallene Bäume und einige vollgelaufene Keller hinterließ Ylenia.

Die Feuerwehren mussten erst am frühen Donnerstagmorgen zu Einsätzen fahren, als der Sturm seinen Höhepunkt erreicht hatte. Zuvor rückte der Orkan allerorten Gegenstände wie Tische, kippte Roller und Baustellenschilder um, riss aber auch ein Scheunendach weg. Ansonsten pfiff er kräftig durch alle Ritzen und ließ manches Herz rasen.

Sonnenstrahlen nach der Toberei

Ylenia, die Sonnenhafte, selbst beruhigte sich schon am Donnerstagvormittag und wurde ihrem Namen gerecht. Nach der Toberei ließ das Wetter auch Sonnenstrahlen zu.

Was Binsch im Überblick wiedergab, bestätigte eine Auswahl an Stadt- und Gemeindebrandinspektoren im Kreis. Pohlheims Stadtbrandinspektor Bernd Schöps wusste in Pohlheim von zwei Einsätzen zu berichten. Einmal musste in Holzheim Astwerk von einer Straße geräumt, allerdings direkt danach ein ausgewachsener Baum in Garbenteich innerorts entfernt werden. Von mehr als zehn Einsätzen sprach sein Laubacher Kollege Dominik Debus, der gerade mit seiner Mannschaft Richtung Hessenbrückenhammer zum nächsten Einsatz fuhr. »Die Nacht war’s ruhig, aber am Donnerstagmorgen ging es los.«

Sturmtief hat in Langgöns und Linden keine erheblichen Schäden angerichtet. »Bei uns sind bis zum heutigen Nachmittag keine nennenswerten Schadensmeldungen eingegangen«, berichtete Peter Müller aus dem Langgönser Ordnungsamt. Im Seegrundweg zwischen den Ortsteilen Cleeberg und Espa, der für den Verkehr sowieso gesperrt ist, gab es wenige Windbrüche. »Was den öffentlichen Raum angeht, haben wir den ganzen Tag über kontrolliert«, informierte Müller. Bis zum Nachmittag hatten auch die Feuerwehren in den insgesamt sechs Ortsteilen keine sturmbedingten Einsätze. Ähnlich sah es gestern Nachmittag in Linden aus: zwei umgefallene Bäume, einer im Bereich der Grube Fernie, ein weiterer auf der Zugangsstraße »Gießener Pforte« zur Firma Risomur, waren zu verzeichnen, berichtete Jan Frederik Michel vom Bauhof der Stadt Linden.

In Biebertal wütete Ylenia schon etwas heftiger, wie Gemeindebrandinspektor Marcel Hänsel auf Nachfrage bestätigte. Zwischen zwei und acht Uhr morgens wurden die Brandschützer zu fünf Einsatzstellen gerufen. Los ging es um 2.31 Uhr für die Löschgruppe Rodheim, die mit dem Stichwort »Wasser im Keller« alarmiert wurde. Das Wasser, das sich im Erdgeschoss des Hauses befand, konnte abgepumpt werden. Um kurz nach vier Uhr mussten weitere Feuerwehrleute aus ihren Betten steigen, denn in Bieber überflutete die Kehlbach eine Straße. »Nach Erkundung wurde die Löschgruppe Bieber nachalarmiert, um Unrat am Einlaufbauwerk zu entfernen und einen vollgelaufenen Keller auszupumpen«, so Hänsel. In Bieber lief ebenfalls ein Keller eines Wohnhauses voll mit Wasser und musste ausgepumpt werden. Die Löschgruppe aus Frankenbach kümmerte sich in den frühen Morgenstunden gegen 4.30 Uhr auf der Landstraße L 3047 zwischen Frankenbach und dem Krumbacher Kreuz um umgestürzte Bäume auf der Fahrbahn. Da weitere Bäume zu brechen drohten, musste die Straße gesperrt werden«, erläuterte der Biebertaler Einsatzleiter.

Die Straßenmeisterei von Hessen Mobil beseitigte die Bäume. Ebenfalls um umgestürzte Bäume kümmerten sich um etwa 5.30 Uhr die Feuerwehrleute aus Krumbach. Ebenfalls auf der Landstraße L 3047, aber diesmal in Richtung Wilsbach, brachte Ylenia mehrere Bäume zu Fall, die auf der Fahrbahn landeten. Diese könnten jedoch durch die Einsatzkräfte beseitigt werden. »Wir hoffen, dass die kommenden Nächte ruhiger verlaufen, jedoch sind bereits für die Nacht auf Samstag erneut schwere Stürme gemeldet«, teilte Hänsel mit. Sechs Einsätze gab es für die Fernwalder Feuerwehrleute. »Zu 95 Prozent umgestürzte Bäume«, fasste Gemeindebrandinspektor Jens Richmann die Einsätze an der B 49 und bei Oppenrod zusammen. Zu einem weggeflogenen Industriezelt in Ettingshausen wurde die Reiskirchener Feuerwehr gerufen. Da jedoch Anwohner und Angehörige des Unternehmens hier schon geräumt hatten, sei es »eigentlich kein Einsatz für die Feuerwehr« gewesen, erklärte Gemeindebrandinspektor Jan Feldbusch.

Partyzelt fliegt davon

Sturmbedingt mussten die Reiskirchener ansonsten nicht ausrücken. Ein umgestürzter Baum und ein weggeflogenes Partyzelt, beides in Großen-Buseck, ist die Bilanz, die Gemeindebrandinspektor Torsten Hansmann zog. Ansonsten sei es ruhig gewesen.

Im Lumdatal war es relativ ruhig. »Toi, toi, toi - keine Einsätze«, zeigten sich sowohl Marco Kirchner (Stadtbrandinspektor Lollar) als auch der Staufenberger Stadtbrandinspektor Oliver Ortwein erleichtert. »Jetzt müssen wir abwarten«, kommentierte Ortwein jedoch vorsichtig die Wettervorhersage.

Scheunendach weggeweht

Ebenfalls glimpflich ging es in der Rabenau ab. Gemeindebrandinspektor Markus Göbel und seine Truppe mussten zwar zu 15 Einsatzstellen ausrücken wegen umgestürzter Bäume sowie einem weggewehten Dach einer außenliegenden Scheune, doch meinte Göbel: »Im großen und ganzen sind wir verschont geblieben. Es gab keine Personenschäden und das ist doch das Wichtigste.« Umgestürzte Bäume hielten auch die Allendorfer Wehr auf Trab. Wie Stadtbrandinspektor Michael Carl berichtete, räumte die Wehr zwischen Climbach und Beuern sowie Allendorf und Allertshausen Bäume von der Straße.

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