Frisch, fruchtig, nachhaltig

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STAUFENBERG - (dge). Ein schmuckes, gelbes Band hat bereits im vergangenen Jahr darauf hingewiesen, von welchem Obstbaum man Früchte nicht nur naschen, sondern auch pflücken darf. Mit diesem Band hat die Stadt Staufenberg kommunale Obstbäume zur Ernte freigegeben. Die Initiative ging von dem Bürgernetzwerk "Staufenberg nachhaltig" und dem Staufenberger Nabu aus, Unterstützung gab es sogleich aus dem Rathaus.

So auch in diesem Jahr.

"Nachdem die Aktion 'gelbes Band', bereits letztes Jahr ein voller Erfolg war, wird die gemeinsame Aktion der Stadt Staufenberg und des Bürgernetzwerkes "Staufenberg nachhaltig" dieses Jahr fortgesetzt", ist aus dem Rathaus zu vernehmen. Bei der Aktion, bei der städtische Obstbäume zur Ernte für alle freigegeben werden, darf das Obst mit beispielsweise Apfelpflückern geerntet werden. Vor waghalsigen Baumkletteraktionen warnt die Stadtverwaltung: "Die Nutzung von Anlehnleitern ist allerdings aus Gründen des Unfallschutzes untersagt." Das Betreten der Baumgrundstücke sowie das Ernten erfolgen auf eigene Gefahr, die Stadt übernimmt keinerlei Haftung.

Motivation

"Obst im Supermarkt zu kaufen mag zwar bequem sein, ist aber alles andere als nachhaltig, denkt man allein an die langen Transportwege", hatte Bürgermeister Peter Gefeller die Motivation zur Teilnahme an der Aktion im vergangenen Jahr erklärt. Doch nicht nur das, denn immer, wenn ein neues Baugebiet ausgewiesen wird, müssen an anderer Stelle Ausgleichsflächen entstehen. Oft sind es Streuobstwiesen, die dann angelegt werden. Mit dem Pflanzen und der Pflege der Bäume ist es nicht getan, häufig sieht man sie voller Äpfel, Birnen, Pflaumen, die nicht geerntet werden. Lebensmittel, die sozusagen direkt vor der Haustür wachsen, haben das Nachsehen, während sich im Supermarkt importierte Früchte stapeln. Von nachhaltigem Umgang mit Ressourcen kann da kaum die Rede sein. Es stellt sich die Frage, warum man Äpfel aus Neuseeland oder Argentinien kaufen soll, wenn Obstbäume in der Region ebenso leckere Früchte tragen. Außerdem bieten die heimischen Obstbäume Lebensraum für viele Tierarten. "Hochstämmige Obstbäume sowie Streuobstwiesen prägen seit Menschengedenken die dörfliche Kulturlandschaft. Bis in die 1970er Jahre wurden Streuobstbestände mit staatlicher Förderung vernichtet. Heute tragen Überalterung der Bäume, Verbuschung wegen fehlender Pflege, keine Nutzung des Obstes sowie Erschließung für Wohn- und Gewerbegebiete zur weiteren Dezimierung von Streuobstwiesenflächen bei", heißt es auf der Homepage von "Staufenberg nachhaltig".

Doch zurück zum "gelben Band": Will man einen leckeren Pausenapfel genießen, einen Kuchen backen oder Apfelsaft pressen, liegt zumindest eine Zutat direkt vor der Nase - und dies kostenfrei und ungespritzt. Ein paar Dinge sind dabei zu beachten: Es dürfen keine Äste abgebrochen und keine Bäume beschädigt werden. Auch sind die Grundstücke so zu verlassen, wie man sie vorgefunden hat, und die Ernte darf nur zu privaten Zwecken verwendet werden. Ansonsten kann man sich gerne bedienen, wenn ein Baum mit dem gelben Band gekennzeichnet ist. Im Übrigen gibt es auch die Möglichkeit, für einen Baum eine Patenschaft zu übernehmen und ihn so für die nächste Ernte zu reservieren.

Das Bürgernetzwerk "Staufenberg nachhaltig" bewertet die letztjährige Aktion als vollen Erfolg und will sie nun nach Möglichkeit auch auf private Bäume ausweiten. "Menschen, die ihre eigenen Bäume nicht abernten können, können auf diese Weise dafür sorgen, dass das wertvolle Obst nicht einfach verfault." Wer also Bäume hat, die auf einem frei zugänglichen Grundstück stehen und deren Obst man nicht selbst ernten kann oder will, kann diese gerne den Staufenberger Bürgern zur freien Ernte zur Verfügung stellen. Die gelben Bänder werden kostenlos abgegeben, sie sind aus Cellulose und verrotten nach etwa zwei Jahren.

Auf der Homepage der Stadt Staufenberg (www.staufenberg.de) oder der des Bürgernetzwerks (www.staufenberg-nachhaltig.org) zeigt eine Karte, wo die Bäume mit dem gelben Band zu finden sind.

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