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Gedenken an Zwangsarbeiter in Freienseen

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Im Landkreis Gießen existiert nur noch eine Baracke, in der einst Zwangsarbeiter untergebracht waren. Sie steht unter Denkmalschutz und wird in Freienseen als Lager von einem Baustoffhandel genutzt. Nun soll dort eine Stele mit einer Gedenktafel aufgestellt werden. Archivfoto: Bender © Red

An einer Baracke in Freienseen soll an das Schicksal von überwiegend russischen Zwangsarbeitern erinnert werden, die dort zum Ende des Zweiten Weltkriegs untergebracht waren.

Kreis Gießen (vb). 15 baugleiche Baracken für vorwiegend russische Zwangsarbeiter standen ab 1944 bis Ende des Zweiten Weltkrieges in einem Lager in Freienseen. Heute ist nur noch eine davon erhalten und wird als Lager eines Baustoffhandels genutzt. Nichts erinnert an die Geschichte des Gebäudes und das Schicksal der Menschen, die dort lebten. Dies soll sich nun ändern. Der Kreistagsausschuss für Soziales, Gesundheit, Integration und Ehrenamt hat am Mittwoch einstimmig beschlossen, dass eine Stele mit einer Gedenktafel aufgestellt werden soll. Die »Gießener Linke« und »Die Vraktion« hatten den Antrag gestellt. Der Kreisausschuss soll sich mit der Denkmalschutzbehörde, dem Denkmalschutzbeirat, der Stadt Laubach und dem Ortsbeirat Freienseen abstimmen. Zum Beispiel die Kreisvolkshochschule und die Jugendförderung beim Landkreis sollen eingebunden werden, um das Thema mit Projekten und Veranstaltungen zu begleiten.

Der Wettenberger Lokalhistoriker Dieter Bender beschäftigt sich seit über 20 Jahren unter anderem mit der Geschichte der Zwangsarbeiter im heimischen Raum. Aus Anlass des 80. Jahrestages des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion hatten Vertreter der »Linken« und Bender im Juni vergangenen Jahres bei einem Pressetermin an das Schicksal der Zwangsarbeiter erinnert, das heute vielfach in Vergessenheit geraten ist. Die in den Baracken in Freienseen untergebrachten etwa 1200 Zwangsarbeiter mussten für die Frankfurter Firma VDO in einem nahe gelegenen Eisenbahntunnel Armaturen für die geplanten Waffen V1 und V2 produzieren. Das Lager wurde am 31. März 1945 durch amerikanische Truppen aufgelöst. Die verbliebene Baracke steht seit 1991 unter Denkmalschutz. Letzteres ist laut Erika Wolf (»Gießener Linke«), die den Antrag begründete, der Grund dafür, dass die Gedenktafel nicht am Gebäude angebracht werden kann. Der Eigentümer unterstütze das Vorhaben.

In dem Antrag heißt es, dass Historiker von über sieben Millionen eingesetzten Zwangsarbeitern ausgehen, die aus allen von der Wehrmacht besetzten Gebieten ins Deutsche Reich deportiert wurden. In allen Rüstungsbetrieben im Landkreis Gießen waren Zwangsarbeiter eingesetzt, ebenso in der Landwirtschaft.

FW-Fraktionsvorsitzendem Kurt Hillgärtner war es wichtig, die Stadt und den Ortsbeirat bei dem Thema zu beteiligen. Bärbel Schomber (SPD) schlug vor, dass die Kreisvolkshochschule ein begleitendes Projekt starten könne. Reinhard Hamel, Fraktionsvorsitzender der »Gießener Linken«, wies darauf hin, dass das bedeutendere Mahnmal eigentlich bei dem Eisenbahntunnel aufgestellt werden müsste. Dieser sei aber nicht öffentlich zugänglich. Da die Stadt Laubach einen Radweg durch den Tunnel plant, gebe es dann die Möglichkeit für eine größere Infotafel.

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