Gestatten: Jakob Thomaka

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BUSECK/STAUFENBERG - (dge). Schon seit 1. November vergangenen Jahres ist Jakob Thomaka bei der Revierförsterei Alten-Buseck tätig, jetzt hat er die Probezeit mit Bravour hinter sich gebracht. Ein guter Anlass, den neuen Revierförster für Buseck und Staufenberg auch offiziell vorzustellen.

Doch beim Termin vor Ort scheint ihm jemand sozusagen die Show zu stehlen. Mitten im Staufenberger Wald, genauer gesagt in der Nähe von Daubringen, steht nämlich eine riesige Eiche und dorthin führen Ralf Jäkel (kommissarischer Leiter Forstamt Wettenberg) und Jakob Thomaka die beiden Bürgermeister Dirk Haas (Buseck) und Peter Gefeller (Staufenberg). Auf rund 385 Jahre schätzt Jäkel die beeindruckende Eiche, "der dickste Baum im Revier, wenn nicht im ganzen Bereich des Forstamts". Auf Brusthöhe sei das Gewächs rund 1,50 Meter dick, habe einen Umfang von 4,50 Meter und eine Höhe von etwa 35 Metern. Regelmäßig, so verrät Jäkel, schaue der ehemalige Revierförster Wolf-Rüdiger Schäfer (Treis) nach dessen Wohlergehen. Auch wenn der Baum wirtschaftlich gesehen so einiges einbringen könnte: "Der Baum bleibt stehen, ist der Chef im Ring." Jäkel und Thomaka sind sich ohne Frage einig: Dies seien die Bäume, die es zu schützen gelte.

Fußstapfen des Vaters

Doch vom Nebenschauplatz zurück zur Hauptperson: Jakob Thomaka hat nach der Schule zunächst ein halbes Jahr in Australien verbracht, bevor er seinen Wunsch, in die Fußstapfen seines Vaters, ebenfalls ein Förster, zu treten, in die Tat umsetzte. Es folgte ein Studium der Forstwirtschaft in Göttingen, doch nach dem Abschluss war eines klar: Er wollte zurück in die Heimat, nach Hessen. Ist er doch in Aßlar aufgewachsen. Ein Jahr verbrachte er als Anwärter bei Hessen Forst, sechs Monate davon in Bad Schwalbach und sechs in Herborn. "In der Nähe geht was", merkte er schließlich am Ende seiner Ausbildung. "Ich bin froh, dass das geklappt hat." Es sei durchaus ein Sprung ins kalte Wasser gewesen, direkt nach der Ausbildung in ein Revier zu gehen. "Aber so lernt man am meisten", meint der knapp 25-Jährige. Seine Arbeit mache ihm viel Spaß, auch für die Kollegen aus beiden Kommunen und von Hessen Forst hat er nur Lob. Mit Lob sparte auch Dirk Haas nicht. Zum einen sei man froh, dass die Stelle des Revierförsters nach einiger Zeit der Vakanz nun wieder besetzt sei. Stelle der Wald doch die Kommunen vor große Herausforderungen. Jakob Thomaka kenne sich schon jetzt, nach relativ kurzer Zeit, sehr gut aus im Revier, gehe mit offenen Augen durch den Wald und man sei dabei, ein zukunftsfähiges Konzept zu entwickeln. Haas betonte den Aspekt, dass der Wald auch ein Naherholungsgebiet, eine Klimainsel sei und zudem der Holzernte diene. "Bei solchen Bäumen geht das Herz auf", Peter Gefeller fragte sich, wie viele Generationen die gigantische Eiche wohl schon erlebt - und auch überlebt - habe. Gerade ein solcher Baum sei ein Zeichen für das Herzblut, mit dem die heimischen Förster den Wald betreuten. Auch der Staufenberger Bürgermeister zeigte sich froh, bringe ein junger Revierförster doch "eine langfristige Perspektive für unseren Wald" mit sich. Sehr engagiert und sehr gut ausgebildet sei Thomaka. Waren die Reviere Buseck (1000 Hektar) und Staufenberg (600 Hektar) bis vor einigen Jahren noch getrennt, so zeigten sich mittlerweile die Vorteile eines gemeinsamen Reviers. Gefeller sprach von Synergien, bilde Buseck zum Beispiel einen Forstwirt aus, der vom Staufenberger Forstmeister betreut werde. Wie schon Haas sprach auch er die Nutzungsfunktion des Waldes an. Nicht nur in Sachen Holzvermarktung, sondern auch mit Blick auf die Bereitstellung von Flächen für Windkraftanlagen. Auch dies sei eine Nutzungsfunktion, generiere die Kommune über die Pacht doch Gelder, die der Aufforstung und Renaturierung des Waldes zugute kämen.

Ralf Jäkel erklärte, die Nachhaltigkeit sei erst vor wenigen Jahren "erfunden" worden, insofern sei es fast ein Wunder, dass die große Eiche noch stehe. Sowohl er als die beiden Bürgermeister sprachen die Holzvermarktung an, die früher von Hessen Forst für die heimischen Kommunen betrieben wurde. Nach einem Beschluss der Landesregierung hob man diese "Monopolstellung" auf - für die Kommunen ein Riesenproblem, eine Herausforderung, für die man nach eigenem Bekunden in Buseck und Staufenberg eine gute Lösung gefunden habe. Das habe man aber nur schaffen können dank der engagierten Leute im Forstamt Wettenberg. Jäkel betonte, "wir hätten die Holzvermarktung auch gerne weiter betrieben", während Haas auf das Fehlen der Schnittstelle zwischen Beförsterung, Ernte und Vermarktung hinwies, die sich aus dem Landesbeschluss ergeben hatte. "Wenn der Verkäufer nicht weiß, welcher Baum gefällt werden soll, ist das blöd", fasste der Busecker Bürgermeister es kurz zusammen.

30 000 Bäume gepflanzt

Doch der neue Revierförster Thomaka hatte auch gutes zu berichten. Über 30 000 Bäume seien neu gepflanzt worden im Revier, allen gehe es gut. Dass auch die Selbstaussaat funktioniere, sehe man an den jungen Trieben, die überall aus dem Boden sprießen. Der Regen der vergangenen Monate habe der oberen Bodenschicht gut getan, einzig in den unteren Schichten fehle noch etwas. Das Ziel für die Zukunft seien möglichst viele Baumarten, eine Mischkultur. Wenn er in "seinem" Wald unterwegs ist, trifft er oft auf Menschen, die hier spazieren gehen. Häufig kommt er mit ihnen ins Gespräch, erklärt ihnen, wie es dem Wald geht und auch, wie sich die Folgen des Klimawandels vor der eigenen Haustür bemerkbar machen. Vom einsamen Waldmann also keine Spur. Ganz im Gegenteil, gerade diese Gespräche genießt Jakob Thomaka, kann er doch Bewusstsein für die Natur rundum wecken. Und es freut ihn, dass die Menschen Interesse zeigen, ihm zuhören. "Das ist spannend und das ist schön."

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