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Gewerbeflächen an der A 45

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Links und rechts der Straße zwischen Rechtenbach und Hüttenberg, unweit der A 45, sieht der neue Regionalplan mögliche Gewerbeflächen vor. © Christian Keller

Ein neues, 40 Hektra großes Gewerbegebiet könnte im Hüttenberger Ortsteil Rechtenbach entstehen.

Hüttenberg (jeb). Ein neues, großes Gewerbegebiet könnte im Hüttenberger Ortsteil Rechtenbach entstehen. Im Entwurf des neuen Regionalplans Mittelhessen ist ein entsprechendes »Vorranggebiet Industrie und Gewerbe« ausgewiesen, angrenzend an den Gießener Stadtteil Lützellinden. Die Stellungnahmen, also was Kommunen davon halten, stehen noch aus. Im derzeit noch gültigen »alten« Plan dagegen war diese Vorrangfläche nicht vorgesehen.

Das Regierungspräsidium (RP) Gießen erklärt auf Anfrage, dass es sich um zwei Teilflächen westlich und östlich der Landstraße Richtung Lützellinden handelt. Eine davon liegt zu beiden Seiten der Straße in Richtung Hörnsheim, die andere oberhalb des Gewerbegebiets »Obere Surbach«. Zusammen haben die Flächen eine Größe von 40 Hektar, was etwa einer Fläche von 56 Fußballfeldern entspricht.

Kein Ersatz

Bei dem sogenannten Vorranggebiet handelt es sich um eines von sechs größeren im Lahn-Dill-Kreis, die zum Teil nur in Interkommunaler Zusammenarbeit entwickelt werden können. Das RP schreibt: »Intention dieser Gebietsfestlegungen ist es, dort größeren Betrieben eine Ansiedlung ermöglichen zu können.«

Es wäre also denkbar, dass die Gemeinde Hüttenberg gemeinsam mit der Stadt Gießen das Gebiet entwickelt. Letztere hatte bereits vor einigen Jahren die Entwicklung eines größeren Gewerbegebiets auf der anderen Seite der Autobahn in Lützellinden vorgesehen. Die Pläne scheiterten, unter anderem aufgrund des Widerstands aus der Bevölkerung. Eine Bürgerinitiative wehrte sich vor allem gegen die mit dem Projekt verbundene Flächenversiegelung.

Ein Ersatz für das gescheiterte Gewerbegebiet soll die Vorrangfläche in Hüttenberg, laut RP, jedoch nicht sein: »Das im derzeit gültigen Regionalplan Mittelhessen 2010 noch enthaltene Vorranggebiet Industrie und Gewerbe Planung im Bereich von Lützellinden sollte allein den Gewerbeflächenbedarf des Oberzentrums Gießen decken«, heißt es. In Hüttenberg sollen sich dagegen primär Unternehmen ansiedeln, die nicht aus der Region stammen. Die planerischen Intentionen seien so somit andere, heißt es aus der Behörde in Gießen.

Unabhängig von der Intention, auch für Hüttenberg gilt: Ob das Gewerbegebiet tatsächlich kommt, steht noch lange nicht fest. Das hat mehrere Gründe. So muss ein im Regionalplan ausgewiesenes Vorranggebiet für Gewerbe nicht zwingend umgesetzt werden. Von den im Regionalplan aus dem Jahr 2010 stehenden Vorrangflächen wurde beispielsweise nur ein kleiner Teil realisiert. Außerdem können Bürger wie Kommunen noch bis zum 11. März eine Stellungnahme zum Entwurf des Regionalplans abgeben. Änderungen sind also zumindest theoretisch möglich.

Sicher ist dagegen, in der Hüttenberger Kommunalpolitik stoßen die Pläne nicht bei allen auf Gegenliebe. Die Hüttenberger Grünen warnen vor einer zu starken Flächenversiegelung. »Das ist sehr gutes Ackerland«, sagt Fraktionsvorsitzender Klaus Heinrich Weber und fügt an: »Wir sind der Meinung, dass ein so riesiges Gebiet zu viel ist.«

Was vor allem fehle, seien Informationen, findet SPD-Fraktionschef Volker Breustedt. Fragen, die laut Grünen und SPD geklärt werden müssen, sind, ob die Größe des Gebiets in Relation zu Arbeitsplätzen steht, die in Hüttenberg entstehen könnten. Wäre eine kleinere Fläche als Vorranggebiet denkbar? Und: Wie sieht es mit der Ansiedlung von lokalem Gewerbe aus der Region aus?

Arbeitsplätze

Anders sieht es Erich Schmidt (FÖBH). Derzeit gebe es in Hüttenberg keine Gewerbeflächen mehr. Gerade in Hinblick auf Arbeitsplätze sei es höchste Zeit, neue zu schaffen. Deshalb solle man, gegebenenfalls gemeinsam mit Gießen, die Chance nutzen. Aber: Der Landverbrauch müsse sorgsam und bedacht geschehen, die Priorität liege auf neuen Arbeitsplätzen, weshalb große Lagerhallen keinen Platz finden sollten. Schmidt sagt außerdem, die Gemeindevertretung habe 2018 Beschlüsse zu weiteren Gewerbeflächen, unter anderem oberhalb der »Oberen Surbach«, gefasst. Auch das RP verweist darauf und schreibt: »Es war bekannt, dass die Kommune langfristig in diesem Bereich eine gewerbliche Entwicklung plant.« Eine Stellungnahme von CDU und FWG zum Thema Gewerbefläche steht noch aus.

Obwohl Grüne und SPD das Thema Regionalplan gerne in der nächsten Gemeindevertretersitzung am Montag, 14. Februar, besprechen würden, steht es nicht auf der Tagesordnung. Wie Bürgermeister Christof Heller (parteilos) erläutert, sei ein entsprechender Antrag zu spät eingereicht worden, um der in der Hauptsatzung der Gemeinde verankerten Frist zu entsprechen.

Er fügt an, es mache aktuell wenig Sinn, über den Regionalplan zu sprechen, der sehr komplex sei. Die Verwaltung habe deshalb »ein Planungsbüro beauftragt«, das auch andere Kommunen zum Thema Regionalplan berät. Erläuterungen und Informationen, die dieses liefert, sollen in der Märzsitzung beraten werden.

Zu spät finden die Vertreter von Grünen und SPD. Es bliebe dann kaum noch Zeit, sich mit der Materie vonseiten der Fraktionen auseinanderzusetzen und gemeinsam mit dem Fachbüro eine entsprechende Stellungnahme einzureichen. »Deshalb wolle man jetzt beraten und dem Büro konkrete Anliegen an die Hand geben. Die Fraktionen denken über einen Eilantrag nach, um das Thema doch noch am Montag in der Gemeindevertretung beraten zu können.

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