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Gewerbegebiet Hungen-Süd wird verkleinert

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Von: Rose-Rita Schäfer

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Jetzt verkleinert: Das Gewerbegebiet Hungen-Süd. Repro: rrs © Rose-Rita Schäfer

Die Mehrheit der Stadtverordneten ist dafür, das Gewerbegebiet von geplanten 22 Hektar auf 12 Hektar zu verkleinern.

Hungen (rrs). Wieder einmal kam das große Streitthema »Gewerbegebiet Hungen-Süd« bei der Stadtverordnetensitzung in Hungen auf den Tisch. Die Frage war, ob das unmittelbar an die idyllisch gelegenen Orte Inheiden und Trais-Horloff, das Naherholungsgebiet Trais-Horloffer/Inheidener See sowie das Vogelschutzgebiet Wetterau angrenzende Areal auf 12 Hektar verkleinert werden soll oder ob die gesamte vorgesehene Riesenfläche von 22 Hektar komplett versiegelt wird, mit entsprechenden Nachteilen und Schäden für Anwohner, Seegebiet und Tourismus. Die Mehrheit der Stadtverordneten war jetzt dafür, es zu verkleinern.

Die Bauleitplanung für das Mammut-Projekt startete im Mai 2020. Etwas mehr als ein Jahr später, im Juli 2021, sollte nur noch das Vermarktungskonzept beraten werden. Im April 2022 wurde das Projekt in einer Bürgerinformationsveranstaltung der Öffentlichkeit vorgestellt.

Bei der zweiten Planoffenlegung beliefen sich die Planungskosten bereits ohne die Flächenankäufe für nahezu drei Millionen Euro auf über 400 000 Euro, kein billiges Unterfangen also. Im September beantragte dann die Fraktion »Pro Hungen« die Offenlage abzubrechen. Deren Fraktionsvorsitzender Fabian Kraft meinte, es hätten sich massive Veränderungen ergeben. Zusammen mit der SPD kippte »Pro Hungen« die Offenlegung, und es kam zu neuen Verhandlungen über das ungeliebte Gewerbegebiet.

Nun regte sich auch Widerspruch gegen die Größe des Gewerbegebiets. Liegt das Areal doch direkt an einem beliebten Naherholungsgebiet, das mit seinem See und der einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt Schutz verdient. Grund genug für den Verein der Seefreunde, die Anliegergemeinschaft »In den Högersweiden« und den Nabu Horlofftal einzugreifen, um die Verkleinerung auf 12 Hektar zu fordern.

2220 Bürger haben eine Petition dazu gezeichnet, wobei 87 Prozent aus der näheren Umgebung stammen. »Pro Hungen«, SPD und Grüne hatten für die Minimierung bereits einen Antrag gestellt, der am Dienstag positiv beschieden wurde. Ein neues Vermarktungskonzept soll die Ansiedlung heimischer Betriebe und innovativer Zukunftstechnologien sicherstellen.

Der Ausschluss von Großlogistik und -handel, die nachhaltige Energieerzeugung und die Einberufung eines »Runden Tisches« unter Einbeziehung der betroffenen Bürger stehen jetzt im Vordergrund.

Kraft (Pro Hungen) betonte, dass auch mit 12 Hektar noch viele Kritikpunkte und Umweltgefährdungen bestehen würden, die verhandelt werden müssten.

Markus Sadler (CDU) verwies auf die horrend gestiegenen Erschließungskosten und fragte, wie das Ganze ohne fehlende Einnahmen durch Industrieansiedlung finanziert werden soll.

Frank Bernshausen (Grüne) sah vor allem in der Entwässerung nach Inheiden eine Gefahrenquelle. Für die Einleitung in fließendes Gewässer seien mehr Auflagen zu erfüllen, gerade wegen Starkregenereignissen. Mit dem Anstieg der Erschließungskosten, wo das Ende noch nicht erreicht sei, würden auch die Grundstückspreise steigen und die Vermarktung zunehmend schwieriger.

Der Antrag von »Pro Hungen« wurde mit 19 Ja- zu elf Nein-Stimmen angenommen.

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