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Glücklich im »Jette Haus«

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Von: Debra Wisker

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Michael, Anja und Timo Klar (v. l.) fühlen sich im »Jette Haus« rundum wohl. Foto: Wisker © Wisker

Michael, Anja und Timo Klar fühlen sich wohl in Treis, hier hat die Familie ein Fachwerkhaus renoviert.

Staufenberg . (dge). Eigentlich sollte es eine Eigentumswohnung werden, doch dann entdeckten Michael und Anja Klar in einer Zeitungsannonce 2005 das »Jette Haus«. Schnell war klar, das sollte ihr neues Zuhause werden. Mitten im alten Ortskern von Treis schmiegt sich das Fachwerkhaus nahezu an die altehrwürdige Kirche an. Von seinem Freisitz blickt das Ehepaar direkt ins Grüne des Kirchengeländes, die historische Mauer grenzt die Grundstücke ab.

Michael und Anja Klar hatten sich 2003 bei einem Konzert in Weilburg kennengelernt. Er wohnte in Gießen, arbeitete als Sozialpädagoge. Die heute 54-jährige Grundschullehrerin lebte in der Nähe von Runkel an der Lahn. Schnell war klar, dass sie zusammenziehen wollten. Im Umkreis von 20 Kilometern rund um Gießen machten sie sich auf die Suche.

Freundliche Aufnahme

Doch der idyllische Blick auf das Kirchengelände allein gab nicht den Ausschlag für das »Jette Haus«. Es war auch die freundliche Aufnahme, die Michael und Anja Klar mit ihrem Sohn Timo nach Treis zog. »Wir sind an einem Sonntag hingefahren und haben das Haus nicht gleich gefunden. Also sind wir in die Kirche, um zu schauen, ob da jemand ist, der uns weiterhelfen kann.« Da war in der Tat jemand. Der damalige Küster Heinrich Rauth nahm die Familie unter seine Fittiche und zeigte ihnen, wo ihr künftiges Heim zu finden war. »Daraus ist eine Freundschaft entstanden, wir haben etliche Geburtstage miteinander gefeiert«, blickt Michael Klar zurück.

Ende März 2006 zog der heute 72-Jährige mit seiner Familie ein. Seit 2016 ist er im Ruhestand, hat also noch mehr Zeit, zu werkeln. Das Haus sei etwa 30 Jahre lang vermietet und ziemlich verwohnt gewesen. Es gab also einiges zu tun. Klar war beruflich als Sozialpädagoge tätig, doch hatte er in jungen Jahren eine Lehre zum Werkzeugmacher absolviert. Mit den Händen zu arbeiten, war also nichts, was ihn schreckte.

Die elektrischen Leitungen wurden erneuert, ebenso die Heizung. Im heutigen Wohnzimmer entfernte er den gesamten Fußboden, baute den Untergrund neu auf und verlegte Landhausdielen.

»Die Türen und Türrahmen waren alle grau gestrichen.« Dem rückte Michael Klar mit einem Heißluftfön zu Leibe, entfernte die alte Farbe und holte das schöne Holz hervor. Die gleiche Prozedur kam auch der Innentreppe zugute. Die Stufen waren mit Linoleum ausgelegt worden, das Geländer mit Sperrholz versehen - seinerzeit sicherlich eine praktische Lösung, doch schön sieht anders aus.

Alten Charme erhalten

Das kann man heute sehen. Die Treppe, wie auch das ganze Haus, hat ihren alten Charme zurückerhalten. Sämtliche Fenster wurden ausgetauscht. »Wir haben uns Zimmer für Zimmer langsam bis zur Küche vorgearbeitet«, schmunzelt Klar. Von den Decken entfernte er die Styroporplatten, tapezierte Decken und Wände neu. 100 Jahre habe das Haus auf dem Buckel, erzählt er. Es sei wohl nach einem Brand zu Beginn der 1900er Jahre auf dem ursprünglichen Fundament neu errichtet worden. Der Keller stamme vermutlich noch aus dem 13. Jahrhundert. Rosa Fliesen waren in den 1950er Jahren einmal modern, doch war das Bad in die Jahre gekommen. Auch das brachten die Klars in die Neuzeit, passten es modernen Bedürfnissen an. Es war viel zu tun, seit die Familie eingezogen ist. »Heute sind wir innen fertig, nur außen ist noch ein bisschen zu tun«, so Michael Klar.

Den Entschluss, aufs Land zu ziehen, haben Michael und Anja Klar nie bereut. Sicher - als sie nach Treis kamen, gab es hier noch ein Lebensmittelgeschäft, einen Bäcker, einen Metzger, Kneipen. Vieles davon ist heute verschwunden. Dennoch fühlen sich Anja, Michael und der 15-jährige Timo wohl in ihrem Dorf. »Ich kann mir nicht mehr vorstellen, wegzuziehen. Es ist einfach wohltuend, auf dem Land zu leben«, erklärt der 72-Jährige. Dies wohl auch, weil die drei sehr schnell Teil der Dorfgemeinschaft wurden. Anja Klar hatte früher in der Kantorei in Limburg gesungen, in Treis geht sie diesem Hobby im Kirchenchor und im Collegium Vocale nach.

Angekommen und mittendrin

»Nach der Singstunde saßen wir mal bei ›Nobbi‹ in der Kneipe zusammen. Da fragte mich Herbert Becker, ob ich auch singen kann.« Michael Klar reiht sich ebenfalls in den Kirchenchor ein. Zusammen mit Peter Moldenhauer, Axel Seibert und Joachim Heyer hob er 2014 das Quartett Treis Guys aus der Taufe, er engagiert sich im Vorstand des Vereins »Gemeinsam statt einsam ean Träs«. Keine Frage, die Familie Klar ist im Dörfchen Treis nicht nur angekommen, sie lebt auch mittendrin.

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Das alte und das neue »Jette Haus«. Foto: Wisker © Wisker

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