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»Goldener Meisterbrief«

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Innungsobermeister Sascha Reitz (r.) überreichte Ehrenobermeister Gerd Euler den »Goldenen Meisterbrief«. Foto: Ewert © Ewert

Kreis Gießen (wf). Gerd Euler, der frühere Obermeister der Innung für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, ist bei einer Versammlung im Park-Restaurant Winnerod mit dem »Goldenen Meisterbrief« ausgezeichnet worden.

Der aktuelle Obermeister Sascha Reitz überreichte die Ehrung im Auftrag der Handwerkskammer Wiesbaden. Der »Goldene Meisterbrief« steht einem Handwerksmeister zu, der vor einem halben Jahrhundert seine Meisterprüfung erfolgreich abgelegt hat. Im Falle des 79-jährigen Euler sind es gleich zwei Meistertitel: jener des Zentralheizungs- und Lüftungsbauers vor 50 Jahren und drei Jahre später die Meisterqualifikation als Gas- und Wasserinstallateur.

Reitz hob besonders Eulers nun 40 Jahre währendes Engagement für seinen Berufsstand hervor. 30 Jahre lang war er Beisitzer, Schriftführer, stellvertretender Obermeister und Innungsobermeister. 2009 war er zum Ehrenobermeister ernannt worden. Die Kollegen würdigten die Auszeichnung und seine Lebensleistung, in dem sie im Stehen applaudierten.

Obermeister Reitz sprach in seinem Bericht von »Sorgen und Nöten und einer massiven Unsicherheit« im Blick auf die weitere wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Entwicklung. Die Situation der Energieversorgung spitze sich zu. Die Folgen von Corona und des Krieges in der Ukraine überrollten sogar die geplante Energiewende und »stellen eine neue Spitze der Herausforderungen dar, der wir uns stellen müssen«.

Es ist laut Reitz »alles andere als vergnügungssteuerpflichtig«, wenn eine Lieferung Diesel vor wenigen Wochen 10 000, mittlerweile schon 22 000 Euro koste. »Wie gleichen wir diese Kosten aus für unsere Mitarbeiter, wie holen wir die Mehrausgaben wieder rein?«

Gestern noch wurde Gas als ein günstiger und vergleichsweise klimafreundlicher Energieträger und als Übergangstechnologie hin zur Energiewende gesehen. Jetzt aber, so Reitz, »reden wir von Umkehr, von Versorgungslücken, ja sogar von Abschaltungen und Trennung vom Netz für verschiedene Abnehmer«. Wenn jetzt die Politik und auch die Bundesnetzagentur von der Effektivierung von Heizanlagen, von Wartung und hydraulischem Abgleich rede, dann sind das laut Reitz »Themen unserer Branche, die uns schon seit Jahren umtreiben«. Themen, die vor der Krise aber von eher untergeordnetem Interesse waren.

»Jetzt aber sollen wir mal eben die Welt retten, sollen bauen, warten, optimieren?«, fragte Reitz nicht ohne Ironie in die Runde und verwies auf den Mangel an Fachkräften im Handwerk und auf die Materialknappheit. Um diese Kapazitäten wieder hochzufahren, seien Jahre, vielleicht Jahrzehnte nötig für Ausbildung und das Sammeln von Erfahrungen. Ohne den politischen Willen funktioniere es aber nicht. »Solange eine Ausbildung weniger wert ist als ein Studium, für das quasi die Allgemeinheit zahlt, solange ein Handwerker für seine Meisterausbildung zahlen muss, solange das Handwerk keine höhere Akzeptanz in der Bevölkerung erfährt, werden die gesteckten Ziele nicht erreicht. Denn ohne Meister keine Ausbildung, keine Fachkompetenz und letztlich auch keine gelingende Energiewende.«

Als erfreuliche Entwicklung bezeichnete es der Obermeister, dass die Zahl der Innungsmitgliedsbetriebe in Stadt und Kreis Gießen innerhalb des vergangenen Jahres um sechs auf 92 gestiegen ist. Dass dies gerade in Corona- und anderen Krisenzeiten geschehen sei, wertet Reitz als »Wende hin zur Gemeinschaft« und der Erkenntnis, dass deren Stärke und Kraft im gemeinsamen und damit wirkungsvolleren Vertreten der Interessen liege.

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