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Grünberger haben »viel Herzlichkeit erlebt«

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Von: Klaus Kächler

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Bei Kaffee und Kuchen plaudern Carola Möll (rechts) und Stefanie Schöler über ihre vielen schönen Begenungen im Rahmen der Städtepartnerschaft mit Condom. Foto: Kächler © Kächler

Partnerschaft mit Condom funktioniert »seit 50 Jahren prima«. Carola Möll und Stefanie Schöler blicken auf viele schöne Erlebnisse mit Freunden aus der Gascogne zurück.

Kreis Gießen . Schaut man auf die Feierlichkeiten zum Jubiläum des deutsch-französischen Freundschaftsvertrags, so könnte einem der Gedanke kommen, als sei das Unterfangen der Völkerverständigung ins Stocken geraten. Olaf Scholz und Emanuel Macron jedenfalls agieren im Gegensatz etwa zu Schmidt und Giscard d’Estaing oder Kohl und Mitterrand so, als könnten sie keinen wirklichen »Draht« zueinander finden.

Blickt man jedoch auf die zahlreichen Städtepartnerschaften im Kreis Gießen, die sich in den vergangenen 60 Jahren gegründet haben, bietet sich ein völlig anderes Bild.

So auch in Grünberg, wo die »Jumelage« mit Condom in der Gascogne seit über 50 Jahren durch freundschaftliche Begegnungen mit Leben gefüllt wird.

Davon können auch Carola Möll und Stefanie Schöler berichten. Die 80-jährige Dame und ihre Tochter beherbergen schon von Beginn der Städtepartnerschaft an Gäste aus Condom, die zu Besuch in die Gallusstadt kommen.

»Der Kontakt zum Partnerschaftsverein kam seinerzeit über den Kegelbruder meines leider inzwischen verstorbenen Mannes zustande«, erinnert sich Carola Möll.

Schnell sei man sich nähergekommen, so Möll. »Wir haben immer alle Gäste wie Familienmitglieder aufgenommen und in Frankreich die gleiche Herzlichkeit erlebt.«

Spontan fällt ihr die Geschichte von Au-pair Mimi ein, die nach einigen Monaten wie vereinbart von ihren Eltern in Grünberg abgeholt werden sollte. »Der Familie gefiel es bei uns aber so gut, dass sie nicht gleich wieder fuhren, sondern spontan noch acht Tage blieben.«

Auch Stefanie Schöler schildert ihre ersten Erfahrungen als damals siebenjähriges Mädchen in freudigen Worten: »Als ich mit den Kindern der Familie in Frankreich auf dem Sofa saß und ihnen Deutsch beibringen wollte, gab es bei den Erwachsenen am Tisch gerade eine Gesprächspause und so konnten alle mich hören, wie ich mit einem Bilderbuch in der Hand laut und deutlich sagte: ›Un des is e Kuh.‹« Ein Satz, mit dem sie heute noch öfter aufgezogen werde, lacht sie.

Auch für ihre Mutter war die Sprache nie ein Hemmnis: »Wir haben über 30 Jahre den Kiosk am Schwimmbad bewirtschaftet und weil da oft auch Gäste vom benachbarten Campingplatz kamen, konnte ich zumindest schon ein paar Brocken sagen und einiges verstehen.« Mit den Jahren habe man viel voneinander gelernt.

Durch die regelmäßigen Besuche hätten sich enge Freundschaften und eine tiefe Verbundenheit mit der Region in Frankreich entwickelt. »Wenn ich längere Zeit nicht dort war, ist es wie heimkommen«, schildert Stefanie Schöler.

Auch der kulturelle Austausch scheint bestens zu funktionieren: »Die Franzosen haben stets guten Wein dabei und wir bringen immer frisches mittelhessisches Bier mit. Das kommt prima an.«

Besonders schwärmen beide vom Festival de Bandas und den Besuchen der Musiker, die mit Leidenschaft ihre Blasinstrumente bedienen und auch in Grünberg stets für Stimmung sorgen.

Begonnen hatte alles vor 51 Jahren mit einem Brief einer Lehrerin aus Condom, die von der Suche nach einer Partnerstadt berichtete.

Es folgte ein gegenseitiges Kennenlernen, das schließlich in einem Handschlag der damaligen Bürgermeister Abel Abeillé und Karl Anschütz mündete, der als »Verlobung« in die Stadtgeschichte eingehen sollte. 1972 wurden dann die Freundschaftsurkunden unterzeichnet.

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Als »Verlobung« ging der Handschlag der beiden Bürgermeister Abel Abeillé (Condom, links) und Karl Anschütz (Grünberg) in die Geschichte ein. Foto: Archiv © Archiv

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