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Grüne fordern nachhaltige Waldwirschaft

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ALLENDORF (zye). Zum letzten Mal in diesem Jahr kam die Stadtverordnetenversammlung im Bürgerhaus zusammen. Bei ihrer öffentlichen Sitzung sprachen die Bürgervertreter unter anderem auch über die Waldwirtschaft und ein zeitgemäßes Konzept für das Blatt »Allendorfer Mitteilungen«.

Verlust

Mit einem Verlust von 84 407 Euro im Ergebnishaushalt schloss der Entwurf des Waldwirtschaftsplans 2022 des Forstamts Wettenberg ab. Die Finanzverwaltung der Stadt kommentierte einen der Gründe für diese Zahlen: »Politische Entscheidungen zur Jagdpacht und zu den Wildschadensentschädigungen erhöhen den Fehlbedarf im Waldwirtschaftsplan und müssen bei der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung des Stadtwaldes uneingeschränkt berücksichtigt werden.« Aktuell fehle eine pauschale Wildschadensentschädigung im Stadtwald, weil sie ab 2022 im Jagdpachtvertrag nicht mehr enthalten ist. Ausgaben für die Verhütung von Wildschäden betragen aktuell 15 600 Euro pro Jahr, werden aber wohl in den kommenden Jahren »deutlich gesteigert werden müssen«, geht aus der Beschlussvorlage für den Waldwirtschaftsplan 2022 hervor. Die Fraktion der Grünen stellte zu diesem Themenkomplex »Wald« einen Antrag, der vier Maßnahmen umfasste. Dies sei nötig, da der »Klimawandel einen neuen Umgang mit dem Wald« erfordere. Zum einen solle der Allendorfer Wald nach dem »Lübecker Modell« bewirtschaftet werden. Das sehe eine naturnahe Bewirtschaftung vor, die seltenere Pflegeeingriffe erfordere. Es sollen zudem mehr Forstfachleute eingesetzt werden, bei weniger Maschineneinsatz. Es sollen mehr heimische Baumarten gepflanzt werden, die widerstandsfähiger gegen die bekannten Waldprobleme, erzeugt durch den Klimawandel, wie Sturmschäden, Trockenheit und den Borkenkäfer sind. »Qualität statt Quantität bei regelmäßigen Erträgen« sei hier das Motto. Diese Bewirtschaftungsart fördere zudem Mischwald, der bessere Preise erzielen könne. Ein weiterer Punkt des Grünen-Antrages sieht vor, den Forstwirtschaftsplan neu aufzustellen. Fortan soll dann »auf eine Holznutzung auf gemeindeeigenen Flächen im Homberg und auf siedlungsnahen Flächen verzichtet und die Waldfunktionen Klimaschutz, Grundwasserschutz, Erholung und Naturschutz vollständig priorisiert werden.«

Weiterhin solle nur noch zur Verkehrssicherung an Wegen ein »motorhändischer Einschlag von Schadflächen der Fichte« vorgenommen werden. Naturverjüngung soll zudem groß geschrieben werden: Demnach sollen natürliche Dauerwälder mit heimischen Laubbaumarten entwickelt werden. Außerdem streben die Grünen - insbesondere bei der Buche - einen Bestandsschutz an. Absterbende Bäume sollen »möglichst stehend, sonst liegend und möglichst unzerteilt« im Bestand erhalten bleiben. Die Stadtverordneten entschieden einstimmig, diesen Antrag im Haupt-, Finanz-, Wirtschafts- und Rechtsausschuss beraten und gegebenenfalls beschließen zu lassen.

Das »Blättchen«

Wie könnte die Stadt Allendorf sein Blättchen »Allendorfer Mitteilungen« für die Zukunft rüsten, was Konzept und Vertrieb betrifft? Das möchten die Grünen schon seit ihrem Prüfantrag vom 8. März 2021 vom Magistrat in Erfahrung gebracht wissen. Derzeit kann es kostenlos per Link online abgerufen oder per Abo auch in Papierform bezogen werden. Bürgermeister Thomas Benz (FW) empfahl den Grünen, ihren Antrag zurückzuziehen. Bekämen alle 1700 Haushalte das Blatt kostenfrei auf dem Postweg zugestellt, kämen nach der Rechnung des Rathauschefs 85 000 Euro jährlich auf die Stadt zu. Sandra Henneberg (Grüne) legte nach: »Die Intention des Antrages war, mit dem Blättchen mehr als aktuell an die Bürger heran zu kommen.« Ihre Partei hätte gerne vom Magistrat geprüft gehabt, welche Möglichkeiten es da gibt. Am Ende stellte die SPD den Antrag, das Thema zurück an den Magistrat zu verweisen. Der wurde mehrheitlich angenommen.

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