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Grünes Licht für Baugebiet

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Von: Thomas Wißner

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Anwohner interessierten sich bei der Gemeindevertretersitzung im Bürgerhaus Launsbach für die Entscheidung beim Aufstellungsbeschluss. Foto: Wißner © Wißner

Eine Entscheidung wurde vor gut einem Dutzend anwesenden Anwohnern beim Baugebiet »Nördliche Wiesenstraße«/Heeggraben in Krofdorf-Gleiberg getroffen - mit namentlicher Abstimmung.

Wettenberg (twi). Nachsitzen ist für Wettenbergs Parlamentarier in der nächsten Gemeindevertretersitzung angesagt, denn von letztendlich 21 Tagesordnungspunkten konnten aufgrund zahlreicher Redebeiträge lediglich 15 innerhalb von 165 Minuten abgearbeitet werden, um der drohenden Lichtabschaltung im Bürgerhaus Launsbach zu entgehen.

Lediglich zwei Entscheidungen

Mehrfach hatte Parlamentsvorsteher Hans-Peter Steckbauer (SPD) auf die »Verlängerung« hingewiesen. Lediglich zwei Tagesordnungspunkte wurden einer Entscheidung zugeführt, während sieben erneut oder erstmals in den Ausschüssen behandelt werden. Eine Entscheidung wurde jedoch vor gut einem Dutzend anwesenden Anwohnern beim Baugebiet »Nördliche Wiesenstraße«/Heeggraben in Krofdorf-Gleiberg getroffen - und dies auf FW-Antrag mit namentlicher Abstimmung. Letztendlich stimmten 16 Vertreter von SPD und Grünen für den Aufstellungsbeschluss, während elf Parlamentarier von CDU und FW dagegen votierten und ein SPD-Vertreter sich enthielt.

Andreas Bittendorf (FW) hatte nicht nur eine namentliche Abstimmung beantragt, sondern auch gerne noch nachgearbeitet. »Es sind noch nicht alle Parameter geklärt und deshalb brauchen wir noch etwas Zeit.« Wo denn Ausgleichsmaßnahmen erfolgen sollen, wollte Ulrich Hellmann (CDU) wissen und kündigte die ablehnende Haltung seiner Fraktion an, während Bürgermeister Marc Nees (parteilos) in seiner Stellungnahme anführte, dass neben einer innerörtlichen Verdichtung »wir auch sehen müssen, wie wir auch andere Gebiete erschließen und die Weiterentwicklung unserer Gemeinde im Auge haben«. Außenbesiedlungen sollten moderat erfolgen und eine großflächige Entwicklung möchte niemand.

Das nun nach Parlamentsentscheid gestartete Verfahren im zweistufigen Regelverfahren mit Umweltbericht sieht seitens eines Investors hier den Bau von drei Einfamilienhäusern und sechs Doppelhaushälften mit je einer Wohneinheit sowie zwei Mehrfamilienhäuser mit je fünf bis sechs Wohneinheiten vor. Lärmschutzfragen wurden bereits im Vorfeld erörtert und geklärt, sind parallel zur Heggrabenstraße jeweils zwischen den Hauseinheiten Carports mit geschlossener Rückwand vorgesehen sowie darüber eine 1,40 Meter hohe Wandscheibe, die gemeinsam mit den Carportrückwänden eine geschlossene Lärmschutzwand bildet.

Ausgiebig erörtert wurde einmal mehr das Multifunktionssportfeld an der Grundschule Krofdorf-Gleiberg. »Wir haben über den Vertrag lange diskutiert und in dieser Form können wir diesem nicht zustimmen«, so Bauausschussvorsitzender Jürgen Quurck (Grüne), weil eine Mitnutzung für die Öffentlichkeit seitens des Landkreises nur mit Kostenbeteiligung der Gemeinde möglich ist. »Wir teilen diese Auffassung, aber wir haben es den Bürgern versprochen. Wir sollten einen Ortstermin machen, um zu schauen, ob der Ersatzplatz dort passt und ansonsten mit dem Kreis nachverhandeln«, so Anuschka Gerlach (CDU). Bei einem Sportfeld mit öffentlicher Nutzung ist ein Lärmgutachten erforderlich, da es sich planungsrechtlich nicht um die Erweiterung innerhalb des Schulgeländes nur für den Schulbetrieb handelt. Das Schallschutzgutachten wurde vom Landkreis bereits beauftragt, die Kosten trägt die Gemeinde anteilig mit 50 Prozent.

Dies lag aber noch nicht vor, allerdings ist dies für das Gemeindeoberhaupt »der endgültige Deckel auf das Ding. Theoretisch müssten wir jetzt jemanden mit der Zähluhr danebenstellen, wenn maximal zehn Personen möglich sind. Das führt dazu, dass wir den Plan dort niederlegen müssen. Gerne können wir beim Platz unter der Burg einen Ortstermin machen«, so Nees.

»Ein zeitlich befristetes Nutzungsrecht für 25 Jahre können wir nicht sehen. Es gibt ein Recht der Gemeinde, die Nutzung zu verweigern, einseitig«, so SPD-Fraktionsvorsitzender Prof. Ulrich Ellinghaus, der klarstellte, dass bei einer Ablehnung eine Nachverhandlung erfolgen soll. Grünen-Fraktionsvorsitzender Matthias Schulz sprach sich für eine interfraktionelle Arbeitsgruppe aus: »Wir alle stehen zu unserem Wort, am Gleiberg einen Bolzplatz zu errichten.« Letztendlich wurde einstimmig beschlossen, um auch hier dem Gemeindevorstand freie Hand zu geben, dass der Vertrag mit dem Kreis nicht weiterverfolgt werden und die Kommune Alternativflächen in Augenschein nehmen soll.

Kein Interesse an Waldhausstraße

Keinesfalls zufrieden mit dem Landkreis sind Wettenbergs Parlamentarier auch bei der bevorstehenden Abstufung der K394, besser bekannt als Waldhausstraße. Nach längerer Diskussion gab es hierzu keine Entscheidung, weil der Kreis die Zügel in der Hand hält, wie den Redebeiträgen zu entnehmen war. Der Infrastrukturausschuss hatte die Herabstufung kritisch gesehen und Ellinghaus machte deutlich: »Die Gemeinde hat kein Interesse an einer durchgängigen Kreisstraße. Der Vertrag ist nicht im Interesse der Gemeinde. Der Vertragsentwurf ist für uns nicht annehmbar.« Bürgermeister Nees sprach Klartext: »Auch ich habe kein Interesse an dieser Straße. Die Risiken sind für die Gemeinde zu groß. Die Hälfte des Waldverkehrs verursachen wir selber. Und selbst bei einer Fahrradstraße ab Forsthaus haben wir die Verkehrssicherheitspflicht.« Der Vorgang bleibt im Geschäftsgang.

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