1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Kreis Gießen

Grundsätzlich Ja zum möglichen Windpark

Erstellt:

gikrei_1607_windrad_vb_1_4c_1
Mit einer Drohne entstand dieses Bild, das den Blick von einem der möglichen Windräder auf Oppenrod zeigt. Foto: Zylla © Zylla

Die Busecker Gemeindevertretung hat gegen die Stimmen der CDU einen Grundsatzbeschluss zu möglichen Windrädern bei Oppenrod gefasst. Jetzt soll mit Projektierern geredet werden.

Buseck (zye). Gegen die Stimmen der CDU-Fraktion hat die Busecker Gemeindevertretung am Donnerstagabend einen Grundsatzbeschluss zu einem möglichen Windpark bei Oppenrod gefasst. Es geht um die Entwicklung der »Windvorrangfläche 4114a« in Zusammenarbeit mit Gießen und Fernwald. Das Thema sorgte für eine emotionale Debatte. Die CDU begründete ihr Nein mit einem ökologischen Zwiespalt: Waldrodung für Windenergie.

»4114a« ist im Teilregionalplan Energie als Vorrangfläche enthalten und für Buseck eine der wenigen Möglichkeiten für Windkraft auf Gemeindegrund. Die Gesamtfläche - vorrangig Wald - ist 153 Hektar groß. Nach Angaben von Gießens Bürgermeister Alexander Wright (Grüne) gehört sie bis auf eine kleine private Fläche zu jeweils rund einem Drittel den drei Kommunen. Für die Privatfläche laufe bereits das Genehmigungsverfahren für ein Windrad. Bei dem Gelände der Kommunen werde derzeit mit sechs Stück geplant, berichtete Wright auf Anfrage des Anzeigers. Die Parlamente in Gießen und Fernwald hatten die Grundsatzbeschlüsse bereits gefasst.

Hintergrund der Pläne sind selbstredend die Bemühungen, angesichts des Krieges in der Ukraine und steigender Preise bei der Energie unabhängiger zu werden und die Klimaschutzziele zu erreichen.

Ersatz für gerodete Bäume

Sollten auf der Fläche irgendwann Windräder errichtet werden, muss Wald gerodet werden. Der Verlust der Bäume muss aber durch Neuanpflanzungen ausgeglichen werden. Die Befürworter im Gemeindeparlament wollen mit der Vorlage einen »möglichst reibungslosen Ablauf der Windparkentwicklung« erzielen. »Reibungen« gab es aber bereits in dieser frühen Phase. Wie die Stadt Gießen die Pläne kommuniziert hat, wurde kritisiert, genauso wie die Informationspolitik der Gemeinde gegenüber den direkt Betroffenen - den Oppenrödern.

Erster Beigeordneter Alexander Zippel (Freie Wähler) betonte, dass es noch nicht darum gehe, Windräder zu bauen. Wenn es dazu komme, würden die Interessen aller Beteiligten beachtet. Das betreffe selbstverständlich auch die der Anwohner. Die Gemeinde verspricht zudem Veranstaltungen, in denen darüber informiert werden soll, wie Bürger sich beteiligen und von der Windkraft auch finanziell profitieren können. Dabei ist auch eine Bürgerenergiegenossenschaft denkbar - so wie beim Windpark in Staufenberg. Eine solche Genossenschaft soll dezentrale, konzernunabhängige und ökologische Energiegewinnung unter Bürgerbeteiligung versprechen.

Vier Punkte waren zu beschließen. Der Gemeindevorstand wurde beauftragt, Gespräche mit möglichen Projektierern zu führen. Dafür gab es 23 Ja- und sieben Neinstimmen. Auch soll der Gemeindevorstand Beteiligungsmöglichkeiten, etwa bei einer Projektentwicklungsgesellschaft, überprüfen. Hier stimmten 29 Gemeindevertreter zu, bei einer Enthaltung. Für eine interkommunale Zusammenarbeit mit Gießen und Fernwald waren 25 Gemeindevertreter, fünf enthielten sich. Nahezu einig war man sich bei der Bürgerbeteiligung als Voraussetzung für die Entwicklung der Windparkfläche. Hier gab es 29 Jastimmen bei erneut einer Enthaltung.

Die CDU sei nicht generell gegen erneuerbare Energien und sieht ihre Notwendigkeit. Es müsse nur Alternativen zur Windkraft geben und Flächen seien dafür an anderen Stellen vorhanden, ist Fraktionsvorsitzender Frank Müller (CDU) überzeugt. Claire und Marko Blaschke, beide CDU, bereitet das Abholzen eines gesunden Waldes »Bauchweh«. Marko Blaschke erinnerte an Waldbegehungen, bei denen die Förster über das Baumsterben referierten. Jeder gesunde Baum müsse daher erhalten werden. Claire Blaschke sprach mögliche Beeinträchtigungen der Gesundheit durch Lärm, Schlagschatten und Lichtreflexionen an. Im Vordergrund stehe aber für ihre Fraktion, dass ein intakter Wald zerstört werden soll.

Uwe Kühn (Freie Wähler) entgegnete, dass der Wald ja erst sterben musste, weil »wir alle zu lange auf die falsche Energien gesetzt« hätten. »Er stirbt, weil wir falsch gehandelt haben. Auch der gesunde Wald wird noch sterben, wenn wir nichts unternehmen«, bekräftigte er. Naturschutz sei höchstes Gut bei der Errichtung von Windkraftanlagen. Kühn beschrieb dabei einen scheinbaren Widerspruch: »Wenn wir den Wald für erneuerbare Energien verletzen, heilen wir ihn auf lange Sicht.« Kühn äußerte Verständnis für Gegner der Windkraft. »Bei den Genehmigungsverfahren ist etwa Schlagschatten zeitlich begrenzt. Vogelschlag ist nicht erlaubt. Auch das Sterben von Fledermäusen muss verhindert werden.«

Anlieger sollen profitieren

Roland Kauer (SPD) gab zu bedenken, dass vier bis fünf Anlagen auf der Fläche in jedem Fall irgendwann kommen würden. Die Frage sei nur, mit oder ohne Buseck. Man solle diesem wichtigen Thema nicht den Rücken kehren, auch wenn er die Kontra-Argumente nachvollziehen könne. Aber von Windkraft in Oppenrod müssten neben der Umwelt vor allem die Anlieger profitieren. »Es muss hier Geld in Oppenrod bleiben.« Dann könne man auch das Beste aus der Situation herausholen, meinte Kauer.

Katharina Habenicht (Grüne) kann sich auch »Schöneres als Windräder in der Landschaft vorstellen«. Aber das große Ganze sei zu beachten und das sei der Klimaschutz. »Dafür muss jede Kommune ihren Beitrag leisten«, betonte Habenicht - auch mit Windkraft. Jedoch dürften Flächen für Fotovoltaik nicht vernachlässigt werden. Sie nannte die Dächer von Wohnhäusern und vor allem von großen Gewerbebetrieben. Dafür gab es verhaltenen Applaus aus den Reihen der CDU.

Auch interessant