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Gute Chancen auf Demografiepreis

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Zwei Jungen standen im Mittelpunkt: Simon Schmitt (l. vorne) und Rouven Benshausen, die sich in Staufenberg für Mülltrennung einsetzen. Staatsminister Axel Wintermeyer (2.v.l.) verschafft sich gerade einen Überblick über die Projekte , die sich für die Endrunde des hessischen Demografiepreises 2022 qualifiziert haben. Jetzt schaute er im Kreis vorbei. Bei der Vorstellung dabei waren (v.l.) Staufenbergs Jugendpfleger Sven Iffland, Kreis-Sozialdezernent Hans-Peter Stock, Staufenbergs Bürgermeister Peter Gefeller, Busecks Erster Beigeordneter Alexander Zippel und Simone Hackemann von der Fachabteilung Kinder- und Jugendhilfe des Landkreises. Fotos: Weißenborn © Weißenborn

Die Snak-Boxen und »Jugend in die Wahllokale« überzeugten. Der Kreis ist mit diesen Aktionen in den zwei Kommunen in die Endrunde des hessischen Demografiepreises gelangt.

Kreis Gießen . (ww). Der Kreis Gießen hat eine gute Chance, den Demografiepreis des Landes zu gewinnen. Über die Sieger der mittlerweile 13. Auflage wird Mitte September entschieden. Der Kreis hatte sich mit seinem Projekt »Jugendgerechter Landkreis Gießen« beworben und war unter 80 Teilnehmern einer der sechs, die in die Endrunde aufgenommen wurden. Immerhin 8000 Euro winken dem Erstplatzierten, insgesamt werden 24 000 Euro ausgelobt.

Staatsminister Axel Wintermeyer (CDU), der als Demografiebeauftragter der Landesregierung wirkt, verschaffte sich am Donnerstag in Buseck einen Eindruck, was junge Menschen im Kreis - unterstützt von (jungen) Erwachsenen - geleistet haben.

Er machte gleich deutlich, dass er nicht zur Jury gehöre, sich aber in seiner Amtszeit jedes Jahr in der politischen Sommerpause ein Bild vor Ort davon macht, welche Ideen es im exklusiven Wettbewerbs-Kreis gibt. Die Busecker Jugendbeauftragte Luana Sommer sowie die jungen Staufenberger Simon Schmitt und Rouven Bensmann stellten im und am Kulturzentrum zwei spannende Projekte vor, mit denen der Kreis punktete: Junge Wahlhelfer und eine Aktion zur Müllvermeidung.

Der Staatsminister betonte, dass es im Wettbewerb nicht allein um das Preisgeld als Anreiz gehe, sondern ein gutes Gefühl, dass die Projekte von der Landesregierung weitergetragen würden. Es werde darauf geachtet, dass die Ideen innovativ, übertragbar und nachhaltig seien. Zuvor hatte Wintermeyer an diesem Tag einen Dorftreff besucht, der in die Endrunde kam.

Er betonte, dass es bis 2050 eine »Entjüngung« in Hessen geben werde, erst dann wandele sich wieder die Alterspyramide. Die Politik hoffe, die scheidenden Babyboomer, wie er einer sei, für ehrenamtliche Tätigkeiten zurückgewinnen zu können. Es gelte in jedem Fall, aus Betroffenen Beteiligte zu machen.

Die Voraussetzungen hierfür schuf Ingrid Macht, die als Teamleiterin für die Jugendförderung in der Kreisverwaltung tätig ist, aber zum Termin erkrankt war. Sie rief 2016 zusammen mit politisch Beteiligten das Projekt »Jugendgerechter Landkreis Gießen« ins Leben. Zunächst wurde in den Parlamenten der Landkreiskommunen Werbung dafür gemacht und Menschen gesucht, die sich engagieren. Die Kommunen waren gehalten, Jugendbeauftragte einzusetzen. Das erledigten bisher 13 von 17 Landkreiskommunen. Nur in Heuchelheim ist das Thema noch gar nicht in der Gemeindevertretung behandelt worden. In sechs Kommunen wurden angestrebte Kooperationsvereinbarungen mit dem Landkreis geschlossen, die wiederum die weitere Qualifizierung der Jugendbeauftragten vorsehen und eine Summe von 2500 Euro pro Aktion an Zuschuss verheißen.

Einige Jugendbeauftragte, unter anderem aus Pohlheim, waren nach Buseck gekommen. Hier hatte der SPD-Mann Norbert Weigelt dafür gesorgt, dass 30 junge Wahlhelfer zur Bundestagswahl in den Wahllokalen eingesetzt werden konnten, gerade vor dem Hintergrund, dass viele ältere Ehrenamtliche dort aufhörten. Das Modell fand im Kreis gleich Nachahmer. Weigelt und Luana Sommer, die für die Freien Wähler im Parlament wirkt, sind inzwischen zu Jugendbeauftragten gewählt worden. Sie ließ eine Akteurin sprechen, die erstmals die Stimmen mit ausgezählt hatte. Madeleine Müller schilderte begeistert ihren ersten Einsatz, bei dem sie einer alten Dame in der Wahlkabine helfen durfte. Auch unverhoffte Zwischenfälle galt es zu meistern, als einer seine Wahlbenachrichtigung einfach in die Wahlurne warf.

Das zweite Projekt stellten die Jungs aus Staufenberg vor. Simon Schmitt und Rouven Bensmann hatten viel Müll in der Landschaft entdeckt, in der Mehrheit Plastikteile. Der zuständige Jugendpfleger Sven Iffland begleitete sie bei ihrer Idee, Abfalltrennbehälter aufzustellen. »Wenn wir das dem Bürgermeister gesagt hätten, hätte das zu lange gedauert«, meinte Schmitt, woraufhin das Publikum zusammen mit Staufenbergs Bürgermeister Peter Gefeller lachte. Kindermund tut bekanntlich Wahrheit kund, heißt es ja.

Der Bauhof half beim Bau zweier Holzstellagen für die Abfalltrennung. Die sogenannten »SnaK-Boxen« werden gut gefüllt, weiß das Duo, das zweimal monatlich die Wertstoffsäcke austauscht.

Sechs bis 27-Jährige werden in der Gesellschaft nicht gesehen, stellte Simone Hackemann von der Jugendförderung fest. Das Projekt soll das ändern. Der Demografiebeauftragte des Kreises, Kai Empacher, unterstrich, dass Familien mit heranwachsenden Kindern im Fokus der Kommunen stehen müssten. Das sagten alle Zahlen über den Zuzug.

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Madeleine Müller Erst-Wahlhelferin © Ernst-Walter Weißenborn

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