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Halter besorgt wegen Ausbruch der Geflügelpest

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Wildgänse gelten ein schneller Verbreiter der Geflügelpest. Bei einer solchen toten Gans in Steinheim wurde der Erreger in der vergangenen Woche nachgewiesen. Symbolfoto: dpa © DPA Deutsche Presseagentur

Da die Geflügelpest auch im Landkreis Gießen angekommen ist, machen sich die Halter Sorgen um ihre Tiere und raten zur Vorsicht.

Kreis Gießen . Bei einer in der vergangenen Woche tot aufgefundenen Wildgans in Steinheim wurde die Geflügelpest nachgewiesen. Deshalb müssen Geflügelhalter im gesamten Landkreis seit Samstag Sicherheitsvorkehrungen für ihre Bestände treffen. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Federvieh hobbymäßig oder erwerbsmäßig gehalten wird. Für den gesamten Landkreis gilt die Stallpflicht für Geflügelhaltungen mit mehr als 1000 Tieren. Geflügelausstellungen sind untersagt. Die Pflicht betrifft Hühner, Truthühner, Perlhühner, Rebhühner, Fasane, Laufvögel, Wachteln, Enten und Gänse - und zwar auch dann, wenn nur einzelne Tiere gehalten werden. Tauben sind wegen des geringen Infektionsrisikos nicht betroffen. Für die Halter bedeuten der Ausbruch und die Verordnung einen deutlichen Mehraufwand.

Der neue Kreislandwirt Peter Fay ist als Hühnerwirt selbst von der Stallpflicht betroffen und rät allen Geflügelbesitzern, diese auch ernst zu nehmen. »In dieser Situation ist die Pflicht auf jeden Fall richtig und am sichersten. Es gilt, die Bestände bestmöglich zu schützen«, erklärt Fay im Gespräch mit dem Anzeiger. Bestimmte Hygieneregeln müssten beachtet werden. So empfiehlt der neue Kreislandwirt, für den Gang in den Stall die Kleidung und die Schuhe zu wechseln. »So kann ein jeder, besonders in den Gebieten in Gewässernähe, an denen viele Zugvögelarten rasten, verhindern, dass er Kot, behaftet mit möglichen Erregern, mit in den Stall bringt«, so der Landwirt vom Watzenborner Hof Obersteinberg.

Der Landkreis Gießen hat solche besonders gefährdeten Gebiete festgelegt. So gilt die Stallpflicht in Hungen und allen Stadtteilen, dem Gebiet der Heuchelheimer Seen und des Silbersees nördlich der Bundesstraße 49 - Dreieck Lahnfeld - sowie westlich der Bundesstraße 429 bis zur Lahn, den Flächen südlich der A 45 zwischen Ober-Hörgern und Trais-Münzenberg, die zur Gemarkung Eberstadt gehören, auch für Bestände unter 1000 Tieren.

Hühner brauchen Beschäftigung

Fast das ganze Jahr über grasen rund 10 000 Hühner auf dem Gelände des Bauernhofs March in Rodheim-Bieber. Der Bio-Bauer Sebastian March hält die schnell angeordnete Stallpflicht ebenfalls für richtig, da das Risiko »einfach zu hoch ist« und man so die Gefahr eines großen Ausbruchs so gering wie möglich hält. Für den Biebertaler bedeutet das Aufstallen aber eben auch einen erheblichen Mehraufwand, denn die Hühner, die ansonsten fröhlich über die Wiese flitzen, brauchen nun regelmäßige Bespaßung, damit sie keinen Lagerkoller erleiden. »Die Tiere brauchen ihren Ausgleich, der ihnen durch den Freigang verwehrt wird«, weiß March. Deshalb nutzt er einen sogenannten Kaltscharrraum, ähnlich eines Wintergartens für Hühner. Dieser bietet Außenklima und ist dennoch eingezäunt und überdacht. Außerdem versteckt er Futter im Stroh und stellt Picksteine auf, die das Wohlbefinden fördern und gleichzeitig Stresssituationen untereinander, die schnell mit Verletzungen einhergehen, effektiv unterbinden. »Natürlich werden nicht alle Möglichkeiten auf einmal ausgereizt, sondern dosiert nach und nach«, erklärt der Bio-Bauer.

Pandemie ließ keine Ausstellungen zu

»Jetzt auch das noch« - so kommentiert Manfred Zahrt, Vorsitzender des Kreisverbandes der Rassegeflügelzüchter Gießen, den Ausbruch der Geflügelpest in den heimischen Gefilden. Die Corona-Pandemie ließ die Geflügelzüchter ihr geliebtes Hobby in den vergangenen zwei Jahren kaum richtig ausleben, da 2020 keine Ausstellungen im Landkreis Gießen stattfinden konnten. »Und im vergangenen Jahr hatten viele Vereine dann Angst, eine Ausstellung durchzuführen und sagten deshalb gleich ihre geplanten Termine ab«, weiß Zahrt.

Im Kreisverband Gießen sind über 1250 Mitglieder in 29 Ortsvereinen engagiert. Die letzte Geflügelausstellung und zugleich Kreisschau fand am zweiten Januar-Wochenende in Rüddingshausen statt. Aber auch hier verbrachte Zahrt, der als Ausstellungsleiter fungierte, im Vorfeld einige schlaflose Nächte. »Die Corona-Zahlen stiegen rasant an und in anderen Bundesländer war die Geflügelpest bereits schon ausgebrochen«, erzählt der Kreisverbandsvorsitzende. Der jetzige Ausbruch im Landkreis bereitet den Züchtern nun zusätzliche Sorgen. »Jetzt müssen unsere Lieblinge erst einmal eingesperrt bleiben«, bedauert der Rabenauer.

Dabei habe die Pandemie dazu geführt, dass sich immer mehr Menschen dazu entschließen, ihre eigenen Hühner im Garten zu halten »Gerade für Familien mit Kindern scheinen Hühner ideale Haustiere zu sein«, weiß Zahrt. Besonders viel Freude mache es, wenn man nicht auf industrielle Hybridhühner zurückgreift, sondern seinen Garten mit bunten und feingezeichneten Rassehühnern schmückt. Doch auch hier mahnt Zahrt im Hinblick auf die Geflügelpest zur Vorsicht. »Bitte keine Tiere kaufen von sogenannten fliegenden Händlern. Denn man weiß nicht, woher diese Tier stammen.«

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