Hochwasserschutz: Mönchswiesengraben in Beuern renaturiert

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BEUERN - (ebp). Seit Jahrzehnten wird über einen Hochwasserschutz für Beuern diskutiert, nun ist die Maßnahme nach einer rund dreimonatigen Bauzeit abgeschlossen. Durch die Renaturierung des Mönchswiesengrabens, durch den nun wieder der Erlenwiesenbach fliest, sollen künftig die Keller trocken bleiben. Vor allem die Anlieger der Ortsdurchfahrt Fünfhausen, im Bersröder Weg, in der Metzen- und der Bachgasse hatten in der Vergangenheit bei Starkregen mit überfluteten Kellern zu kämpfen.

Rund 3,5 Kubikmeter Wasser pro Sekunde können laut Bernd Becker vom zuständigen Planungsbüro Zick-Hessler (Wettenberg) über den renaturierten Graben abfließen. Zusätzlich gibt es im oberen Bereich des Grabens entlang der L 3126 eine Flutmulde. Im Extremfall soll das Wasser in die umliegenden Auen abfließen. Der Mönchswiesengraben lag vor der Renaturierung trocken, lediglich bei Starkregen führte er Wasser. Vermutlich schon vor Jahrhunderten wurde der Erlenwiesenbach in den Krebsbach umgeleitet, um das Wasser zur Mühle zu leiten.

Beim Pressetermin vor Ort erinnerte Bauamtsleiter Michael Thelen daran, dass ursprünglich eine größere Lösung angedacht war. Bereits in den 1980er Jahren hatte man über ein Regenrückhaltebecken diskutiert, doch im Ort regte sich Widerstand - ineffektiv und zu teuer sei das Vorhaben. Eigentümer der benötigten Grundstücke legten Widerspruch ein.

Besser lief es nun bei der kleinen Lösung: Bereits 2016 habe er das persönliche Gespräch mit den Eigentümern der Kleingärten gesucht, berichtete Bürgermeister Dirk Haas (SPD). In der Folge habe die Gemeinde "durch geschicktes Umlegen" die für die Renaturierung notwendigen Flächen erhalten können.

Rund 275 000 Euro wurden im Vorfeld als Auftragssumme angesetzt. Die Abschlussrechnung steht zwar noch aus, aber der Kostenrahmen könne eingehalten werden, sagte Thelen. 80 Prozent der Kosten sind förderfähig. Für die 20 Prozent Eigenanteil will die Gemeinde Ökopunkte generieren, dann sei die Maßnahme "größtenteils kostenneutral für die Gemeinde", sagte Haas. Auch zeitlich sei man exakt im Plan geblieben, trotz zwischenzeitlich schwieriger Wetterbedingungen. Lediglich Telefon- und Wasserleitungen, die "dort lagen, wo sie nicht liegen sollten", sorgten für eine unerwartete Überraschung.

Um die Auswirkungen auf Flora und Fauna möglichst gering zu halten, habe man die Arbeiten in den Winter gelegt, sagte Haas. Die biologische Baubegleitung hatte Olivia Vollhardt vom gleichnamigen Marburger Planungsbüro inne. Einige Bäume habe man roden müssen, hierfür gebe es aber Neuanpflanzungen von Weiden und Eschen auf einer Ersatzfläche. Bei der Rodung sei darauf geachtet worden, dass Bäume mit Höhlen prioritär erhalten bleiben. Wo das nicht möglich war, habe man Kästen, etwa als Unterschlupf für Fledermäuse, aufgehangen. Damit Edelkrebse, Stichlinge und Co. ungehindert im Wasser wandern können, wurde der Graben durchgängig gestaltet. Die Maßnahme wird von der Natur offenbar gut angenommen: Bereits jetzt sei "viel Aktivität" im und am Gewässer zu beobachten, sagte Vollhardt.

Und auch die Beuerner sind offenbar zufrieden, die Reaktionen positiv, so der Rathauschef. Zuvor hatte der eine oder andere Sorgen, dass der Krebsbach nach der Trennung der beiden Bäche künftig zu wenig Wasser führen könnte. "Die Maßnahme dient nicht nur dem Hochwasserschutz, es ist auch ein Mehrwert für die Bevölkerung", sagte Alexander Arnold (Zehe Bau GmbH) mit Blick auf Spaziergänger am neu geschaffenen Weg entlang des Grabens.

Während im Mönchswiesengraben wieder Wasser fließt, laufen bereits die Planungen für das nächste Projekt: "Der Krebsbach soll weiter aufgewertet werden. Da geht es sukzessive weiter", sagte Haas. Unter anderem sollen Wanderhindernisse, wie zum Beispiel alte Wehre, beseitigt werden. Wo das nicht möglich ist, etwa weil Wasserrecht besteht, sind Fischtreppen angedacht. Der Krebsbach ist einer von "100 wilden Bächen für Hessen". Das Landesprogramm unterstützt die Kommunen dabei, Fließgewässern ihre natürliche Struktur zurückzugeben.

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