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Der Prozess vor dem Landgericht Gießen läuft vermutlich noch bis Anfang März. Archivfoto: Mosel

Gericht

Hungen: Suche nach Leichenteilen im Sachsensee

Auf der Suche nach den sterblichen Überresten eines Hanauers, der in Hungen erschossen wurde, soll nun der Sachsensee nach Leichenteilen durchsucht werden.

Kreis Gießen (bcz). Wo ist die Leiche von Daniel M.? Um diese Frage dreht sich der Indizienprozess um einen Mord an einem Hanauer in Hungen. Am Mittwoch wurde die Hauptverhandlung vor der fünften Großen Strafkammer fortgesetzt. Zwei Angeklagten im Alter von 40 und 44 Jahren wird vorgeworfen, ihren Freund am 17. November 2016 in einem Auto auf dem Grundstück in Hungen erschossen zu haben. Wer von den beiden die tödlichen Schüsse abgegeben hat, ist noch nicht geklärt, da sich die Männer gegenseitig beschuldigen.

In einer polizeilichen Vernehmung hatte der 40-Jährige zugegeben, die Leiche zerstückelt und die Weichteile im Wald vergraben zu haben, anschließend habe er die restlichen Teile in Plastikeimern einbetoniert und diese seien im Starnberger See versenkt worden. Da eine Suche in Bayern bislang erfolglos blieb, beantragte die Nebenklage Ende Dezember die Untersuchung des Sachsensees in Hungen. Diesem Antrag wurde jetzt entsprochen.

Knapp zwei Kilometer entfernt

Warum ist der Sachsensee ein möglicher Ablageort? Er liegt nur etwa knapp zwei Kilometer vom Tatort entfernt und ist frei zugänglich. Das unterscheidet ihn von anderen Seen in der näheren Umgebung. So sind der Inheidener und der Trais-Horloffer See jeweils durch eine Schranke gesichert, so dass das Heranschaffen und Versenken von mehreren mit Beton gefüllten Eimern sicher aufgefallen wäre, wie Richterin Regine Enders-Kunze in der Verhandlung erläuterte.

Zudem hat die Auswertung des Taucher-Logbuchs des 40-Jährigen ergeben, dass er diesen See kennt und in ihm auch schon getaucht ist. Allerdings besitzt er erst seit 2018 einen Anfängertauchschein und hat seitdem knapp 300 Tauchgänge in sein Logbuch eingetragen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass er nicht bereits vorher in diversen Gewässern getaucht ist, da man den Sport auch ohne Zertifikat ausüben kann. Der See soll in den nächsten Wochen untersucht werden.

Gerichtssaal nicht gefunden

Als wenig ergiebig erwies sich die Vernehmung eines Zellengenossen des 40-Jährigen. Beide saßen in der Untersuchungshaft für einige Wochen zusammen in der Justizvollzugsanstalt in Gießen. Auf diese Zeugenbefragung hatte das Gericht längere Zeit gewartet: Beim ersten Termin war der Mann krank und hatte ein Attest vorgelegt. Beim nächsten Termin erschien er nicht, weil er laut eigenem Bekunden den Gerichtssaal am Stolzenmorgen nicht gefunden hätte. Gestern wurde der Mann deshalb polizeilich vorgeführt.

Er wurde befragt, was ihm der Angeklagte über die Tat und dessen Hergang erzählt hätte. Der 40-Jährige habe ihm gegenüber nur immer betont, dass er nichts gemacht habe. Fragen zum Tatverdacht und zu diversen Unstimmigkeiten beantworte der Zeuge zumeist mit »Das weiß ich nicht« oder »Daran kann ich mich nicht erinnern«.

Der Prozess wird am 1. Februar fortgesetzt.

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