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»Ich tu’s für meine Enkelin«

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Jutta Pfaff mit dem Logo der »Omas for future«. Die 62-Jährige findet, dass man auch im eigenen Alltag etwas für den Klimaschutz tun kann. © Wisker

Die Lollarerin Jutta ›Pfaff hat die Regionalgruppe »Omas for future« für den Raum Gießen und Marburg gegründet.

Kreis Gießen . »Omas for future« - der Gedanke, welche Welt sie ihren Kindern und Enkelkindern hinterlässt, treibt Jutta Pfaff um. Jetzt lässt sie ihren Gedanken Taten folgen und hat gemeinsam mit Sabine Altmann aus Cölbe die Regionalgruppe »Omas for future« für den Raum Gießen und Marburg gegründet.

Dabei hat die 62-jährige Lollarerin nicht vor, mit dem erhobenen Zeigefinger zu wirken. Es geht ihr darum, andere für die Umwelt, den Klimaschutz zu sensibilisieren und dabei vielleicht das eigene Verhalten zu überdenken. »Ja, bei mir zu Hause hängen auch Souvenirs aus aller Welt an den Wänden. Ich habe früher häufig auch Fernreisen unternommen. Obwohl mir klar war, dass Kerosin nicht gut für die Umwelt ist«, erzählt sie im Gespräch mit dem Anzeiger.

Die Auswirkungen auf die Umwelt habe sie versucht zu kompensieren, etwa durch Spenden an Organisationen, die Bäume pflanzen oder umweltfreundliche Treibstoffe erforschen. »Der Mensch ist gut im Verdrängen«, ist Pfaff durchaus auch selbstkritisch.

Die Fernreisen sind seltener geworden, das Auto bleibt meist stehen. »Wahrscheinlich werde ich es verkaufen. Im Moment steht es bei meinem Sohn.« Die 62-Jährige fährt mit dem Fahrrad, nutzt öffentliche Verkehrsmittel.

»Kleine Dinge«

Am Sonntag hat sie das schöne Wetter für einen kleinen Ausflug mit dem Rad genutzt. Und weil ihr auffiel, dass da mitten in der Natur benutzte Einmalhandschuhe lagen, hat sie kehrt gemacht, ist nach Hause gefahren, hat eine große Tüte geholt und die Plastikhandschuhe eingesammelt. »Es sind auch die kleinen Dinge, die etwas bewirken können.«

Sie habe schon immer versucht, so zu leben, dass die Umwelt nicht allzu sehr belastet werde, erklärt die Diplom-Biologin. Als Parteilose engagiert sie sich ehrenamtlich in der Lollarer Kommunalpolitik, sitzt für die Grünen in der Stadtverordnetenversammlung und ist Vorsitzende des Bauausschusses.

Seit rund 20 Jahren ist Pfaff bei der Oberen Naturschutzbehörde im Regierungspräsidium Beauftragte für das Naturschutzgebiet Hangelstein. Auch das ehrenamtlich. Zu dieser Aufgabe sei sie eher zufällig gekommen, verrät Pfaff. »Ich habe einen Flyer gesehen, auf dem für eine Mountainbike-Tour auf dem Hangelstein geworben wurde. Das fand ich merkwürdig, kannte ich das Gebiet doch als Naturschutzgebiet.« Pfaff fragte bei der Oberen Naturschutzbehörde nach und wurde in diesem Zuge gefragt, ob sie nicht Lust habe, Beauftragte für das Naturschutzgebiet zu werden. Jutta Pfaff hatte Lust und sagte zu.

Doch zurück zu den »Omas für die Zukunft«, den »Omas for future«: Es gibt noch etwas, das Jutta Pfaff umtreibt: »Ich tu’s für meine Enkeltochter. Der Klimawandel und das Artensterben werden, wenn wir nicht endlich gegensteuern, die Welt für unsere Kinder und Enkelkinder so nachhaltig verändern, wie wir es uns heute nicht vorstellen können.« Und noch etwas lässt sie nachdenklich werden. »Wir haben unsere Eltern gefragt, warum sie Hitler und das Dritte Reich nicht verhindert haben. Vielleicht wird unsere Generation einmal gefragt, warum wir den Klimawandel nicht verhindert haben.« Dieser Frage will sie sich stellen, will sie nicht unbeantwortet lassen.

Es seien zuweilen schon kleine Dinge, die man selbst in der Hand habe, mit denen man seinen Teil zum Klimaschutz beitragen könne. Sie selbst versucht, möglichst plastikfrei einzukaufen. »Und dann sehe ich das Bio-Obst in der Plastiktüte. Auch meine Gelbe Tonne bleibt nicht leer«, weiß sie um so manche Hindernisse.

Darüber müsse man aufklären, sich diesen Themen stellen. Auf keinen Fall solle man sich »schämen, weil man sich vielleicht nicht ganz korrekt verhält«. Hier wollen die »Omas for future« ansetzen und zum Beispiel konkret aufzeigen, was im Alltag machbar ist. »Wenn sich alle eine Liste mit ihren zehn klimaschädlichsten Gewohnheiten und Hobbys notieren, und dann beschließen, von dieser Liste jedes Jahr ein oder zwei Sachen wegzulassen - das wäre dann ein gar nicht so kleiner Schritt«, lautet ihre Anregung.

Verantwortung

Denn neben der Politik, die in Richtung mehr Umwelt- und Klimaschutz lenken müsse, und den Unternehmen, die sich ihrer Verantwortung fürs Gemeinwohl bewusst werden müssten, komme es eben auch auf das Verhalten jedes einzelnen an.

Das eigene Verhalten zu ändern, sei nicht immer einfach. Auch wenn die Fakten bekannt seien. »Das geht nicht immer über die Vernunft, das geht über Gefühle. Durch die Liebe zu unseren Enkelkindern wollen wir etwas bewirken. Daher auch das Logo: Das große Herz mit dem Bild der Erde.« Bei der Klima-Demo am 25. März in Gießen wird die Regionalgruppe vertreten sein. Angesichts der Lage in der Ukraine erklärt Jutta Pfaff: »Wir werden auch gegen den Krieg demonstrieren, denn was nützt der Klimaschutz, wenn der Krieg unsere Welt zerstört.«

Am kommenden Samstag, 5. März, ab 16 Uhr, gibt es »in gemütlicher Runde« ein erstes Treffen der Regionalgruppe in Lollar. Wer teilnehmen möchte, kann sich per E-Mail an giessen@omasforfuture.de informieren.

»Omas for future« ist eine Initiative der Generation 50 plus, die 2019 in Leipzig gegründet wurde und inzwischen auf über 70 Regionalgruppen angewachsen ist. Weitere Informationen gibt es im Internet auf https://omasforfuture.de.

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