IG Metall wehrt sich gegen Verkauf von Bosch-Standorten

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KREIS GIESSEN - (dge). Der Automobilzulieferer Bosch hat angekündigt, die Gießerei-Standorte in Lollar, Breidenbach und Ludwigshütte verkaufen zu wollen. Das geht aus einer Pressemitteilung der IG Metall hervor. Davon seien insgesamt mehr als 930 Beschäftigte betroffen: in Lollar rund 300, in Breidenbach etwa 610 und in Ludwigshütte rund 25 Beschäftigte.

Nachvollziehbar begründet habe das Management die unmittelbar vor den Werksferien verkündete Absicht nicht. Mit dem Transformationsprozess sei die willkürliche Entscheidung nicht in Verbindung zu bringen, an den Standorten würden vor allem Gussteile für Bremssysteme und Heizkessel hergestellt.

Jörg Köhlinger, Leiter des IG Metall Bezirks Mitte, bezeichnete es als ausgesprochen schlechten Stil den Beschäftigten vor ihrem Urlaub mitzuteilen, dass die Standorte zur Disposition stehen. "So ein Verhalten verbinde ich mit Gutsherren der vergangenen Jahrhunderte. Es sollte nicht der Stil eines innovativen und tarifgebundenen Automobilzulieferers sein." Außerdem seien die Verkaufsabsichten nicht mit dem Umbau der industriellen Produktion begründbar. "Autonom oder elektrisch fahrende Fahrzeuge werden ganz unbestreitbar Bremssysteme benötigen, insofern ist die Entscheidung nicht nachvollziehbar und wird einen massiven Konflikt nach sich ziehen. Offensichtlich will Bosch seine Kassen auf Kosten der Beschäftigten weiter füllen."

Stefan Sachs, Geschäftsführer der IG Metall Mittelhessen: "In Lollar arbeiten bei Bosch rund 300 Menschen. Wir haben einen Standort- und Beschäftigungssicherungstarifvertrag, der bis 2023 gilt. Wir erwarten von Bosch Vertragstreue und eine nachhaltige Perspektive."

Bestätigt

Für das Unternehmen bestätigte João Carreiro, zuständig für Marketing und Business Strategy Communication, auf Nachfrage dieser Zeitung, dass der Bosch Geschäftsbereich Chassis Systems Control am Mittwoch die Mitarbeiter und Arbeitnehmervertreter über einen möglichen Verkauf seines Produktbereichs Brake Components informiert hat. Dieser bestehe aus der Buderus Guss GmbH in Breidenbach und Ludwigshütte sowie der Robert Bosch Lollar Guss GmbH in Lollar, beides Gießereien. Brake Components produziere hauptsächlich Bremsscheiben für Pkw. Zu den bestehenden Bosch-Geschäftsfeldern bestünden kaum Synergien, gleichzeitig biete das stark preisgetriebene Geschäft mit Bremsscheiben nur wenige Ansätze zur technischen Differenzierbarkeit. "Aus diesen Gründen existieren für Bosch nur sehr eingeschränkte unternehmerische Spielräume, um den Produktbereich langfristig profitabel weiterzuentwickeln." Bosch habe zwischenzeitlich aus dem Markt Interesse am Produktbereich Brake Components signalisiert bekommen. In einem neuen Umfeld mit passendem unternehmerischem Konzept sehe Bosch gute Chancen für den Bereich, sich nachhaltig weiterzuentwickeln und prüfe deshalb den Verkauf. "Bei der Auswahl eines möglichen Käufers legt der Geschäftsbereich Wert darauf, dass das Geschäft von Brake Components eine erfolgversprechende Zukunftsperspektive erhält und die Belange der rund 900 Mitarbeiter berücksichtigt werden", so Carreiro.

Durch den Verkauf seien keine Arbeitsplätze bedroht. Ziel sei es, "mit einem neuen Eigentümer eine gute Zukunftsperspektive und eine positive Weiterentwicklung des Produktbereichs mit seinen Gießereien - und damit auch für die Mitarbeiter - zu schaffen". Zieht sich das Unternehmen komplett aus dem Standort Lollar zurück oder wird Bosch dort Sparten behalten? Die Prüfung zum Verkauf betrifft in Lollar nur die Robert Bosch Lollar Guss GmbH, erklärte Carreiro.

Nur Gießerei

Am Standort Lollar sei nur die Gießerei, die dem Produktbereich Brake Components zugeordnet ist, von dem möglichen Verkauf betroffen. Alle anderen Aktivitäten der Bosch-Gruppe in Lollar seien nicht betroffen. Lollar bleibe der Sitz der Produktgruppe Bodenstehende Heizkessel mit Entwicklung und Fertigung für bodenstehende Heizkessel und Regelgeräte. Darüber hinaus würden dort weiterhin Heizeinsätze gefertigt. "Sowohl die Entwicklung von Smart Home-Systemen als auch die ITK Engineering (Bosch-Tochtergesellschaft), die I4.0 Anwendungen für den Automobilbereich entwickelt, bleiben dort angesiedelt. Hinzu kommt die technisch-gewerbliche Ausbildung, das zentrale Ersatzteillager und die Buderus Akademie, das Schulungszentrum für Heizungsbauer und Planer", versicherte João Carreiro abschließend.

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