1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Kreis Gießen

In Dornholzhausen nach Erdwärme gebohrt

Erstellt:

Von: Thomas Wißner

gikrei_0111_erdwaerme_vb__4c
Die Erkundungsbohrung in Dornholzhausen soll zeigen, ob das künftige Neubaugebiet »Blankweg« mit Erdwärme beheizt werden kann. Foto: Wißner © Wißner

Im künftigen Neubaugebiet in Dornholzhausen fanden Erkundungsbohrungen statt, um herauszufinden, ob die Häuser mit Erdwärme beheizt werden können.

Kreis Gießen (twi). Viele Hauseigentümer suchen angesichts gestiegener Preise für Gas, Öl und Pellets nach einer Alternative. Erdwärme ist eine Möglichkeit, die zunehmend in den Fokus gerät. Auch Bauträger wie Imaxx haben schon reagiert. Anstehende Neubaugebiete in Buseck und Fernwald werden mit sogenannten Erdwärmekörben beheizt. In Dornholzhausen ist man kürzlich einen Schritt weiter (und tiefer) gegangen.

An diesem Donnerstagmorgen war bereits vier Stunden nach Beginn der Erkundungsbohrungen im Neubaugebiet »Blankweg« in Dornholzhausen eine Tiefe von 50 Metern erreicht. Ähnliche Erkundungsbohrungen hatten bereits im Baugebiet »Hausen Ost« stattgefunden.

Wochen vor dem Termin war vor der Fläche ein Transparent aufgespannt worden, das auf die bevorstehenden Aktivitäten aufmerksam machte. »Erkundungsbohrung: Erdwärme hier in der Region - Heizen und Kühlen mit Erdwärme in Langgöns-Dornholzhausen. Nachhaltig, effizient, 24/7 verfügbar« stand dort zu lesen und der zu erwartende Bohrer war abgebildet. Weiterhin wurde darüber informiert, dass mit dieser Bohrung das Potenzial für oberflächennahe Geothermie hier in der Region ermittelt wird.

»Warum? Mit Geothermie, das heißt mit Wärme aus der Erde, können Sie Ihr Zuhause klimafreundlich heizen. Und an heißen Tagen auch kühlen. Das alles bei sehr geringen Betriebskosten, die über Jahrzehnte stabil bleiben«, hieß es weiter. Für die Bohrungen ist die LandesEnergieAgentur Hessen (LEA) verantwortlich, um das örtliche Erdwärmepotenzial zu ermitteln. Ziel war es, möglichst exakte Kenntnisse über die geologische und geothermische Situation vor Ort zu erhalten.

»Abteufeln«

Ein Bohrmeißel an der Spitze des Bohrgestänges arbeitete sich bis auf eine Tiefe von 100 Metern vor. In der Bergmannsprache nennt man dies »abteufen«. Das dadurch gelöste Gesteinsmaterial wurde mit Wasser nach oben aus dem Bohrloch befördert. Dabei wurden kontinuierlich Gesteinsproben zur geologischen Beschreibung entnommen.

Nachdem die geplante Bohrtiefe erreicht war, wurde das Bohrgestänge ausgebaut. Danach wurde eine Erdwärmesonde in das Bohrloch eingelassen. Sie besteht aus zwei U-förmigen Kunststoffrohren. Das Bohrloch wurde anschließend mit einer Zement-Bentonit-Suspension verfüllt. Dies ist erforderlich, um die Erdwärmesonde mit dem umgebenden Gestein fest zu verbinden. Damit wird ein hoher Wärmeaustausch zwischen Sonde und Erdreich erreicht. Zudem wurde das Bohrloch gegen grundwasserführende Schichten abgedichtet.

Die gewonnenen Gesteinsproben werden vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) untersucht. Eine Fachfirma führt einige Wochen nach Einbau der Erdwärmesonde einen sogenannten »Thermal-Response-Test« (TRT) durch. Dafür wird die Sonde an eine Versuchsanlage angeschlossen. Mit dem TRT wird die Wärmeleitfähigkeit des Untergrundes bestimmt. Ergänzend wird in der Erdwärmesonde die Temperatur des Untergrundes ermittelt.

In einem Steckbrief fasst das HLNUG die Ergebnisse zusammen und veröffentlicht sie auf seiner Internetplattform (www.hlnug.de). Auf Grundlage des Steckbriefs können Bauwillige, Kommunen, Bohrfirmen und Energieversorger zuverlässig die richtige Dimensionierung von Erdwärmesonden sowie die Bohr- und Ausbauarbeiten planen. Die im Neubaugebiet »Blankweg« installierte Erdwärmesonde kann nach Abschluss der Tests von der Gemeinde Langgöns zur nachhaltigen Wärmegewinnung genutzt werden.

Das Projekt wurde vom HLNUG entwickelt und 2019 mit einer Pilotphase gestartet. Seit 2020 führen LEA und HLNUG gemeinsam die Erkundungsbohrungen durch. 2021/2022 waren 20 geplant. Auftraggeber ist das hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen.

Wünsche werden gesammelt

In Langgöns werden Wünsche der Bürger nach Erdwärme bei der Klimaschutzmanagerin Susanne Müller gesammelt, um die Termine besser zu koordinieren und nicht wegen einer Einzelbohrung große Kosten zu verursachen. Auch kann hier schon vorab geklärt werden, ob sich eine solche Bohrung in diesem Gebiet auch lohnt.

Genaue Kosten für den Bauherren sind schwer zu beziffern. Vor der Energiekrise lautete die Empfehlung, dass ein Meter Bohrung 100 Euro kosten. Aktuell liegen die Kosten sehr viel höher.

Im Landkreis Gießen gab es die Bohrungen nur in Dornholzhausen und Hausen.

Die im Erdinneren gespeicherte Wärme, auch Geothermie genannt, kann zum Heizen und Kühlen von Gebäuden, für die Warmwasserbereitung und Stromerzeugung genutzt werden. Die Wärme kommt aus dem Erdkern. Nach heutigen Erkenntnissen ist es dort heißer als 5000 Grad Celsius. Die Temperatur im Boden steigt mit zunehmender Tiefe an: in Deutschland um etwa drei Grad Celsius pro 100 Meter.

Die Wärme des Erdinneren ist praktisch unerschöpflich. Erdwärme zählt daher zu den erneuerbaren Energien. Die Nutzung von Erdwärme zum Heizen und Kühlen von Gebäuden ist ganzjährig, nachhaltig und effizient möglich. Die hessische Landesregierung fördert daher die Kenntnis über ihre Nutzung. (red)

Auch interessant