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Susanne Müller

In zwei Jahren in Langgöns schon viel bewegt

Die Langgönser Klimaschutzmanagerin Susanne Müller gab bei ihrem Vortrag in Dornholzhausen einen Überblick über gegenwärtige und zukünftige Klimaschutz-Projekte in Langgöns.

Langgöns (imr). »Die schönste Kilowattstunde ist die, die ich erst gar nicht verbrauche«, brachte Susanne Müller, Klimaschutzmanagerin bei der Gemeinde Langgöns, das Thema auf den Punkt. Prof. Axel Wehrend, Vorsitzender der Nabu-Ortsgruppe Dornholzhausen, hatte die engagierte Gemeinde-Mitarbeiterin eingeladen, zum Thema »Klimaschutz und Klimaanpassung in Langgöns« zu referieren. In einführenden Worten mahnte der Naturschützer, neben der Beschäftigung mit dem Klimawandel andere Themen, darunter das weltweite Artensterben, das nicht mehr aufzuhalten sei, nicht zu vergessen.

»Wenn viele kleine Menschen viele kleine Dinge tun - dann können sie das Bild der Welt verändern«, davon ist Susanne Müller überzeugt und getreu diesem Motto agiert auch die Gemeinde Langgöns. Jeder könne etwas zum Klimaschutz beitragen und damit »aus der Ohnmacht und Resignation rauskommen und Verantwortung übernehmen«.

In Langgöns hat die Klimaschutzmanagerin, die seit Oktober 2019 im Amt ist, schon vieles auf den Weg gebracht: Langgöns hat die Charta »Hessen aktiv: Die Klima-Kommunen« unterzeichnet und will damit bis 2050 klimaneutral sein. Photovoltaikanlagen auf Gebäuden im Besitz der Gemeinde wurden bereits auf dem Rathaus, dem Bauhof, der Sporthalle Oberkleen, den Kitas »Löwenzahn« Niederkleen und »Mäuseburg« in Lang-Göns, der Feuerwehr Lang-Göns und dem Bürgerhaus Espa installiert, sie haben einen gesamten Jahresertrag von knapp 210 000 Kilowattstunden. Der Gesamtbedarf an elektrischer Energie für die Gemeinde Langgöns liegt aktuell bei 750 Megawatt. Gerade in der Umsetzungsphase sind vier sogenannte Bürgersonnenkraftwerke auf den Bürgerhäusern in den Ortsteilen Lang-Göns und Dornholzhausen sowie auf den Dächern des Feuerwehrgebäudes in Niederkleen und dem Dorfgemeinschaftshaus in Oberkleen mit einer Gesamtkapazität von knapp 240 000 Kilowattstunden im Jahr. Bei diesem Projekt trifft Klimaschutz Kapitalanlage, denn die Bürger können sich finanziell an diesen neuen Photovoltaikanlagen beteiligen, dabei ihren CO2-Fußabdruck verbessern, eine Rendite erzielen und Steuervorteile nutzen. Insgesamt liegt dann der Anteil an Solarstrom in der Gemeinde bei 59 Prozent.

Mehr Photovoltaik

In den kommenden sieben Jahren sollen weitere Photovoltaikanlagen auf den Rathaus Langgöns, der Kläranlage Espa, dem Tiefbrunnen Seegrund Cleeberg, der kleinen Halle der Karl-Zeiß-Sporthalle, der Feuerwehr Oberkleen, der Kita »Kinderkiste« in Oberkleen, der Feuerwehr Cleeberg, der Kita »Mäuseburg«, der Kita »Spielburg« Dornholzhausen und auf dem ehemaligen Volksbankgebäude neben dem Bürgerhaus Cleeberg installiert werden. Knapp 230 Kilowattstunden pro Jahr sind dabei insgesamt angestrebt.

Weitere Möglichkeiten, den ökologischen Fußabdruck zu verringern, seien unter anderem Aufforstungsmaßnahmen, die in Langgöns bereits gestartet wurden, und für jeden einzelnen Bürger beispielsweise der bevorzugte Kauf regionaler Produkte, die Verringerung des Fleischkonsums, die vermehrte Nutzung des Fahrrads oder Car-Sharing. Susanne Müller stellte abschließend eine Maßnahmenliste mit 22 Punkten vor, die aktuell seitens der Gemeinde den Klimaschutz- und die Klimaanpassung betreffen. Darunter finden sich neben den bereits vorgestellten Projekten auch die Umrüstung der Sporthallen, der Flutlichtanlage auf dem Kunstrasenplatz in Lang-Göns und Straßenbeleuchtung in Espa auf LED, der jüngst angeschaffte MIKAR-Bürgerbus, eine Starkregenanalyse zur Maßnahmenplanung, ein Klimacamp bei den Ferienspielen und ein Kindertheater an den Schulen, E-Bikes als Dienstrad, Auflagen wie Solar- und Zisternenpflicht und Versiegelungsbegrenzung für Neubauten, das Stadtradeln, die Einrichtung von Ladesäulen für E-Autos und E-Bikes, der Einsatz unterschiedlicher regenerativer Heizsysteme und nachhaltiger Reinigungsmittel bis hin zur Abfalltrennung und Abfallvermeidung. Für den 7. Mai 2022 kündigte die Klimaschutzmanagerin bereits jetzt eine Energieeffizienzmesse mit regionalen Unternehmen und Fördermittelgebern im Bürgerhaus Lang-Göns an.

In der anschließenden Diskussion ging es auch um die Sinnhaftigkeit von Weihnachtsbäumen, über Hochwasserschutz und Klimaanpassungsmaßnahmen, bis hin zur Ladeinfrastruktur zum eigenen Lebenswandel. »Auf was will und kann ich verzichten und auf was nicht?« Diese Frage stellten sich viele Menschen, weiß Susanne Müller aus Erfahrung. Sie betonte: »Es geht ja dabei nicht darum, allem zu entsagen und völlig asketisch zu leben, sondern sich seiner Handlungen bewusst zu werden und Dinge zu verändern, die man eben verändern kann und mag.« Foto: Rieger

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