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Ist die Schnaps- gar keine Glückszahl?

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In Langgöns können sich Brautpaare auch vor Bürgermeister Marius Reusch das Jawort geben, der auch Standesbeamter ist. Hier hat er bei der Vorstellung des Trauzimmers im historischen Alten Rathaus in Oberkleen schon mal symbolisch Platz genommen. © Rieger

Immer weniger Paare lassen sich zu besonderen Terminen wie dem 02.02.2022 trauen. Vieleicht ist die Schnapszahl auch gar keine Glückszahl.

Kreis Gießen . Gibt es im Kreisgebiet einen Ansturm auf Hochzeitstermine an den beiden Schnapszahl-Daten im Februar? Denn am 2.2.2022 und am 22.2.2022 haben Paare die Möglichkeit, sich an einem besonders einprägsamen Datum das Ja-Wort zu geben. Der Anzeiger hat bei Standesämtern im Landkreis nachgefragt.

Zwei Trauungen sind für Mittwoch, 2. Februar, auf dem Standesamt in Lich angemeldet, acht sind es sogar für Dienstag, 22. Februar. »Das sind auf jeden Fall mehr Anmeldungen als an Wochentagen üblich, das Schnapszahl-Datum ist schon ein Anreiz für Paare«, sagt Standesbeamtin Birgit Büttner.

Seit sieben Jahren gibt es eine interkommunale Zusammenarbeit zwischen den Standesämtern der Kommunen Lich, Grünberg, Reiskirchen, Hungen und Laubach mit Standort in Lich. »Wenn wir Samstagstermine anbieten, sind diese am ehesten immer voll, gerade wenn auch die Verwandtschaft von weiter herkommt«, weiß Büttner.

Aktuell mache sich allerdings die Pandemie mit allen ihren Unwägbarkeiten bemerkbar, die Zahl der Trauungen sei nicht so hoch wie vor Corona. »Wir trauen hauptsächlich im Rathaus in Lich, aber auch im alten Brauhaus in Grünberg«, berichtet die Standesbeamtin.

Stark eingeschränkt

Pandemiebedingt finden standesamtliche Trauungen aktuell nur noch mit dem Brautpaar sowie maximal weiteren vier Gästen statt. So steht es auch auf der Homepage der Stadt Lich zu lesen. Für die Gäste gilt die sogenannte 2G-Plus-Regel. Neben einem Genesenen- oder Impfnachweis ist zusätzlich ein tagesaktueller Testnachweis zu erbringen. Selbsttests werden nicht akzeptiert.

»Wer größer feiern will, sollte seine Hochzeit in den Sommer verlegen«, rät Büttner.

In Fernwald bleibt der Run offensichtlich aus: Ute Kaufmann, Chefin des dortigen Standesamts, berichtet von nur einer Nachfrage für den 22. Februar. »Die Tendenz bei den Trauungen geht dahin, die Lokalität nach einer schönen Kulisse und ganz speziellen Räumlichkeiten auszusuchen«, ist ihre Erfahrung. Auch liege es wieder im Trend, die standesamtliche und kirchliche Trauung sowie die große Feier an nur einem Tag zu machen. »Leider haben wir hier in Fernwald keine so attraktiven Räumlichkeiten, deshalb wandern uns viele ab«, bedauert sie.

Auch in Langgöns machen sich die beiden Schnapszahl-Daten kaum bemerkbar. Standesamts-Chef Peter Müller erwartet an jedem Termin jeweils eine Eheschließung. »Es ist recht ruhig, ich vermute, es liegt auch daran, dass Wochentage nicht mehr so beliebt sind bei heiratswilligen Paaren, Freitage und Samstage sind deutlich attraktiver«, weiß er.

Trend Wochenende

Der Trend gehe eindeutig zu den Wochenenden. »Wenn da dann eine Schnapszahl auftaucht, gibt es schon mal Häufungen«, erzählt der Standesbeamte. Den Trend zu besonderen Lokalitäten für eine geplante Traumhochzeit bestätigt er.

In Langgöns will man diesen Wünschen zukünftig stärker entgegenkommen: »Im Rathaus in Lang-Göns haben wir ein ganz normales, kein besonderes Standesamt. Seit dem Sommer 2020 gibt es bei uns aber auch die Möglichkeit, im historischen Fachwerkambiente des Alten Rathauses in Oberkleen zu heiraten.« Weitere Ambiente-Örtlichkeiten, um die individuelle Traumhochzeit rundum gelungen zu gestalten, sollen demnächst folgen, die Planungen hierzu laufen.

Insgesamt führt Müller die derzeit geringeren Anfragen für Trauungen auf die Pandemie zurück: »Wir sind immer noch im Corona-Schlaf.«

In Staufenberg gibt es weder für den 2. Februar noch für den 22. Februar Anmeldungen. Auch für den Valentinstag am 14. Februar liegt bislang nichts an. Standesbeamtin Barbara Wagner sagt dazu: »Früher gab es häufiger Schnapszahl-Trauungen, heute spielen sie nicht mehr so eine große Rolle. Stattdessen stehen die individuellen persönlichen Daten eher im Vordergrund.« Sie erinnert sich: »Am 9.9.1999, das war ein Donnerstag, herrschte richtig Andrang. Ich persönlich finde, dass man sich nicht auf solche Daten fixieren sollte.« Im Trend liegen auch in Staufenberg, wo die Eheschließungen im Rathaus und in der Unterburg besiegelt werden, die Samstagstrauungen. »Sie sind extrem beliebt, ganz besonders bei Brückentagen«, berichtet die Standesbeamtin. Auch Silvester sei im Angebot und werde immer wieder nachgefragt.

Interessantes Detail

Barbara Wagner wartet im Übrigen mit einem interessanten Detail auf: Studien hätten gezeigt, dass Paare, die an Schnapszahldaten geheiratet haben, später eine um 30 Prozent höhere Scheidungsquote aufweisen. »Vielleicht haben wir ja deshalb keine Anmeldungen«, sagt sie augenzwinkernd.

Diese Statistik sollte aber nicht als Abschreckung dienen. Wer sich seiner Sache sicher ist, der kann selbstverständlich auch an einem solchen Tag heiraten und glücklich werden.

In Biebertal wird am 22. Februar eine Trauung stattfinden, für den 2. Februar hat Standesbeamte Rosa Valdeolivas keine Anmeldungen vorliegen. »Das hat mich selbst erstaunt und verwundert, aber es kam nichts herein«, verrät sie. Das sei früher anders gewesen.

Am 11.11.2011 beispielsweise, damals war sie noch in Wetzlar tätig, habe es etliche Anmeldungen und ein deutliches höheres Interesse gegeben. Der Termin sei aber auch ein Freitag gewesen.

»Ab sechs Monate vor dem Termin kann man sich anmelden. Damals haben die Leute tatsächlich am ersten möglichen Tag der Anmeldung sofort angerufen, um sich einen Termin zu sichern. Ich habe auch erlebt, dass sie schon morgens um 8 Uhr vor dem Standesamt aufschlugen«, sagt Wagner.

Ob das jetzige eher fehlende Interesse ein Trend ist oder an Corona liegt, vermag sie nicht einzuschätzen.

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