Kandidaten gefragt: Wohin mit welchem Gewerbe in Laubach ?

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LAUBACH - Laubach wählt. Am 6. Dezember entscheidet sich, wer Bürgermeister für die nächsten sechs Jahre wird.

Drei Kandidaten stellen sich zur Wahl: Björn Erik Ruppel (CDU), Matthias Meyer (unabhängig, unterstützt von SPD und Grünen) und Florian Kempff (unabhängig, unterstützt von FDP). Der Anzeiger stellt den Bewerbern jeweils wöchentlich eine Frage. Damit nicht genug!

Unsere Zeitung möchte zudem allen Laubachern die Möglichkeit bieten, ihre eigenen Fragen einzubringen. Am 24. November werden diese im Rahmen eines Redaktionsgesprächs beantwortet und dann veröffentlicht. Bitte schicken Sie uns Ihre Fragen per E-Mail an land-ga@vrm.de, per Post an Gießener Anzeiger, Kreis-Redaktion, Am Urnenfeld 12, 35396 Gießen oder per Fax an 0641/9504-3411. Wir werden diese ohne Namensnennung stellen.

Als Betreff bitte "Bürgermeisterwahl" angeben.

Die dritte Frage der Anzeiger-Redaktion an die Kandidaten lautet: "Wohin mit welchem Gewerbe? Wie interkommunal
kann es sein? "

Kempff: Ich stehe für eine neue, räumliche Wirtschaftsansiedlungspolitik und werde den Ostkreis aus seinem Dornröschenschlaf führen. Als Unternehmer weiß ich, dass einem nichts in den Schoß fällt, man muss es wollen. Mit den Nachbargemeinden abgestimmtes Erschließen von Gewerbegebieten würde ich gerne Alleingängen vorziehen, damit wir gemeinsam vorankommen und nicht, wie am Beispiel von Linden und Gießen erlebt, jahrelang die regionalen Gremien im Streit beschäftigen. Die Weiterführung der interkommunalen Zusammenarbeit zu einer größeren Kooperationsidee war deshalb mein erster Gedanke. In vielen Diskussionen wurde mir aber die Umsetzbarkeit einer solchen Anstrengung entgegengehalten, denn es wird Rosinenpicken befürchtet. Deshalb fokussiere ich mich darauf, Laubach voranzubringen, wo wir stark sind: Verarbeitendes Gewerbe sehe ich an Ausfallstraßen, Handel, Handwerk und Dienstleister überall, nicht nur in der Kernstadt. Tourismus hat an den Fahrradrouten die besten Chancen. Neue Gewerbeflächen, ausfallsicheres Gigabit-Internet für die Industrie 4.0 und den Willen aller Laubacher, zukunftsträchtige Ansiedlungen zu tragen, darauf will ich mich konzentrieren.

Meyer: Mein Ziel: ausreichend Flächen für die heimischen Unternehmen und für die Unternehmen, die wir für Laubach gewinnen wollen. Wir brauchen in den Stadtteilen Erweiterungsflächen und ein zentrales größeres Gewerbegebiet in der Großgemeinde Laubach. Hierbei müssen wir achtsam mit der knappen und kostbaren Ressource Landschaft umgehen. Wir werden nicht alles zubetonieren. Gute Südlagen, wie von der Kernstadt Richtung Wetterfeld, sollten für Wohnbebauung zur Verfügung stehen. Gute Ackerböden sollten landwirtschaftlich genutzt werden und besonders schöne Landschaft sollte dem Naturschutz, uns als Naherholung und dem sanften Tourismus dienen. Interkommunale Gewerbeentwicklung ist der Weg der Zukunft. Ein gemeinsames Gewerbegebiet mit Lich und Hungen wird gut für Laubach sein. Wir bringen Ökopunkte aus der Stadtwaldstiftung ein und bekommen Steuereinnahmen sowie Bonuspunkte für die Regionalplanung. Im Frühjahr 2021 wird der neue Regionalplan im Entwurf veröffentlicht. In den darauffolgenden Monaten wird es darauf ankommen, die oben skizzierten Ziele, gegebenenfalls durch Anpassungen, zu erreichen.

Dafür stehe ich bereit. Gut für Laubach.

Ruppel: Eine der Hauptaufgaben des Bürgermeisters muss in meinen Augen die Kontaktpflege zu den Gewerbetreibenden sein. Sie sichern Arbeitsplätze und tragen zum Erhalt der Lebensqualität bei. Sei es durch die angebotenen Dienstleistungen oder ihre Steuern. Deshalb sind ihre Anliegen ebenso ernst zu nehmen und partnerschaftliche Zusammenarbeit zielführend. Das bestehende Gewerbegebiet hat noch Potenzial bis zum Wetterfelder Kreisel. Dieses möchte ich nutzen und dort neues Gewerbe ansiedeln. Nicht vergessen dürfen wir dabei die Ortsteile und die Innenstadt: Den Dienstleistern und Läden können wir durch anständige Internetverbindungen auch hier Chancen eröffnen und bereichern damit unser direktes Lebensumfeld. Ein interkommunales Gewerbegebiet halte ich für vorstellbar, etwa gemeinsam mit Lich.

Hier gilt wie immer in der interkommunalen Zusammenarbeit: Beide Partner müssen Vorteile haben und diese erkennen. Nur dann kann Zusammenarbeit gelingen und Synergien werden gehoben. Die Notwendigkeit zur schrittweisen Senkung der Gewerbesteuer haben wir im Stadtparlament bereits vor Jahren erkannt und forciert. Hierfür stehe ich ein.

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