1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Kreis Gießen

Kein Anstrum auf Novavax im Landkreis Gießen

Erstellt:

gikrei_0303_novavax_vb_0_4c
Seit dem gestrigen Mittwoch wird auch in Gießen das proteinbasierte Vakzin von Novavax gespritzt. Symbolfoto: dpa © Red

Seit Mittwoch kann man sich im Landkreis Gießen auch mit dem Vakzin der Firma Novavax gegen das Coronavirus impfen lassen. Am ersten Tag war die Nachfrage verhalten.

Kreis Gießen . (ebp). Mittwoch um kurz vor 10 Uhr in der Galerie Neustädter Tor in Gießen: Im ersten Stock hat sich eine kleine Schlange gebildet. Sieben Personen warten darauf, dass das Impfcenter des Landkreises seine Tür öffnet. Seit dem gestrigen Tag können sich Impfwillige hier auch mit dem Vakzin »Nuvaxovid« des Herstellers Novavax immunisieren lassen. Eine Frau aus Lich, die in der Schlange steht, hat auf diesen Tag gewartet. Denn: »In die bisherigen mRNA-Impfstoffe habe ich kein Vertrauen«, erzählt sie im Gespräch mit dem Anzeiger. Diese seien »zu wenig erprobt«. Während Biontech und Moderna mRNA-Vakzine sind, ist Novavax proteinbasiert und ähnelt damit bekannten Totimpfstoffen, wie sie etwa gegen die Grippe verwendet werden. Laut Bundesregierung wurde das neue Vakzin in der Zulassungsstudie an rund 30 000 Teilnehmern getestet und kann die Wahrscheinlichkeit, an Covid-19 zu erkranken, um bis zu 90 Prozent verringern.

Das alleine hat die Licherin allerdings nicht von einer Immunisierung überzeugt. Sie arbeitet im Krankenhaus, ab Mitte März gilt in Gesundheits-, Pflege- und Betreuungseinrichtungen eine Impfpflicht. Arbeitgeber müssen dann nicht-geimpfte Mitarbeiter an das Gesundheitsamt melden, das gegebenenfalls ein Betretungsverbot für die Einrichtungen ausspricht. Die Licherin macht keinen Hehl daraus, dass es diese Vorgabe ist, weshalb sie letztlich den Weg ins Impfzentrum gefunden hat. »Ich bin nach wie vor gegen die Impfpflicht. Das sollte jeder für sich selbst entscheiden dürfen.« Sie nehme daher auch regelmäßig an den »Spaziergängen« gegen die Corona-Schutzmaßnahmen teil.

Auch ein junger Vater aus Pohlheim, der an diesem Morgen in der Schlange wartet, hat sich für Novavax entschieden. Gegen die klassischen Kinderkrankheiten sei er geimpft, ebenso seine dreijährige Tochter. Den Corona-Vakzinen stehe er aber skeptisch gegenüber. Auch weil ihm im privaten Umfeld mehrere Ärzte von einer Impfung abgeraten hätten. Diese Mediziner seien »keine Quacksalber«, betont der junge Mann. Sein Schwager wiederum, der als Mediziner ebenfalls impfe, habe sein Zögern nicht nachvollziehen können. Umgekehrt habe ihm allerdings auch niemand zu Novavax geraten.

Bislang sei es ja gut gegangen, erzählt der Licher. Infiziert sei er noch nicht gewesen - wohl auch, weil er in den vergangenen zwei Jahren wie so viele von zu Hause gearbeitet und seine Kontakte eingeschränkt habe. Seine kleine Tochter habe durch den Kindergarten allerdings deutlich mehr Kontakte - weshalb ihr Vater zwischenzeitlich auch eine Biontech-Impfung erwogen hatte. Etwas skeptisch sei er trotzdem vor der Impfung, schließlich sei Novavax bislang deutlich weniger Menschen verabreicht worden, als die ebenfalls im Impfzentrum vorhandenen Vakzine von Biontech und Moderna.

Diejenigen, die sich am gestrigen Tag für Novavax entschieden haben, haben das offenbar ganz bewusst getan - das betont auch der Vorstand des DRK-Kreisverbands Marburg-Gießen, Christian Betz. Dieser betreibt das Impfcenter gemeinsam mit dem Regionalverband der Johanniter und dem Landkreis. Allerdings: Einen Ansturm auf den neuen Impfstoff gibt es nicht. Nach rund zweieinhalb Stunden hatte man erst 15 Dosen verabreicht - hauptsächlich an Mitarbeiter aus dem Gesundheitsbereich, die bislang noch gänzlich ungeimpft waren. Zusammen mit den weiteren Impf-Angeboten des Landkreises komme man derzeit auf etwa 200 Spritzen pro Tag. Allerdings sind hier auch die übrigen Vakzine einberechnet, inklusive Auffrischimpfungen.

Von dem neuen Vakzin liegen zunächst 12 400 Dosen vor, so dass 6200 Personen Erst- und Zweitimpfung erhalten können. Zwischen den beiden Spritzen wird ein Abstand von rund drei Wochen empfohlen, ansonsten gebe es keine Unterschiede zwischen dem Ablauf bei den Impfstoffen. Hausärzte im Kreis verfügen laut Betz derzeit noch über keine Novavax-Dosen.

Angesichts der stockenden Impfkampagne gibt der DRK-Vorstand die Parole aus: »Impfen, impfen, impfen! Wir müssen die Zeit nutzen.« Auch wenn die Infektionszahlen derzeit wieder sinken, der nächste Herbst - und damit möglicherweise auch die nächste große Welle - komme bestimmt. Die Nachfrage sei zwar nach wie vor da, aber überrannt werde man im Impfcenter nicht. »Die über 70-Jährigen und Menschen mit Vorerkrankungen sollten auch über eine vierte Impfung nachdenken«, rät Betz.

Das Impfcenter in der Galerie Neustädter Tor ist montags bis samstags von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Impfen lassen können sich hier Personen ab zwölf Jahren. Ein Termin ist nicht notwendig. Auch der neue Impfstoff Novavax ist für alle Interessenten zu haben und nicht auf Personen in Gesundheits- oder Pflegeberufen beschränkt. (ebp)

Auch interessant