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»Kein demokratiefreier Raum«

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Oliver Moos Betriebsrat Schunk © Red

Alle vier Jahre werden in vielen Unternehmen Betriebsräte gewählt. In diesem Jahr ist es wieder soweit. Die IG Metall Mittelhessen stellt die Arbeit dieser Gremien vor.

Kreis Gießen (ww). »Es ist die größte Wahl in Deutschland«, unterstreicht der Erste Bevollmächtigte der Industriegewerkschaft (IG) Metall Mittelhessen, Stefan Sachs. Vom 1. März bis 31. Mai werden in ganz Deutschland Interessenvertreter der Unternehmensbelegschaften gewählt. Die Betriebsratswahlen finden alle vier Jahre statt. Ab fünf Beschäftigten kann gewählt werden.

»Ein Unternehmen ist kein demokratiefreier Raum und der Job als Gewerkschafter oder Betriebsrat ist sicher nicht jeden Tag vergnügungssteuerpflichtig«, meinte Sachs in einer Videokonferenz, zu der die IG eingeladen hatte, um auf die Wahlen nicht nur in Mittelhessen aufmerksam zu machen. In Betrieben, in denen Betriebsräte und Gewerkschaften Akzente setzten, seien jedenfalls deutlich bessere Arbeits- und Bezahlbedingungen vorhanden. Umgekehrt gebe es allerdings auch Arbeitgeber, die gesetzes- und tarifbrüchig würden. »Gerechtigkeit gibt es aber nicht nur außerhalb der Betriebe«, schrieb der Gewerkschafter diesen Arbeitgebern ins Stammbuch.

In Mittelhessen bewerben sich rund 1000 Kandidaten in der Metall- und Elektroindustrie sowie dem Texilsektor für ein Amt in einem Betriebsratsgremium. Der zweite Bevollmächtigte der IG Metall, Mario Wolf erklärte, dass 2018 10 500 Betriebsräte landesweit gewählt worden seien. »Es könnten wesentlich mehr sein«, wünschte er sich. Betriebsräte seien unter anderem bei Kündigungen und Eingruppierungen mit im Boot, aber auch bei der Kurzarbeit.

Oliver Moos, der stellvertretende Betriebsratsratsvorsitzende der Schunk Group in Heuchelheim, erklärte, dass er und seine Betriebsratskollegen die Interessen von 2000 Beschäftigten in Heuchelheim vertreten. »Wir sind vom Umbruch in der Automobiltechnik hin zum E-Auto geplagt.«

Mit der angebotenen Sintermetalltechnik würden viele Teile für den Verbrenner gefertigt. Die Transformation hin zur E-Mobilität ziehe auch Veränderungen bei Schunk nach sich, da viele Ersatzteile noch für Verbrenner gefertigt würden. Es gehe daher für Betriebsräte immer öfter darum, einen Interessenausgleich und Sozialplan mit dem Arbeitgeber zu verhandeln, um die Folgen von Betriebsänderungen für die Beschäftigten abzumildern. Das Schunk-Gremium habe eine Betriebsvereinbarung Bildung und Weiterbildung abgeschlossen. Hier gebe es die Möglichkeit für Beschäftigte, sich auch außerhalb ihres betrieblichen Wirkungskreises weiterzubilden. Sie hätten danach ein Rückkehrrecht in das Unternehmen, aber damit auch eine Chance sich frei neu zu orientieren. Weiterbildung und Qualifikation seien Kernpunkte der aktuellen Betriebsratsarbeit. »Eine starke Mitarbeitervertretung ist wichtig«, betonte er.

Mit den Veränderungen der Industrie 4.0 muss sich auch Stefano Di Lena, Betriebsratsvorsitzender von Buderus in Wetzlar, ständig beschäftigen. Die Gießerei habe gerade wegen der hohen Energiepreise wieder zu kämpfen. Es sei das einzige Stahlwerk in Hessen, in dem dreischichtig gearbeitet werde. Sein Gremium habe in der Schichteinteilung dafür gesorgt, dass Familien ihre Zeit besser planen können.

Besorgt um Jobzukunft

Die IG Metall siehe eine ihrer Aufgaben darin, Betriebsräte zu beraten und schulen, betonte Wolf. Sie habe zudem eine Befragung unter den Belegschaften initiiert, die zwar noch nicht abgeschlossen ist, aus der aber erste Erkenntnisse vorliegen würden. Es zeichne sich ab, dass die Sorge um den eigenen Job, die Wertschätzung im Betrieb und die Kommunikation während der Coronazeit sowie Bezahlungsaspekte wie die Entgelthöhe, aber auch Eingruppierung Themen sind, die Arbeitnehmer bewegen.

Foto: Schunk Group

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