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Kein klares Ergebnis

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In Bellersheim soll sich 2016 ein grausamer Mord ereignet haben. © Czernek

Kreis Gießen . »Das kann nicht eindeutig gesagt werden«, zu diesem Schluss kam gestern die Gutachterin des hessischen Landeskriminalamtes auf die Frage zu Schmauchspuren an einem Kleidungsstück, das einem der beiden Angeklagten gehört. Seit einem Jahr müssen sich zwei Beschuldigte vor der fünften großen Strafkammer des Landgerichts Gießen verantworten.

Sie werden beschuldigt, Daniel M., einen gemeinsamen Bekannten, im November 2016 in einer Hofreite in Bellersheim erschossen zu haben.

Indizienprozess

Die beiden Angeklagten beschuldigen sich gegenseitig, die Tat begangen zu haben. Da jedoch die Leiche des Getöteten bis heute fehlt, kann sich die Anklage lediglich auf Indizien stützen. Entsprechend zähflüssig zieht sich die Beweisaufnahme hin und ein Ende ist noch nicht in Sicht.

Gestern wurde auf Antrag der Verteidigung erneut eine Sachverständige aus dem LKA in Wiesbaden befragt. Sie sollte der Frage nachgehen, ob man anhand der Menge an Schmauchpartikeln auf einem sichergestellten T-Shirt feststellen könnte, ob der Träger dieses Shirts selbst geschossen habe. Im Rahmen der Ermittlungen wurden Bekleidungsstücke und ein Paar Handschuhe sichergestellt, die dem Älteren zugeordnet werden, die aber von dem Jüngeren aufbewahrt wurden.

Mit diesen Beweisstücken hatte der Jüngere den Älteren angeblich erpresst und sich damit sein Schweigen erkauft. Auf einem T-Shirt wurden Blutspuren des Opfers und Schmauchspuren an den Ärmelbündchen gefunden. Auch auf den Handschuhen wurden Spuren gesichert. Hier fand man sowohl Schmauchspuren wie auch die DNA des Älteren. Dafür hatte er (in einem früheren Prozesstag) folgende Erklärung: Der Jüngere habe geschossen, allerdings habe er unter den Handschuhen Latexhandschuhe getragen, sodass keine DNA von ihm dort zu finden war. Nach dem Mord habe dieser ihn gezwungen, die Lederhandschuhe anzuziehen. Von daher war es für die Verteidigung von Bedeutung, der Frage nachzugehen, ob man anhand dieses Kleidungsstückes feststellen könne, ob dieser geschossen habe oder nicht.

Keine eindeutigen Rückschlüsse

Die Sachverständige erklärte, dass man deutliche Schmauchspuren an den Handschuhen gefunden habe, jedoch nur wenige an jenen Ärmelbündchen. Daraus ließen sich keine eindeutigen Rückschlüsse ziehen. »Das kann man nicht genau sagen«, erklärte sie. Dafür nannte sie mehrere Gründe und gab sie Einblicke in die Vorgehensweise der Spurensicherung: Für die Beweissicherung nimmt man stichprobenartig Proben von den jeweiligen Gegenständen, dafür würde man pro untersuchtes Teil jeweils einen Klebestempel nehmen und mit diesem verschiedenen Stellen abtupfen, sodass man am Ende ein Ergebnis für die gesamte Oberfläche erhalte. Zudem spielen bei einer Schussabgabe viele Faktoren eine Rolle, die heute nicht mehr rekonstruierbar seien. Von daher musste sie eine eindeutige Antwort schuldig bleiben. Um etwas mehr Licht in diesen Vorgang um die Handschuhe zu bringen, fragte Oberstaatsanwalt Thomas Hauburger die beiden Angeklagten, ob sie die Handschuhe einmal anziehen würden. Diese Antwort blieben die Befragten schuldig und baten um Bedenkzeit bis zum nächsten Prozesstag, der in der kommenden Woche stattfinden wird.

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