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Keine Cannabis-Verschreibung gegen »Saufdruck«

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70-jähriger Kreisbürger wollte seine Alkoholsucht mit Hasch therapieren lassen. Das Landessozialgericht sagte allerdings deutlich Nein.

Kreis Gießen (red). Ein 70-Jähriger aus dem Kreisgebiet wollte seine Alkoholsucht mit Cannabis bekämpfen. Doch seine Krankenkasse verweigerte ihm die Behandlung. Es gebe andere Therapiemöglichkeiten. Der Senior konnte sich schon in der ersten Instanz mit seiner Meinung nicht durchsetzen, zog aber dennoch vor das Landessozialgericht, wo er jetzt ebenfalls eine Klatsche bezog. Grundsätzlich können Versicherte mit einer schwerwiegenden Erkrankung gegenüber ihrer Krankenkasse eine Versorgung mit Cannabis beanspruchen, heißt es in der Presseerklärung des Landessozialgerichts. Voraussetzung sei allerdings, dass sie nicht mit einer Standardtherapie behandelt werden könne. Zur Behandlung einer Alkoholerkrankung würden vor allem Rehabilitationsbehandlungen zur Verfügung stehen. Ein Anspruch auf Cannabis bestehe daher nicht. Dies entschied in einem am Donnerstag veröffentlichten Urteil der erste Senat des Hessischen Landessozialgerichts in einem Berufungsverfahren.

Der 70-jährige hatte gegenüber seiner Krankenkasse die Versorgung mit Medizinal-Cannabisblüten beantragt. Nur damit könne er seinen Drang zum Alkoholkonsum kompensieren.

Die letzten 15 Jahre habe er mit selbst angebautem Cannabis seinen »Saufdruck« erfolgreich kontrollieren können. Die Krankenkasse lehnte den Antrag ab und verwies den Versicherten auf die Möglichkeit einer Entwöhnungstherapie. Auch die Richter beider Instanzen verneinten einen Anspruch auf Versorgung mit Cannabis.

Eine Alkoholerkrankung könne nach den medizinischen Leitlinien unter anderem mit Rehabilitationsmaßnahmen, medikamentöser Rückfallprophylaxe und Psychotherapie behandelt werden.

Der behandelnde Arzt habe nicht substantiiert begründet, dass die Standardtherapien im konkreten Fall nicht zur Anwendung kommen könnten.

Der Versicherte könne sich auch nicht darauf berufen, dass er bei einer psychiatrischpsychotherapeutischen Behandlung vorübergehend nicht erwerbstätig sein könne.

Die Revision wurde nicht zugelassen.

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