+
Wolf-Christopher Gramatte stellte den Inhalt des neuen Brandschutzerziehungsmobils vor und demonstrierte die Rauchentwicklung im Rauchsimulationshaus.

Neues Konzept

Kinder lernen: Was tun, wenn es brennt?

Mädchen und Jungen im letzten Kindergartenjahr sowie die Drittklässler sind die Zielgruppe der koordinierten Brandschutzerziehung im Landkreis Gießen.

Kreis Gießen (twi). Seit neun Jahren geben die Löwengeschwister Lenni und Leonie in Hessen Kindern in einem Bilderbuch »löwenstarke« Tipps für die Brandschutzerziehung. Das Comic-Duo um Feuerwehrmann Onkel Leopold hat seit Beginn des Jahres im Landkreis Gießen menschliche Verstärkung mit dem für die Brandschutzerziehung und -aufklärung verantwortlichen Wolf-Christopher Gramatte erhalten. Der Diplom-Betriebswirt ist Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Langsdorf, Leiter der dortigen Minifeuerwehr und seit Beginn des Jahres beim Landkreis beschäftigt. Bei einem Pressetermin stellte Gramatte gemeinsam mit Landrätin Anita Schneider (SPD) die Umsetzung des neuen hessischen Brandschutzerziehungskonzeptes im Landkreis Gießen vor.

Hier geht es vor allem darum, die Kinder im Vorschulalter und der dritten Klassen der Grundschulen zu erreichen. Wie Schneider erklärte, hat der Landkreis an einer Pilotphase des Landes zur Förderung der Brandschutzerziehung teilgenommen und dafür eine Vollzeitstelle geschaffen, die mit Gramatte besetzt ist. Der Kreis erhielt zudem ein Brandschutzerziehungsmobil - eines von sieben in Hessen -, mit dem Kindern und Jugendlichen die Gefahren des Feuers nähergebracht werden sowie das generelle Verständnis für Feuerwehrtätigkeiten ausgebaut werden soll. Gleichzeitig will man dazu beitragen, dass mögliche Ängste im Unglücksfall überwunden werden.

Daueraufgabe

Vom Land wird die Maßnahme in den ersten drei Jahren mit jährlich 20 000 Euro und anschließend mit 10 000 Euro gefördert. »Wir haben uns bewusst dafür entschieden, dass wir dies nicht als kurzfristige Lösung, sondern als Daueraufgabe angehen. Dadurch soll die Brandschutzerziehung unter dem Dreiklang ›Kommunen, Kreise und Land‹ eine neue Qualität erhalten. Die Wehren vor Ort sollen dies weiterbetreiben, denn hierdurch wird nichts ersetzt, sondern nur die Qualität verbessert«, betonte die Landrätin.

Die pädagogischen Materialien um Lenni und Leonie werden nun durch weitere praktische Maßnahmen verstärkt. Erreicht werden sollen so zunächst die Mädchen und Jungen im letzten Kindergartenjahr und die Drittklässler. Im Landkreis Gießen geht es um rund 1500 Kinder, die in den 44 Grund- und Förderschulen in 100 Klassen unterrichtet werden sowie weitere 1500 Kinder im letzten Kindergartenjahr in den 120 Kindergärten im Landkreis Gießen.

Dabei ist die Universitätsstadt Gießen aufgrund ihres Sonderstatus ausgenommen. Um die Umsetzung im neuen Schuljahr auch mit den örtlichen Feuerwehren planen zu können, sollen jeweils im ersten Quartal eines Jahres Gespräche mit Schulen und Kitas stattfinden. »20 Schulen plus sind bereits mit dabei«, berichtete Gramatte.

Das Brandschutzerziehungsmobil sollte stets mit dabei sein, wobei dieses nach zeitgemäßen Bedürfnissen ausgestattet wurde. Neben verschiedenen Gebrauchsgegenständen wie etwa einer Festzeltgarnitur, einem Pavillon oder einer Sackkarre sowie einem Erste-Hilfe-Rucksack finden sich in dem Mobil auch Pulverlöscher sowie eine Buttonmaschine, ein Rauchsimulationshaus, eine Notruf-Simulations-Telefonanlage im Koffer, ein Materialkoffer für verschiedene Experimente und ein Kamischibai - ein aus Japan stammendes Papiertheater. Zu dieser Festausstattung hat der Landkreis noch voll funktionsfähige Einsatzkleidung, Atemschutzflasche, Handschuhe, Rauchmelder und auch Scheiben für Feueralarmknöpfe dazugepackt. »Lieber schlagen sie diese Scheiben statt die richtigen in der Schule ein. Die Brandschutzerziehung muss Spaß machen und sollte so angelegt sein, dass die Kinder zur Mitarbeit angeregt werden. Dabei soll die Feuerwehr Freund der Kinder sein, um das Vertrauen in die Organisation Feuerwehr zu stärken«, betonte Gramatte. Lehrer und Erzieher erhalten Broschüren mit Fachinformationen und pädagogische Hinweisen.

Theorie und Praxis

Den Kindern sollen grundsätzliche Kenntnisse über Aufgaben und Strukturen des Feuerwehrwesens vermittelt werden. Die Schule soll dabei vor- und nachbereitend Unterrichtseinheiten in Absprache mit der Feuerwehr durchführen und bekommt hierfür Material für Lehrer und Schüler zur Verfügung gestellt. In den dritten Klassen ist eine vierstündige Brandschutzerziehungseinheit in der Schule vorgesehen, aufbauend auf den eher theoretischen Vorbereitungseinheiten werden auch praktische Dinge wie etwa Notrufsimulation oder Rauchhaus behandelt. Darüber hinaus soll die Schule an einem separaten Termin die örtliche Feuerwehr besuchen, erläuterte Gramatte.

Schneider berichtete, dass über den Hessischen Landkreistag erreicht werden soll, dass die Brandschutzerziehung wie die Verkehrserziehung fester Lehrstoffbestandteil an den Grundschulen werden soll. Dabei gehe es auch darum, die örtlichen Feuerwehren bei ihrer Arbeit zu entlasten.

Das könnte Sie auch interessieren