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Kippe aus im Festzelt

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Ein Bild, das in den Festzelten der Region der Vergangenheit angehört. Seit November 2021 ist die Sondererlaubnis abgelaufen, die das Rauchen im Festzelt erlaubte. Symbolfoto: dpa © Red

Bereits im November ist in Hessen eine Sondererlaubnis ausgalaufen, die das Rauchen in Festzelten genehmigte. Betreiber und Veranstalter müssen künftig das Rauchverbot im Zelt durchsetzen.

Kreis Gießen . Ganz klammheimlich ist bereits im November 2021 eine Sondererlaubnis im hessischen Nichtraucherschutzgesetz abgelaufen, die das Rauchen in hessischen Festzelten erlaubte. Bereits beim Pohlheimer Wiesnfest trat das Rauchverbot in Kraft. Allerdings wusste, zumindest am ersten Wochenende, selbst der Veranstalter nichts davon, weshalb an den ersten beiden Abenden im Zelt noch fleißig gequalmt wurde. Seit gestern läuft in Bieber die Kirmes im Festzelt am Sportplatz der KSG Bieber ab. Einige werden sich auch hier verwundert die Augen gerieben haben, denn im Zelt wird durch Hinweisschilder expliziert auf das neue Rauchverbot im Festzelt hingewiesen.

Das Rauchverbot in Festzelten ist im Hessischen Nichtraucherschutzgesetz geregelt. Mit der Neufassung des Gesetzes vom 11. November 2021 gelten für Festzelte mit gastronomischem Angebot (das heißt, es werden gewerblich Speisen und/oder Getränke abgegeben, auf eine Gaststättenerlaubnis kommt es hier nicht an) nun die gleichen Regelungen, die für Gaststätten gelten. Es gilt daher ein grundsätzliches Rauchverbot, erklärt das Hessische Ministerium für Soziales und Integration auf Nachfrage. Die vorherige Ausnahmeregelung bestand bereits seit Erlass des Hessischen Nichtraucherschutzgesetzes vom 6. September 2007 und wurde im Zuge der letzten Gesetzesänderung am 11. November 2021 aufgehoben.

Die Ausnahmeregelung von 2007 galt für Festzelte, die nur vorübergehend und höchstens an 21 aufeinanderfolgenden Tagen an einem Standort betrieben werden. Wie folgt wurde damals dazu erläutert: »Auch bei einem Gaststättenbetrieb in einem Zelt entsteht eine Passivrauchbelastung, sodass es gerechtfertigt ist, diesen ebenfalls grundsätzlich dem Rauchverbot zu unterwerfen. Allerdings ist es vertretbar, in Festzelten, wenn sie an ihrem jeweiligen Standort nur vorübergehend betrieben werden, das Rauchen bei entsprechender Kennzeichnung zu erlauben. Durch die kurze Standzeit birgt ein solcher Betrieb für Gäste und Bedienungspersonal nicht im gleichen Maße Gesundheitsgefahren durch Passivrauch wie ortsfeste Gastronomiebetriebe, die das ganze Jahr besucht werden.«

Organisatoren von Festen in Zelten müssen also künftig die gesetzlichen Regelungen zum Nichtraucherschutz beachten und das Rauchverbot durchsetzen sowie explizit darauf hinweisen. Die Burschen- und Mädchenschaft Biewerer Krähre, die die Kirmes in Bieber traditionell ausrichtet, bestätigt, dass das Zelt in Bieber in diesem Jahr rauchfrei bleiben wird. »Hinweisschilder wurden bereits aufgehängt und außerhalb des Zeltes werden spezielle Raucherbereiche ausgewiesen«, erklärt Leonard Köster. Die zwei Bereiche, einer am Zelteingang und einer im hinteren Ausgang in der Nähe der Sektbar, werden durch aufgestellte Bauzäune eingegrenzt, zusätzlich werden bei schlechtem Wetter große Schirme in den Bereichen aufgespannt, teilen die Organisatoren mit.

Im Zelt selbst sucht man auf den Tischen deshalb in diesem Jahr vergebens nach aufgestellten Aschenbechern. Dass eine einhundertprozentige Kontrolle kaum möglich ist, das ist auch Köster bewusst. »Wir werden natürlich versuchen, das Rauchverbot so gut es geht zu kontrollieren, aber in einem großen Festzelt ist dies kaum möglich. Wir hoffen deshalb auf Einsicht unserer rauchenden Gäste.« Das Securitypersonal sei darüber informiert und wird genau hinschauen, dass niemand sich den Glimmstängel im Zelt anzündet: Denn für Betreiber und Veranstalter drohen bei Nichteinhaltung Bußgelder bis zu 2500 Euro.

Oktoberfest seit 2010 rauchfrei

Was in Hessen erst seit November gilt, ist auf dem weltweit bekannten Oktoberfest in München schon 2010 eingeführt worden. Seitdem sind die Zelte auf der Theresienwiesen in München qualmfrei. Gab es anfangs noch frustrierte Gäste, ist es über die Jahre hinweg zur Normalität geworden, dass Raucher nun vor das Zelt gehen, um sich eine Zigarette anzustecken. Einige Zeltwirte stellen seitdem sogar extra kleinere Raucherzelte im Innenbereich auf, sodass das Zelt nicht verlassen werden muss.

Laut Hessischem Sozialministerium sei dies auch in Hessen möglich. »Sofern sich ein Veranstalter entschließen sollte, auf dem Festgelände eine Raucherzone im Innenbereich einzurichten, so ist insbesondere zu beachten, dass ein solches separates Raucherzelt nicht größer als 75 qm ist und keine oder nur kalte und einfach zubereitete Speisen verabreicht werden«, heißt es in der Stellungnahme.

Man wird also abwarten müssen, wie das Rauchverbot in Festzelten angenommen und umgesetzt wird. Nach zwei Jahren des Verzichts auf jegliche Großveranstaltungen sollte allen daran gelegen sein, friedlich zu feiern und sich an die geltenden Regeln zu halten, auch wenn man dafür zum Rauchen das Zelt ab sofort verlassen muss.

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Im Festzelt am Bieberer Sportplatz steigt am Pfingstwochenende nach zwei Jahren Zwangspausen wieder die erste Kirmes im Landkreis Gießen. Das Rauchen im Innenbereich ist allerdings, anders als in den Jahren zuvor, verboten. Foto: Theis © Theis

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