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Klimapartnerschaft mit Mubende

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Fahnenübergabe der Delegation aus Uganda an Landrätin Anita Schneider und den Landkreis. Foto: Wißner © Wißner

Eine Delegation aus Uganda besuchte den Wirtschaftsausschuss des Kreistags. Der Landkreis strebt eine Klimapartnerschaft mit der 130 000 Einwohnerstadt in Uganda an.

Kreis Gießen (twi). Drei Stunden lang verfolgten die Mitglieder einer vierköpfigen Delegation aus Mubende/Uganda mit ihrer Dolmetscherin die Sitzung des im Bürgerhaus Wieseck tagenden Wirtschaftsausschuss des Kreistags - und die Dolmetscherin hatte viel zu tun. Da wurde den Gästen einiges geboten, an Wortgefechten, langatmigen Monologen, wie auch kritischen Einwänden. »In Mubende läuft dies konsensualer ab«, räumte dann am Ende der Sitzung Landrätin Anita Schneider (SPD) ein, als es darum ging, aus den Händen des Delegationsleiters, Bürgermeister Innocent Bakuluwgelo Ssekiziyivu, die schwarz-gelb-rote Nationalfahne Ugandas mit dem Kronenkranich inmitten in Empfang zu nehmen.

Umschlagplatz für Agrargüter

Diese hing während der Sitzung vor dem Tisch des Bürgermeisters, der sich zu Beginn der Sitzung mit einer Rede an die Ausschussmitglieder wandte. Der Landkreis strebt eine Klimapartnerschaft mit der rund 155 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Kampala gelegenen, 130 000 Einwohner in 85 Ortsteilen zählenden Stadt an. Zusammen mit Bürgermeister Innocent Bakuluwgelo Ssekiziyivu besuchten Kämmerer Festo Tandeka, der Referent für Nachhaltigkeit und Digitales, Gilbert Olinga, und der Referent für Klimaschutz, Asaph Kasujja, die Sitzung und stellten ihre Kommune vor. Zur angestrebten Klimapartnerschaft mit der Stadt Mubunde, die als bedeutender Umschlagplatz für Agrargüter gilt, ging der Leiter der Stabsstelle Wirtschaftsförderung, Tourismus, Klimaschutz, Dr. Manfred Felske-Zech, ein. Mit einem eher traurigen Anlass hat der Landkreis bereits mit Mubende Kontakt, half dieser doch der Stadt in Zeiten der Coronakrise mit Soforthilfen, für die nun Bürgermeister Ssekiziyivu sich ausdrücklich bedankte. Es war dies für Mubende und ihre Einwohner eine »sehr bedeutende Hilfe« die geleistet wurde. Insgesamt 43 000 Euro hat der Landkreis hier für Aufklärung und Information, Handwaschbecken zur Hygiene-Schulung, für Impf- und Testaktionen sowie die Schulung von Multiplikatoren in allen Ortsteilen zur Verfügung gestellt. Aktuell sind 80 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft und 30 Prozent geboostert. Wie Felske-Zech in seinem Vortrag über die anstehende Klimapartnerschaft im Nachgang nach einem Filmbeitrag über Mubunde ausführte, gehe es nicht nur darum, dass die Stadt vom Landkreis lerne, sondern »wir können auch eine Menge von Mubende lernen, wenn man sieht, wie dort junge Menschen motiviert sind, das haben wir hier noch nicht so geschafft«.

Mit der Klimapartnerschaft wird ein partizipativer Prozess unter Vorsitz des Bürgermeisters angestrebt. Mubende leidet unter Trockenheit. Ziel der Klimapartnerschaft sind eine strategische und praxisorientierte Zusammenarbeit auf den Gebieten Klimafolgen-Anpassung, Treibhausgas-Reduzierung, Müllvermeidung, stoffliche und energetische Abfallverwertung.

»Die Stadt ist dann fast ähnlich strukturiert wie der Landkreis Gießen«, so Felske-Zech mit Hinweis auf die 85 Ortsteile und der sich durch einreisende Arbeiter verdoppelten Einwohnerzahl auf 260 000 Einwohner. Bereits durchgeführt wurden im gesamten Land Baumpflanzaktionen. Als künftige Projekte in Mubunde sind die Errichtung einer genossenschaftlich betriebenen Biogasanlage, der Umstieg von Holzkohle auf Biogas zum Kochen, die Einführung von Mehrweg-Transportverpackungen, von Solarlampen zur Beleuchtung und das Thema Klimaschutz als schulischer Lehrinhalt.

Die Zusammenarbeit soll auf die Themen Klimaschutz, Abfall- und Ressourcenmanagement, nachhaltige Landwirtschaft, betriebliche Ausbildung, neue Lerninhalte, Gesundheitsmanagement und Digitalisierung der Stadtverwaltung ausgeweitet werden. Um die Zusammenarbeit weiter zu intensivieren, reist im kommenden Monat eine Delegation mit Landrätin Anita Schneider an der Spitze für neun Tage nach Mubunde, um im Rahmen des Besuchs ein Handlungsprogramm zu unterzeichnen und um das Biogasprojekt zu starten.

Bekannt durch Dokumentarfilm

Die in der Central Region in Uganda gelegene Gemeinde Mubende ist die Hauptort des gleichnamigen Distrikt. Den Status als Gemeinde (Municipality) besitzt Mubende seit dem Jahr 2015. Bereits vor 21 Jahren hatte die Stadt weltweit für Aufsehen gesorgt, als der Dokumentarfilm »Der Fall Mubende« darüber informierte, dass 4000 Menschen für den Bau einer Kaffee-Plantage der Hamburger Neumann-Gruppe von ihrem Land vertrieben wurden und Soldaten in vier Dörfern Häuser und Hütten niederwalzten. Doch die Kleinbauern wehrten sich gegen den Landraub.

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