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Klischees nicht bestätigt

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Natascha Hoefers Romane spielen in der Bretagne. Von dort stammt auch der französische Teil ihrer Familie. © Czernek

Gießen (bcz). »Was macht eine französische Frau aus - was ist das Besondere an einer Französin?« diesen Fragen stellte sich die Autorin Natascha Hoefer in ihrer Lesung anlässlich des internationalen Frauentages in der Stadtbibliothek Gießen am Freitagabend.

Die Literaturwissenschaftlerin konnte diese Fragen mit einem persönlichen Ansatz angehen, denn ihre Mutter ist Französin, ihr Vater ist Deutscher. Geboren in Weilburg und aufgewachsen in Wetzlar, studierte sie in Gießen Neue Deutsche Literatur, Kunstpädagogik und Philosophie. Hoefer ist Verfasserin mehrere Sachbücher und arbeitet als Lehrerin in Wetzlar. 2019 erschien ihr erster Roman »Woanders - am Ende der Welt«, 2021 »Im Westen - gegen den Strom«. Beide Romane spielen in der Bretagne, der Gegend, aus der der französische Teil ihrer Familie stammt.

Zur Beschreibung von »den Französinnen« nahm sich Natascha Hoefer Charakterisierungen ihrer eigenen Romanfiguren vor: Da ist zum einen die Bretonin Marie aus ihrem ersten Roman und ihre Großtante Etienne, die zwar in der Bretagne aufwuchs, dann aber nach Paris ging. Marie ist robust, manchmal auch etwas kratzbürstig und reibt sich gerne an ihrem neuen Nachbarn, dem Deutschen Florian. Sie ist ein wenig wie die Landschaft: sehr urban und etwas rau. »Frankreich ist ein zentralistisch geprägtes Land. Für die Pariser ist Paris der Nabel der Welt, alle anderen sind für sie mehr oder weniger Bauern«. Daher ist die Schilderung von Lina, die es aus Paris in das Finstère verschlägt, auch eher ungewöhnlich. In einer Beschreibung aus ihrem früheren Leben wird sie als schön, elegant und fast makellos beschrieben. Als sie in der Bretagne ankommt, fehlt unter anderem ihr wunderschönes, langes Haar. Doch genau dort, fernab von der Hektik der Großstadt, findet sie zu sich selbst. Die Bretagne - ein Ort der Geheimnisse, aber auch der Heilung.

Hoefer beschreibt in ihren Romanen moderne Frauen, die jedoch nicht zu den gängigen Klischees der Französin passen, so wie sie von Deutschland aus vermutet werden. Dieser Frage ist die Mutter der Autorin, Josiane Hoefer-Lézénès, sehr pragmatisch nachgegangen, schließlich lebt sie seit Jahrzehnten in diesem Spannungsfeld. In ihrem Bekanntenkreis startete sie eine kleine Umfrage, die sie zum Abschluss präsentierte: Die häufigsten Antworten waren »Selbstdarstellung«, »elegant«, »zierlich«, »distanziert«. Erst an sechster Stelle wurde »kann kochen« genannt, was erstaunte, wird doch im Allgemeinen die Kochkunst mit Frankreich verbunden. Die Umfrage würde viele Klischees bestätigen, die heute so aber nicht mehr stimmen: »Viele Französinnen sind nicht zierlich, sondern oft auch sehr üppig.«

Natürlich wurde auch das aktuelle Weltgeschehen in der kurzen Einführung von Eva Steinbrecher-Klein, Veranstaltungskoordinatorin der Stadtbibliothek, thematisiert. »Wir sind froh, mit dieser schönen Veranstaltung dem Schrecklichen etwas entgegen setzen zu können, abzutauchen und zu sehen, wie schön die Welt auch sein kann«.

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