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»Können hierbei alle nur gewinnen«

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Von: Leandro Theis

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Vertreter jeder Kreiskommune sind an der Auftaktveranstaltung im Wiesecker Bürgerhaus zugegen. Foto: Theis © Theis

Der Landkreis Gießen und die Kommunen ziehen bei Cybersicherheit künftig an einem Strang.

Kreis Gießen . Alleine 144 Millionen Schadprogramme wurden im vergangenen Jahr von Häckern neu programmiert. Ein Zuwachs von rund 22 Prozent im Vergleich zum Jahr 2020. »Und es werden immer mehr«, erklärte der Erste Kreisbeigeordnete Christopher Lipp (CDU) bei der Auftaktveranstaltung zur interkommunalen Zusammenarbeit zwischen dem Landkreis Gießen und den Kreiskommunen zur Cybersicherheit. Damit der Worst-Case eines Angriffes auf die Daten sowohl beim Landkreis selbst, als auch bei allen anderen Kommunen nicht eintritt, ziehen künftig alle an einem Strang, um die Informationssicherheit in allen 18 Kommunen auf ein Niveau zu bringen.

Koordinieren soll das ganze Projekt die neu zentral geschaffene Stelle des Cybersicherheitsbeauftragten beim Landkreis. Dafür habe man mit dem 25-jährigen Felix Müller einen Fachmann auf dem Gebiet zum 1. Oktober finden können, erläuterte Lipp. Ihm zur Seite stehen David Pöhlmann, als IT-Sicherheitsbeauftragter des Landkreises Gießen sowie Thorsten Becker als Leiter des Fachdienstes Zentrale Dienste.

Förderantrag gestellt

Durch die neue interkommunale Zusammenarbeit verspreche man sich einen einheitlichen und qualitativ hochwertigen Sicherheitsstandard. In der Vergangenheit bestand bereits eine solche Zusammenarbeit mit dem Landkreis Marburg-Biedenkopf, diese lief allerdings im August aus. »Folglich wollten wir uns nun im zweiten Schritt auf uns selbst konzentrieren«, merkte Landrätin Anita Schneider (SPD) an. Sie freute sich besonders, dass alle 18 Kommunen sich daran beteiligen und bereits eine öffentlich rechtliche Vereinbarung abgeschlossen werden konnte. Die Laufzeit des Projektes ist dabei auf fünf Jahre festgeschrieben. Die Finanzierung erfolgt sowohl aus Eigenmitteln des Landkreises (50 Prozent) und Kostenerstattungen der teilnehmenden kreisangehörigen Kommunen (50 Prozent).

Eine Förderung im Rahmen des Förderungsprogrammes für IKZ-Projekte des hessischen Innenministeriums wurde bereits beantragt. »Der Förderantrag befindet sich aktuell noch in der Prüfung«, sagte der Erste Kreisbeigeordnete.

Der Landkreis übernimmt im Zuge des interkommunalen Projektes die Gesamtkoordination des Informationssicherheitsprozesses, erstellt Sicherheits- und Notfallkonzepte und initiiert Sensibilisierungs- und Schulungsmaßnahmen sowie zahlreiche e-Learning-Angebote, die jederzeit online abrufbar sind. Dass künftig die Sensibilisierung und Schulung der Mitarbeiter einer jeden Kommune an erster Stelle stehen, darin waren sich alle einig. Die Mitarbeiter haben aktuell bereits die Möglichkeit online an Schulungsmaßnahme teilzunehmen, an deren Abschluss eine Prüfung mit Zertifikat abgelegt werden kann. In naher Zukunft dies auch in Präsenzveranstaltungen angeboten werden.

Auf Ernstfall vorbereiten

Ebenfalls geplant sind regelmäßige Durchführungen von Anti-Phishing-Kampagnen (zwei in 2023). »Hierbei wird ein realistischer Angriff geprobt, um Mitarbeiter bestmöglich für den Ernstfall vorzubereiten«, erklärte David Pöhlmann. Sowohl Gießens Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher (SPD) als Vertreter der größten Kommune im Landkreis, als auch Lars Burkhard Steinz (CDU) als Sprecher der Kreisbürgermeister, sahen im gemeinsamen Projekt eine »große Möglichkeit« und begrüßten, dass Einigkeit unter allen Parteien herrschte. »Wir können hierbei alle nur gewinnen«, sagte Gießens Oberbürgermeister. Die Stadt Gießen habe zusätzlich und unabhängig für das nächste Jahr die neue Stelle eines Informationssicherheitsbeauftragten geschaffen, mit der man sich natürlich innerhalb des Projektes einbringen möchte, so Becher. Schrittweise sollen in nächster Zeit alle Kommunen auf einen möglichst gleichen und hohen Sicherheitsstand gebracht werden. Der neue Cybersicherheitsbeauftragte wird diesbezüglich in allen Kreiskommunen vorstellig werden und einen Sicherheitscheck durchführen, um eventuell technische und organisatorische Anpassungen vornehmen zu können. Zudem soll in regelmäßigen Abständen ein Arbeitskreis Cybersicherheit zum Wissenaustausch zusammen kommen.

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