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Kollegium als Portraitvorlage

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Die zwölfjährige Joanna Schweitzer vor einigen ihrer Bilder vom Lehrerkollegium. © Schäfer

Lich (rrs). Im lichtdurchfluteten Foyer der Anna-Freud-Schule fand kürzlich die Vernissage zur Ausstellung »The School« mit Bildern der zwölfjährigen Schülerin Joanna Schweitzer aus der B02 statt. Dicht gedrängt standen die Anna-Freud-Schüler beisammen, mitten unter ihnen die stolze Künstlerin Joanna mit Mutter und Schwester. An den weiß gestrichenen Wänden hängen bunt gemalte Bilder, die nacheinander sämtliche Lehrer des Kollegiums auf Papier gebannt zeigen, genau 17 an der Zahl.

Alle sind in einem satten Grün gerahmt, der Lieblingsfarbe der Künstlerin, und mit einem Namensschild in bunter Schrift versehen. Da besticht Schulleiter Rainer Berk mit schwarzer Jacke und Jeans, während die stellvertretende Schulleiterin Elke Triller in weinrotem Kleid ein blaues Mikrofon in der Hand hält und Joannas Kunstlehrerin Melanie Berk fröhlich lächelnd in knallgelb daher kommt.

Alle Lehrer sind mit erhobenen Armen dargestellt, was wohl ihre Freude am Beruf ausdrücken soll und außerdem aufzeigt, wie gerne Joanna in die Schule geht. Das Catering zur Ausstellung haben die zwei Schüler Justin Brecht und Sina Romig aus der B04 unter Anleitung von Klassenlehrer Michael Hoff übernommen. Auf einer langen Tischreihe mit weißem Überwurf glitzern in unzähligen glasklaren Plastikbechern Getränke in allen Farben der Regenbogenplatte und sorgen damit für eine wahre Augenweide, während kleine Knabbereien und Süßigkeiten in Papiertüten zum Verkosten einladen. »Wir haben Sprite, Bitter Lemon und Wasser mit Lebensmittelfarben kunterbunt eingefärbt«, verraten die beiden Schüler bereitwillig ihren Getränke-Trick.

»Joanna hat aus eigenem Antrieb heraus einfach mal eine Lehrerin gemalt. Das war ganz alleine ihre Idee ohne irgendwelche Vorgaben im Unterricht. Nach und nach folgten Bilder weiterer Lehrerinnen«, erzählt Kunstlehrerin Berk von den Anfängen und ihrem Bestreben, Ideen der Schüler ernst zu nehmen und zu fördern.

»Irgendwann kam mir der Gedanke, dass Joanna alle Lehrer malen könnte und wir dann mit den Bildern eine Ausstellung organisieren.« Berk unterstützte Joanna, gab auch Bilder »in Auftrag« und schließlich war jedes einzelne Mitglied des Kollegiums portraitiert. Die Werke schmücken nun bis Ende Februar das Foyer und sorgen mit ihrem sorglosen Stil für gute Laune.

Voller Freude eröffnete Schulleiter Berk die Vernissage mit den Worten: »Heute ist ein ganz besonderer Tag, denn dies ist die erste Ausstellung überhaupt für unsere Schule. Wir können stolz sein, eine Schülerin wie Joanna zu haben. Nicht jeder hat so gute Ideen und ist dann auch bereit, sie umzusetzen. Hierfür gehört Joanna ein dickes Lob.« Verschmitzt lächelnd merkte er an: »Übrigens sind die Bilder, wie auf jeder großen Vernissage auch, alle käuflich zu erwerben. Die Preise legt natürlich Joanna fest.«

Berk ist es sehr wichtig, dass an »seiner« Schule die Kinder im Mittelpunkt stehen. Ihre Ideen sollen stets ernst genommen werden, das sei eine wichtige Art der Wertschätzung. Nur so können die Kinder ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln, um die Herausforderungen des Lebens zu meistern, ist er überzeugt und unterstreicht seine Einstellung: »Nach Beendigung der Ausstellung werde ich das Bild mit meiner Person Joanna abkaufen und in mein Büro hängen. Ein gebührender Platz für ein einzigartiges Werk. Joanna ist jetzt stolz wie Bolle und dabei gleichzeitig ein Vorbild für andere Kinder.«

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