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Krippe verkündet frohe Botschaft

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Zahlreiche Freunde und Gemeindemitglieder haben Barbara und Günther Wolke 2012 verabschiedet. © Wolke

Barbara und Günther Wolke waren als Missionare in Japan. Eine Weihnachtskrippe half bei der Verkündung der frohen Botschaft.

Kreis Gießen . »Merry Kurisumasu« - Barbara und Günther Wolke schmunzeln. Das sei in etwa die japanische Version von »Merry Christmas«, also frohe Weihnachten. 30 Jahre hat das Ehepaar im Land der aufgehenden Sonne gelebt, war dort missionarisch tätig. Seit 2012 sind sie im Ruhestand und auch wieder zurück in Deutschland.

In Lollar haben sie ein neues Zuhause gefunden und hier findet sich auch das, was ihnen bei der Verbreitung des Christentums durchaus hilfreich war. Eine große Krippe zieht sich an der Wand im Wohnzimmer entlang. Der Stall, die Hirten auf dem Feld, die Weisen aus dem Morgenland - sie alle sind hier zu finden. Liebevoll gestaltet, ins rechte Licht gerückt erzählt die Krippe die Weihnachtsgeschichte, kündet von den Ereignissen rund um die Geburt Jesu. In der Adventszeit haben Hirten und Weise ihren Platz noch etwas vom Stall entfernt. Die einen hüten die Schafe, die anderen versuchen, den außergewöhnlichen Stern zu deuten, werfen einen Blick in ihre Schriftrollen. »Die machen sich erst an Heiligabend auf den Weg, rücken dann an ihren Platz an der Krippe«, erklärt Barbara Wolke.

Sie und ihr Ehemann haben alles selbst hergestellt. Vom Stall, der mit der japanischen Version des norddeutschen Reet eingedeckt ist, über die Figuren bis hin zur Landschaft und einem Vorhang, der als Sternenzelt dient. Jedes Detail lässt die liebevolle Herstellung erkennen. Und auch den fernöstlichen Einfluss. Josef und Maria zum Beispiel tragen Gewänder, die an Kimonos erinnern. »Die Kamele haben wir allerdings in der Schweiz gekauft«, lächeln die beiden bei der Erinnerung an die Entstehung ihrer Krippe. Etwa alle fünf Jahre kamen sie für ein paar Wochen Deutschland, denn die Mission lebt von Spenden.

1984 haben sie mit dem Bau der Krippe begonnen, im Laufe der Jahre wurde sie immer weiter ausgestaltet. Waren es zunächst nur Maria, Josef und das Jesuskind im Stall, so gesellten sich nach und nach die Hirten, Weisen und auch mehr und mehr Tiere hinzu. Auch im Gemeindehaus in Oyamada machte die Krippe Eindruck. Vor allem die Kinder stellten Fragen, wollten die Weihnachtsgeschichte hören. Oyamada ist eine Wohnsiedlung ganz in der Nähe von Kuwana, das wiederum südwestlich von Nagoya und nördlich von Yokkaichi an der Ise-Bucht liegt. »Als wir in Oyamada angekommen sind, zählte man dort 4000 Einwohner, als wir weggegangen sind, waren es 40 000 Einwohner«, erzählt Günther Wolke.

Doch wie kommt man dazu, sich auf den Weg in das so ferne Land zu machen? Das Ehepaar wirft eine Blick zurück. Barbara Wolke kommt eigentlich aus Schleswig-Holstein, ihr Mann Günther aus Kassel. In Gießen haben sich die Ergotherapeutin und der Lehrer für Grund-, Haupt- und Realschule gefunden, haben 1969 hier geheiratet. Sie lebten sie in einer christlichen Wohngemeinschaft und betreuten als Hauseltern von 1972 bis 1975 junge Menschen, die Probleme mit Alkohol und Drogen hatten. »Dabei waren wir selbst ja noch ganz schön jung«, sagen die beiden heute. Seinen Beruf als Lehrer hat Günther Wolke schließlich aufgegeben. »Mir war es immer wichtig, Menschen von Gott und Jesus zu erzählen. Deshalb habe ich den Beruf aufgegeben und wir haben beide 1975 noch mal eine theologische Ausbildung begonnen«, schildert der 73-Jährige. Bis 1978 dauerte die Ausbildung in Wiedenest, dann ging es für ein Jahr in die Nähe von Chicago (USA). »Dann hat uns unsere Missionsgesellschaft nach Japan geschickt«, so Barbara Wolke. Die Allianz-Mission der freien evangelischen Gemeinden hatte zwei Arbeitsgebiete, so waren Brasilien und Japan im Angebot.

Es wurde Japan. Die 74-Jährige lacht: »Ausgerechnet Japan. Wo ich nie hin wollte.« Sie wird ernst und meint, der Anfang, das erste Jahr sei nicht leicht gewesen. Stand doch zunächst Sprachunterricht auf dem Plan. An der Universität in Nagoya lernte das Ehepaar die Sprache - in Wort und Schrift. Eine Stunde Unterricht, acht Stunden Hausarbeiten - keine leichte Aufgabe. »Aber: Wir haben es geschafft.«

Günther Wolke wand sich auch in dieser Angelegenheit an seine höchste Instanz: »Herr, wenn Du uns in ein Land mit so einer verrückten Sprache schickst, hilf uns, diese Sprache zu lernen.« Es scheint geholfen zu haben. Günther Wolke war seelsorgerisch tätig und predigte - auf Japanisch. Seine Ehefrau hielt Bibelstunden, schrieb sogar ein Buch über die Weihnachtsgeschichte. Auch dies in der ihr anfangs so fremden Sprache. Am Ende haben sich die Wolkes in Japan so wohl gefühlt, dass sie überlegten, dort auch ihren Ruhestand zu verbringen. Fast ihr ganzes Leben, von 1980 bis 2012, haben sie dort verbracht. »Aber Japan ist ein sehr teures Land. Das hat unsere Rente nicht erlaubt.« So kamen sie zurück. Mit vielen Erinnerungen, Bildern und unzähligen Geschichten, die es zu erzählen gibt, Souvenirs, die das Zuhause schmücken.

Ende 1985 haben sie in Oyamada angefangen, eine eigene christliche Gemeinde aufzubauen. Da brauchte es zunächst Räumlichkeiten. Das Ehepaar kaufte ein Wohnhaus, dort fingen sie an. »Wir sind fast jeden Tag durch die ganze Stadt gelatscht, um Werbung zu machen, Kontakte zu knüpfen. Wir haben Kurse angeboten. Jungscharstunden, Bibelstunden, Englisch- und Deutschkurse, Kochkurse, Werkkurse.« Nach und nach entstand die Gemeinde. »So etwas dauert in Japan lange, länger als in Deutschland.» Trotzdem: Bis zu 70 Kinder kamen regelmäßig.« 1991 wurde eine Kapelle an das Haus aufgebaut, 2001 folgte ein großes Gemeindehaus. Das Christentum selbst sei in Japan hoch angesehen, doch Christ zu werden, sei ein schwieriger Schritt für die Japaner. In dem Land gibt es zwei vorherrschende Religionen. Der Shintoismus sei die ursprüngliche japanische Religion. Hier werde die Sonnengöttin als oberste Gottheit angebetet. »Der japanische Kaiser gilt als direkter Nachfahre der Sonnengöttin«, erzählt Günther Wolke. Viele Feste, viele Hochzeiten würden nach shintoistischem Ritus gefeiert. Die zweite Religion ist der Buddhismus, der von China nach Japan kam. »Die meisten Japaner fühlen sich beiden Religionen verbunden.« Alles, was mit Tod, Beerdigungszeremonien zu tun habe, werde buddhistisch gefeiert. Auch das große Totenfest im Sommer. Da würden die Geister der verstorbenen Vorfahren eingeladen, noch mal für drei Tage auf die Erde zurückzukommen. Doch gerade die Verehrung der verstorbenen Ahnen sei ein Grund, der es Japanern schwer mache, sich taufen zu lassen und zum Christentum zu bekennen. Ältere Menschen etwa hätten Sorge, dass ihre Geister, wenn sie verstorben sind, nicht mehr angebetet würden. In Japan herrsche Religionsfreiheit, nicht nur auf dem Papier. »Wir dürfen christliche Gemeinden gründen, Gemeindehäuser bauen. Das ist politisch gesehen kein Problem. Doch im persönlichen, familiären Bereich gibt es für viele Menschen dann große Schwierigkeiten.«

Doch zurück zum Weihnachtsfest und der Krippe. Weihnachten sie in Japan ein ganz normaler Arbeitstag, kein offizieller Feiertag. Den kommerziellen Teil, also geschmückte Läden, die Figur des Santa Claus und all das nehme man sehr wohl wahr. Wahrgenommen wurde in Oyomada auch das hell erleuchtete Gemeindehaus, der strahlende Stern und selbstverständlich die Krippe. »Wir haben den Menschen die Weihnachtsgeschichte anhand der Krippe erzählt«, blickt Barbara Wolke zurück.

Seit fast zehn Jahren sind sie nun wieder in Deutschland. »Ein Kulturschock rückwärts.«, Und ja, sie würden gerne noch mal nach Japan reisen. »Wir haben so wenig vom Land selbst gesehen, waren in all den Jahren nicht einmal in Tokio.« Doch der lange Flug ist beschwerlich. So bleiben neben all den Erinnerungen die Briefe und E-Mails, die sie immer noch mit ihren japanischen Freunden austauschen. Und es bleibt die Weihnachtskrippe.

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