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Kulturen Brücken gebaut

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Von: Rose-Rita Schäfer

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Gerhard Freiling (l.) und Monika Mootz (r.) vom Vorstand der Conny-Nix-Stiftung mit den Preisträgerinnen aus Lich. Foto: Schäfer © Schäfer

Der Preis der Lindener Conny-Nix-Stiftung geht an die Initiative »Asyl in Lich«, die Frauen besonders fördert.

Kreis Gießen (rrs). Der Slogan »Wir machen uns für Frauen und Mädchen stark« ist für die kleine, 2008 gegründete mittelhessische Cornelia-Patricia-Nix-Stiftung mit Sitz in Linden Programm. Rein auf ehrenamtlicher Basis versucht die Stiftung die Lebenssituation benachteiligter Frauen zu verbessern, unterstützt langfristige Frauenprojekte, ist aber auch schnell zur Stelle, wenn Handlungsbedarf besteht.

Mit der jährlichen Verleihung des mittlerweile mit 2000 Euro dotierten Conny-Nix-Preises werden vorbildliche, innovative Frauenprojekte ausgezeichnet und gefördert. In diesem Jahr konnte sich die ehrenamtliche Initiative »Asyl in Lich«, die sich insbesondere auch um geflüchtete Frauen kümmert, für die sich der Neuanfang oft aufgrund ihrer kulturellen Herkunft schwierig gestaltet, über den Conny-Nix-Preis freuen.

Die Preisverleihung fand im Rahmen einer kleinen Feier in Gießen statt.

»Die Initiative »Asyl in Lich« wurde 2015, als die Flüchtlingswelle über Deutschland schwappte und rund 200 Neuankömmlinge in Lich Quartier bezogen, gegründet. In den ersten Jahren halfen 60 bis 80 Ehrenamtler den Flüchtlingen mit Rat und Tat bei Behördengängen, Wohnungssuche, Deutsch lernen aber auch sich in unsere Gesellschaft einzufinden.

Über die Jahre ist daraus ein stabiler Kern von rund 30 Ehrenamtlichen entstanden, die Unterstützung, Beratung und Begleitungen anbieten. Es gibt wöchentlich feste Angebote in den Räumen der beiden Kirchgemeinden wie das Sprachcafé, offene Treffs und spezielle Frauenprojekte«, zeigte sich Monika Mootz, Vorstandsmitglied der Cornelia-Patricia-Nix-Stiftung, beeindruckt und ergänzte: «›Asyl in Lich‹ hat zwischen den unterschiedlichen Kulturen Brücken gebaut und dabei den einzelnen Menschen, aber vor allem die Frauen in den Mittelpunkt gestellt«.

»Die Männer haben sich mit dem Leben hier schnell angefreundet, sind nach Gießen zu Deutschkursen gefahren, aber die Frauen saßen einsam und ohne Sprachkenntnisse zu Hause. Wir beschlossen daher, die Frauen aus den Häusern zu holen. Seit Januar 2019 gibt es nun eine Frauengruppe«, erzählte Daniela Gillert von »Asyl in Lich«.

Dort gehe es hauptsächlich um Kommunikation und Vernetzung. Mit Spielen, Basteln, Tanzabenden, Kino oder auch Ausflügen wie in den Vogelpark nach Herborn, in die Stadtbibliothek Gießen oder jetzt bald ins Mathematikum, lernen sich die Frauen besser kennen und treffen sich auch mal privat.

Ein voller Erfolg waren die beiden angebotenen Fahrradkurse. Mit dem Preisgeld soll bald ein dritter folgen. Aktuell hinzugekommen sei ein Mutter-Kind-Treff mit Kinderbetreuung. »Sonst versuchen wir immer, die Väter für die Kinderbetreuung zu gewinnen, um den Frauen eine kurze Auszeit zu ermöglichen. Das klappt mal gut, mal schlecht«, merkte Gillert an. In Lich gibt es auch weiterhin eine Gemeinschaftsunterkunft, in der vor allem Kranke, Behinderte oder Familien mit beeinträchtigten Kindern leben.

Für diese Menschen hatte die Kreisvolkshochschule Fördergelder aufgetan und bot dreimal die Woche einen Deutschkurs an. Nun laufen die Gelder aus, und »Asyl in Lich« habe angedacht, das Angebot mit dem Preisgeld weiter aufrecht zu erhalten, aber noch sei nichts spruchreif.

Während der Corona-Pause wurden aus dem heimischen Raum die folgenden Projekte unterstützt: der Deutschkurs für Frauen im »Sofa - Sozialer Ort für alle« in Grünberg mit 500 Euro, die Aktion »Perspektive - Abendaufsicht« im Frauenwohnheim Gießen mit 1000 Euro, das Frauencafé des Vereins »An.ge.kommen« mit 1000 Euro und ein kreativer Empowerment-Workshop, ein kunsttherapeutisches Angebot für Frauen in Hungen, mit 580 Euro.

Zum Abschluss erfreute das dreiköpfige multikulturelle Orchester Annerod mit Georgi (Geige), Marco (Akkordeon) und Nurcihan (Gitarre) mit einer griechischen Weise, bevor Sängerin Mehtap Arstan mit drei türkischen Liedern um Heimat, Hoffnung, Sehnsucht und Liebe verzauberte. Nach dem bekannten jiddischen Lied »Hava Nagila« wurde viel applaudiert.

Die Cornelia-Patricia-Nix-Stiftung, kurz Conny-Nix-Stiftung, mit Sitz in Linden wurde zu Ehren der verstorbenen gleichnamigen Diplom-Sozialarbeiterin aus dem Lahn-Dill-Kreis gegründet. Sie arbeitete zuletzt in der Abteilung Frauenförderung der Zaug gGmbH in Gießen, bevor sie nach einem Verkehrsunfall 2004 verstarb. Ihr zu Ehren wurde die Stiftung zur Fortsetzung der Frauenförderung gegründet.

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