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Lage bei Jugend- und Mini-Feuerwehren ist stabil

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Besonders die Mini-Feuwehren freuten sich über einen Zuwachs. In Reiskirchen konnte so die die Gruppe der Sechs- bis Zehnjährigen reaktiviert werden. Symbolbild: dpa © Red

Anders als befürchtet hat die Corona-Pandemie nicht dafür gesorgt, dass die Mitgliederzahlen bei den zwangsweise inaktiven Jugend- und Mini-Feuerwehren gelitten haben.

Kreis Gießen (lth). Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig Zusammenhalt und Sozialkontakte besonders für Kinder und Jugendliche sind. Ein geeigneter Ort dafür sind Mini- und Jugendfeuerwehren, denn dort werden genau diese Aspekte vermittelt. Doch auch diese haben stark unter der Pandemie gelitten. Übungen und Wettkämpfe konnten nicht stattfinden und Aktionen, wie beispielsweise das traditionelle Einsammeln der Weihnachtsbäume zu Jahresbeginn, wurden vielerorts im Landkreis Gießen abgesagt. Dennoch wurde versucht, den Brandschutz-Nachwuchs bei Laune zu halten, damit der Kontakt zur Feuerwehr nicht abreißt. In Reiskirchen und Wettenberg wurden sogar neue Mitglieder begrüßt.

Von einem »Boom« im gesamten Landkreis möchte Verbands- und Kreisjugendfeuerwehrwart Kai Hilberg allerdings nicht sprechen. »Einen großen Zuspruch für die Jugendfeuerwehr im Landkreis Gießen kann ich aktuell nicht erkennen«, erklärte er im Gespräch mit dem Anzeiger. Dies wolle er jedoch nicht auf die Corona-Situation schieben, sondern auf die allgemeine Einstellung der Kinder, Jugendlichen und auch Erwachsenen zu den Themen Hobbys, Jugendarbeit und Ehrenamt.

Dies bestätigt auch sein Kollege Patrick Jünger, der Feuerwehrjugendwart der Gemeinde Reiskirchen. In deren Jugendfeuerwehr seien keine »größeren Bewegungen« zu erkennen gewesen. Bedingt durch das zeitweise sehr ausgeprägte »Homeschooling« hätten allerdings viele Jüngere den Kontakt zur Feuerwehr gesucht, um nicht den ganzen Tag vor dem Bildschirm zu sitzen. So konnte in Reiskirchen im vergangenen Jahr die Mini-Feuerwehr für Mädchen und Jungen im Alter von sechs bis zehn Jahren reaktiviert werden. Diese hatte aufgrund von zu wenigen Mitgliedern eine Zeitlang den Übungsbetrieb komplett einstellen müssen. »Durch einen Schnuppertag, der eigentlich für die Altersgruppe der Jugendfeuerwehr gedacht war, haben mehrere Kinder im Mini-Feuerwehralter Interesse bekundet«, freute sich Jünger.

Und auch in Wettenberg scheint das Interesse vor allem bei den ganz Kleinen groß zu sein. Auch die dortige Leiterin der Mini-Feuerwehr, Julia Trampisch, freute sich entgegen der Erwartungen wegen der Corona-Lage über Zuwachs. »Es finden zwar derzeit keine Übungen statt, aber wir haben bei den Minis viele Anfragen bekommen«, schilderte Trampisch.

Auch bei den Jugendlichen ab zehn Jahre ist ein kleines Plus zu verzeichnen, wie der Leiter der Wettenberger Jugendfeuerwehr, Kevin Küthe, berichtete. Ursachen seien »Mitgliederwerbung sowie Empfehlungen der Jugendlichen bei ihren Freunden«. Allgemein habe der Fokus der Betreuer während der Pandemie verstärkt darauf gelegen, ihre jungen Mitglieder zu halten, als neue hinzuzugewinnen.

Online-Übungen via App

Durch die Einführung einer eigenen Jugendfeuerwehr-App wurde die Digitalisierung im Bereich des Feuerwehrnachwuchses ausgebaut. »So riss auch in Zeiten des Lockdowns die Verbindung zu den Kids nicht ab«, blickte Hilberg zurück. Da Wettbewerbe und Übungsabende stark eingeschränkt waren und lange komplett eingestellt werden mussten, wurde der Wissensstand der Kinder und Jugendlichen dank der Einführung der App dennoch erweitert. Egal, ob bei einem Quiz oder der Fahrzeugkunde: Der Nachwuchs hatte auch ohne Übungsabend jederzeit die Möglichkeit, etwas zu erlernen. So konnten alle bei Laune gehalten und eine Fluktuation vermieden werden. »Nur durch die exzellente Arbeit aller Jugendwarte und Betreuer konnten die Kids gehalten werden. Zusätzliche Werbung in den sozialen Medien und den Zeitungen, aber auch das ›Dorfgeschwätz’ sicherte den Jugendfeuerwehren ihre Mitglieder«, fasste der Kreis- und Verbandsjugendfeuerwehrwart zusammen.

Lockerungen sorgen für Freude

Dennoch ist klar, dass Online-Übungen die richtigen Zusammenkünfte, gemeinsame Übungsstunden und Wettkämpfe nicht ersetzen können. Für viele Kinder war es schon eine komische Situation, dass man sich nicht mehr treffen konnte und die wöchentlichen Übungsstunden entfielen, bestätigte Küthe. Auch sein Reiskirchener Kollege Jünger berichtete: »Die Kids waren sehr traurig. Viele Betreuer haben von ihnen Nachrichten bekommen, dass sie die Übungsstunden vermissen«.

Aufgrund der für März in Aussicht gestellten Lockerungen blicken nun wohl alle Feuerwehren samt Nachwuchs den nächsten Wochen freudig entgegen, denn dann kann endlich wieder die Feuerwehrkleidung angezogen, der Helm aufgesetzt, der Schlauch ausgerollt und das Kommando »Wasser marsch« gegeben werden. Denn die Kinder »brennen« darauf, endlich wieder üben zu dürfen, betonten die Betreuer übereinstimmend.

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Für die Jugendfeuerwehr Wettenberg war das Einsammeln der Weihnachtsbäume eine der wenigen durchgeführten Aktionen im vergangenen Jahr. © Feuerwehr Wettenberg

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