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Lage besser als 2021

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Die Corona-Regeln haben für weniger Zulauf in den Fitnessstudios gesorgt. Symbolfoto: dpa © DPA Deutsche Presseagentur

Wie wirkt sich die 2G-Plus-Regelung auf Fitnessstudios aus? Eine Befragung mehrerer Studios im Landkreis Gießen zeigt, dass dennoch neue Mitglieder geworben werden.

Kreis Gießen. Mit dem Rauchen aufhören, weniger trinken und vor allem mehr Sport treiben. Mit diesen guten Vorsätzen sind viele Menschen ins neue Jahr gestartet. Wer in diesem Januar seinen inneren Schweinehund nicht überwinden kann, dem liefert die Landesregierung eine Steilvorlage: Seit Sonntag vergangener Woche gilt nicht nur in der Gastronomie, sondern auch in Fitnessstudios die 2G-Plus-Regelung. Ausgerechnet im wichtigsten Monat für die Akquise neuer Mitglieder.

Laut Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheitsanlagen (DSSV) haben sich die Check-Ins vergangenes Jahr im Vergleich zu 2020 Schnitt um 44 Prozent reduziert. Angesichts der 2G-Plus-Regelung, wonach Geimpfte ohne Booster und Genesene einen Test vorlegen müssen, wenn sie ins Fitnessstudio wollen, fürchtet man in der Branche weitere Kündigungen. Zu Recht? Der Anzeiger hat sich in Stadt und Landkreis Gießen umgehört.

»Normalerweise haben wir Anfang des Jahres etwa 70 neue Anmeldungen«, berichtet Ayhan Aktas, Geschäftsführer von »Muskelkater« in Gießen. Aktuell lägen gerade mal elf Neuanträge vor. »Obwohl Maskenpflicht besteht, wir Geräte abgesperrt und überall Desinfektionsmittel aufgestellt haben, fürchten sich die Menschen.« Vor allem ältere Leute würden fernbleiben. Die Auswirkungen der 2G-Plus-Regelung hat Aktas noch nicht gespürt. »Die meisten unserer Kunden sind geboostert oder können einen Test vorlegen.«

Im vergangenen Jahr hatte das Studio Umsatzeinbußen von bis zu 50 Prozent zu verbuchen. Dem möchte man mit einem 800 Quadratmeter umfassenden Outdoor-Bereich entgegensteuern. Im Juni 2021 wurde mit dem Bau begonnen, der spätestens im März abgeschlossen sein soll. Neben Gym80-Geräten und Crossfit-Trainern umfasst die Anlage eine großzügige Lauffläche. Auch Kurse - von Spinning bis hin zu Body Pump und Step - sollen ab Frühjahr im Freien stattfinden.

»Aktuell muss sich für Kurse im Innenbereich mindestens eine Stunde zuvor angemeldet werden, für Gerätetraining ist dies nicht nötig«, betont Aktas. Die Grenze von 80 Personen, verteilt auf 2600 Quadratmeter, sei selbst während der Stoßzeit von 17 bis 20 Uhr noch nicht erreicht worden.

»Weniger Leute weggeblieben, als erwartet«

Dass die Menschen sich die Freude am Sport nicht nehmen lassen - diese Erfahrung hat Felix Opper, Geschäftsführer des Gesundheits- und Fitnesszentrums Aktivita in Heuchelheim gemacht. »Es sind weniger Leute weggeblieben, als wir erwartet haben.« Auch Neuanfragen lägen in akzeptablem Maße vor. Gerade die älteren Kunden sind nach Auskunft des Geschäftsführers überwiegend geboostert.

Etwas weniger nachgefragt seien aktuell die Angebote für Kinder, wie die Schwimmschule oder der kreative Kindertanz. »Vielleicht sind einige der Eltern nicht geboostert und können so ihre Kinder nicht bringen. Wir stehen jedenfalls solide da und schauen positiv in die Zukunft«, fasst Opper zusammen.

Über neue Anmeldungen freut sich auch Sascha von Hobe, Studioleiter von »Day Night Sports« in Gießen. »Ich habe den Eindruck, dass im Januar wieder mehr los ist als in den Vormonaten.« Im Vergleich zu Jahresanfängen vor der Pandemie kämen allerdings weniger Kunden. »Alle wissen über die aktuellen Bestimmungen Bescheid und tragen auch eine Maske.«

Bereits seit Oktober benötigen Trainingswillige im »Day Night Sports« keine Anmeldung mehr. Die Kunden seien froh, wieder spontan vorbeischauen zu können. »Wir haben eine Gesamtfläche von 3000 Quadratmetern, so dass die Besucherhöchstgrenze kaum erreicht wird«, führt der Studioleiter aus. Sascha von Hobe geht von Corona-bedingten Umsatzeinbußen von etwa 25 Prozent aus. Schwer gewogen habe vor allem, dass während der Lockdowns keine neuen Mitglieder gewonnen werden konnten. Allerdings sei auch die Anzahl der Kündigungen geringer als erwartet ausgefallen. »Einige Kunden haben uns unterstützt, indem sie auf Kompensationen verzichtet haben.«

»Gemeinsames Trainieren durch nichts zu ersetzen«

Auch wenn sich viele Leute mittlerweile Trainingsgeräte für zuhause gekauft hätten, sei das gemeinsame Trainieren im Studio und die dazu gehörende Beratung durch nichts zu ersetzen. Allerdings habe Corona die Fitness-Branche schon sehr mitgenommen und einige Studios, auch in der heimischen Region, zu Schließungen gezwungen.

Sehr zufrieden ist Martin Schmidt, Inhaber des Fitness- und Gesundheitszentrums »Body & Soul« in Lich mit dem Check-In im Januar. »Wir haben kaum Einbußen zu verzeichnen und stehen viel besser da als im Januar vor einem Jahr«, unterstreicht er. 25 Neuanmeldungen hat er bisher verbucht. »Wir haben uns auf ein älteres Publikum spezialisiert, das in der Regel schon geboostert ist.«

»Da wir nie überfüllt sind, können die Kunden auch spontan zu uns kommen«, erklärt Schmidt, der bemerkt hat, dass die Leute endlich wieder mal trainieren wollen, statt zuhause zu bleiben. Während man im vergangenen Jahr Umsatzeinbußen von 25 Prozent hatte, blieben Kündigungen aktuell aus. »Wir haben während der Pandemie kein Geld abgebucht und legen Mitgliedschaften im Bedarfsfall einfach still.« Für gute Resonanz würden auch die neuen Angebote Reha-Sport und Yoga sorgen.

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