Landkreis Gießen: Ab Mai 375 Erstimpfungen pro Tag

  • schließen

KREIS GIESSEN - (dge). Die Diskussion um Impfstoff Astra Zeneca wirkt sich auch auf die Impfungen im Landkreis Gießen aus. In der vierten Sitzung des Impfbeirats unter Leitung von Landrätin Anita Schneider (SPD) gab Mario Binsch, der Leiter des Impfzentrums, einen Überblick über den aktuellen Stand respektive die Entwicklungen seit der letzten Sitzung des Beirats Ende März.

Laut Schneider habe man "größte Schwierigkeiten", das Vakzin Astra Zeneca zu verimpfen. Viele, die für eine solche Impfung vorgesehen waren, hätten ihr Termine abgesagt.

Zunächst zu den Zahlen: 74 811 Menschen (Stand 8. April) sind bisher im Landkreis Gießen bereits gegen das Corona-Virus geimpft worden. 54 560 davon haben ihre Spritze im Impfzentrum in Heuchelheim erhalten, 11 761 sind von mobilen Impfteams versorgt worden und die Summe der Impfungen in Krankenhäusern steht bei 8490 Personen.

2636 Personen aus dem Landkreis hatten sich gemeldet, die gerne zuhause geimpft werden wollten. Davon sind laut Binsch alle telefonisch kontaktiert worden, dabei habe sich herausgestellt, dass 629 davon schon geimpft waren - entweder im Impfzentrum oder beim Hausarzt. Somit verbleiben 2007, die durch die mobilen Impfteams versorgt werden müssten. Davon wiederum seien 1061 bereits aufgesucht worden, 415 hätten bereits einen Termin bis zum 18. April vereinbart und 531 seien kontaktiert worden, hätten aber noch keinen Termin. "Wenn wir Impfstoff übrig haben, werden wir versuchen, auch diesen Bereich schneller zu versorgen" stellte Binsch in Aussicht.

Einrichtungen

Bei den Bewohnern und Mitarbeitern von sogenannten besonderen Wohneinrichtungen hätten 44 Einrichtungen bislang Bedarf angemeldet, 17 seien bereits aufgesucht worden. 495 Bewohner und 131 Mitarbeiter hätten hier ihre Impfung bereits erhalten, das entspreche einer Quote von 39 Prozent. Hier habe man früher Personen unter 60 Jahren mit Astra Zeneca geimpft, Personen über 60 Jahre mit BionTech. Das werde jetzt getauscht.

Binsch erklärte dazu, dass eine Impfung mit Astra Zeneca für unter 60-Jährige am 30. März durch das Land Hessen ausgesetzt worden sei. Alle bereits gebuchten Termine zur Erstimpfung bis zum 8. April habe man aber dank Sonderlieferungen des Landes mit dem Impfstoff BionTech ausgleichen können. Somit habe man auch die bis dahin schon gebuchten Termine nicht absagen oder verschieben müssen.

Zu dem Pilotprojekt des Landkreises, die Einbindung der Hausärzte, zog Mario Binsch ein positives Resümee, das habe "gut geklappt". Was die Impfung über die Hausärzte anbelangt, sei der Landkreis nun außen vor, die Mediziner regelten dies fortan selbst und bezögen den Impfstoff über ihre Apotheken. Das entspricht einer weiteren neuen Verordnung des Landes Hessen, die zum 1. April gegriffen hat. Beim Landkreisprojekt waren 28 Praxen eingebunden, die ihre Impfdaten dann an den Landkreis gemeldet hätten. Auch diese Rückmeldungen seien gut gelaufen.

Ein weitere neue Verordnung des Landes sieht vor, dass ab 1. April auch Lehrer an Grund- und Sonderschulen in die Prioritätengruppe zwei aufgenommen werden. Dazu habe man Sonderimpftermine angeboten und über 1500 Lehrer im Landkreis geimpft. In Hessen sollen die sonstigen Lehrkräfte - etwa an weiterführenden Schulen -, die eigentlich in der Prioritätengruppe drei waren, vorgezogen werden und noch in den Osterferien ein Impfangebot erhalten. Dazu ist eine Anmeldung über das Vergabeportal des Landes erforderlich. Komme man zur Prioritätengruppe drei seien auch für Einsatzkräfte von Feuerwehren und des Katastrophenschutzes Sonderimpftermine angedacht.

Über die vierte Aktualisierung der Ständigen Impfkommission (Stiko) vom 1. April sei nun auch der Impfstoff des Herstellers Johnson und Johnson aufgenommen werden. Ansonsten gelte nach wie vor die Empfehlung der Kommission, Astra Zeneca nur an über 60-Jährige auszugeben, es sei denn, jemand, der unter 60 ist, bestehe ausdrücklich auf einer Impfung mit diesem Vakzin. Da Astra Zeneca anfangs für die über 65-Jährigen nicht verwendet werden sollte, seien zum Beispiel die - entsprechend jüngeren - Mitarbeiter in Krankenhäusern oder in ambulanten Pflegediensten damit geimpft worden, blickte Binsch zurück. Nun habe man von den ersten Krankenhäusern die Rückmeldung, dass diese auch weiterhin Astra Zeneca für ihre Mitarbeiter anbieten wollten. Dies regelten die Krankenhäuser intern. Binsch betonte, dass es bislang in Sachen Astra Zeneca nur die Empfehlung der Stiko gebe, ein bindender Beschluss der Gesundheitsminister stehe noch aus. Mit dieser Empfehlung einher gehen seit 2. April logischerweise neue Aufnahmebögen, etwas was die Anamnese betrifft, einher.

Wöchentlich

Mario Binsch gab zudem einen Ausblick: Für den Monat Mai soll der Landkreis wöchentlich vom Impfstoff BionTech 1722 Dosen (287 Vials) erhalten, von Astra Zeneca 900 Dosen (90 Vials). "Das bedeutet, dass wir im Monat Mai im Impfzentrum 375 neue Erstimpfungen am Tag anbieten können", erklärte Binsch. Dazu kämen dann die Zweitimpfungen, die hier auch terminlich reinfielen. "Wir hoffen, dass diese Zahl steigt, wenn dann mehr Impfstoff kommt." Die Impfdosen, die aus verschiedenen Gründen verfallen sind, bezifferte der Leiter des Impfzentrums mit insgesamt 80 seit Beginn der Impfungen, das entspreche 1,1 Promille. Hinzugekommen seien 18 Dosen nach der Verkündung der Aussetzung von Astra Zeneca für die unter 60-Jährigen und weitere 79 dieses Vakzins nach dem sofortigen Impfstopp am 15. März. Über die sogenannte Resteliste sind bislang insgesamt 318 Personen geimpft worden. 170 Personen stünden derzeit noch auf der Liste.

"No-Shows"

Ein weiteres Thema im Impfbeirat waren die sogenannten "No-Shows". Dahinter stecken Termine, die gebucht sind, bei denen die Impflinge aber nicht erscheinen. Zur Zeit sieht es so aus, dass 30 Prozent der Astra Zeneca-Termine nicht wahrgenommen werden. Dann gibt es noch Mehrfachanmeldungen, eine weitere Variante sind Personen, die bereits beim Hausarzt oder von einem mobilen Termin geimpft wurden, dies aber nicht nicht mitgeteilt haben. Das Land Hessen wolle, dass von diesen "No-Shows" so viele wie möglich ausgeglichen werden und versucht, die Daten zu bereinigen. Im Impfzentrum in Heuchelheim hat sich die Anzahl der Nicherschienenen seit 1. April auf 519 Personen summiert. Das sei, so Binsch, ärgerlich, weil andere derweil sehr lange auf ihren Impftermin warteten.

Für den Landkreis Gießen ist geplant, eine Plattform aufzusetzen, die mit der des Landes abgestimmt ist. Stelle man fest, dass Termine nicht wahrgenommen worden seien, könnten diese hier eingestellt werden. Das ginge aber nur für Termine, die über das Landesportal abgesagt wurden. "Wenn wir an einem Tag feststellen, dass 100 Leute nicht gekommen sind, stellen wir am Abend 100 Impftermine in unsere Plattform hier im Landkreis Gießen. Dann können sich die Menschen melden und kurzfristig einen Termin buchen." Um aber die Impfreihenfolge nicht zu umgehen, können sich hier nur Leute anmelden, die sich schon einmal über das Impfportal des Landes Hessen angemeldet und einen Buchungscode bekommen haben. Mit diesem Buchungscode können die Daten mit denen des Landes Hessen abgeglichen werden. Das gilt nur für die Priorititätengruppen eins und zwei, dieser Nachweis muss vorgelegt werden. Diese sogenannte "Impfbrücke" soll auf der Homepage des Landkreises (http://corona.lkgi.de) installiert und ab 11. April freigeschaltet werden. Wie gesagt, Voraussetzung ist, dass man sich beim Landesportal zuvor angemeldet hat.

Automatisiert

Patrick Repp (stellvertretender Fachdienstleiter IT beim Landkreis Gießen), erläuterte, dass die automatisierte Vergabe von kurzfristigen Impfterminen so laufe, dass das Impfzentrum Termine mit einem Vorlauf von drei bis vier Tagen einstelle, die Anzahl variiere je nach regulärem Impfbetrieb. Über das Portal könnten ausschließlich Termine zur Impfung mit Astra Zeneca vergeben werden. Nachdem man alle Daten eingegeben hat, erhält man eine E-Mail mit der Bestätigung der Terminbuchung. Diese Bestätigung ist dann im Impfzentrum vorzulegen.

Das könnte Sie auch interessieren