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Langgönserin beim Triathlon in Roth dabei

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Gerrit Johanna Lauber aus Langgöns überquert die Ziellinie beim Triathlon Roth. Foto: Wißner © Wißner

Nach langer Vorbereitungszeit schaffte Gerrit Johanna Lauber den Triathlon in Roth und belegte in ihrer Altersklasse den 25. Platz.

Langgöns/Linden . (twi). »Man muss mit allem rechnen, sogar mit dem Guten«, lautet die Devise von Gerrit Johanna Lauber aus Langgöns, die es in diesem Jahr schaffte, beim Triathlon in Roth an den Start zu gehen - und auch das Ziel erreichte.

Unfall erlitten

Im Winter 2018/19 formte sich der Plan, 2020 in Roth an den Start zu gehen, doch dann kam Corona und der Wettkampf wurde abgesagt und auf 2021 verschoben. Im vergangenen Jahr waren alle Anstrengungen vergebens, 15 Tage vor dem geplanten Start im September stürzte sie beim Fahrradtraining, es folgte eine Operation und an eine Teilnahme war nicht zu denken.

Doch diesmal klappte es und Lauber absolvierte die 3,8 Kilometer Schwimmen im Main-Donau-Kanal wie die anschließenden 180 Kilometer auf dem Rennrad durch Mittelfranken sowie den abschließenden Marathonlauf über 42,195 Kilometer in insgesamt 13:32,14 Stunden und belegte damit unter den 322 Damen den 237. Platz im Gesamtklassement, den 25. Platz in ihrer Altersklasse (50). Die Sieger der diesjährigen Challenge Roth, Magnus Ditlev (Dänemark) und Anne Haug (Deutschland), waren nach 7:35:48 und 8:22:42 Stunden im Ziel.

Nach dreieinhalb Jahren Ziel erreicht

Doch für Lauber ging es nicht um die Zeit, sie wollte an den Start gehen und das Ziel erreichen. Hobbysportler dürfen nicht länger als 15 Stunden benötigen, sonst werden sie disqualifiziert. Lauber hat nun nach dreieinhalb Jahren ihr großes Ziel erreicht. »Tränen des Glücks fließen, ich bin im Ziel nach dreieinhalb Jahren Vorbereitung. Unfassbar«, waren jene Wort, die die an der Anne-Frank-Schule (AFS) unterrichtende Lehrerin festhielt, um ganz besonders ihren Unterstützern zu bedanken. Es war auch das Ergebnis einer Teamarbeit. Ehemann und Töchter, Rad-Experte Ari Schindler, Osteopathin Constanze Rohm, die Trainer des DLRG Tri-Team Wetzlar, Natascha Beyer und Marcus Merkens Alex Proehl und Kardiologe Thomas Rietdeijk - allesamt Wegbegleiter, besonders ihre Schüler haben ihr die Daumen gedrückt und ihre »Ironwomen« dann applaudierend empfangen.

Das lange Training liefere laut Lauber viele Parallelen zu allen Lebensbereichen. Neben der Anstrengung und dem Willen, etwas erfolgreich schaffen zu wollen, sind es auch Rückschläge und Selbstzweifel, die eben nicht nur zu einem Sportlerleben gehören. An der AFS hat Lauber den »Medal Monday« eingeführt, an dem sie stets ihre errungenen Medaillen zeigt.

»Da ich das immer mache, ist es für die Schüler und Kollegen schwer, zu unterscheiden, um welche Distanzen es sich handelt. Wichtig am Erzählen bei den Schülern ist mir immer, dass ich vorher riesigen Respekt vor einem Wettkampf, einer Aufgabe habe, manchmal auch Angst zu versagen, dass irgendwas schiefgehen könnte. Was meine Schüler absolut nicht nachvollziehen können, ist, dass ich mich einer Situation aussetze, die mir auch Angst macht. Warum machen Sie es dann…? werde ich dann gefragt. Diese Frage zu beantworten, werde ich nicht müde: Es geht darum, Ängste zu überwinden, an Grenzen zu gehen und jede Menge Spaß zu haben. Etwas zu schaffen ist sinnstiftend, stärkt einen Menschen«, sind Sätze, die Schüler hier von ihrer Pädagogin mit auf den Weg gegeben bekommen, die sich zwar in keinem Lehrplan finden, aber für den weiteren Lebensweg wesentlich wichtiger sind.

Die nach der Operation im vergangenen Jahr erneut gestarteten Trainingsvorbereitungen brachten nach Fastnacht Corona mit sich, allerdings hatte dieses keine Nachwirkungen, sodass einem Halbdistanz-Triathlon in Ingolstadt bei Kälte nichts im Wege stand. Und dann gab es noch eine kleine Siegerehrung, hatte sich doch die AFS am Stadtradeln in Linden beteiligt und Lauber in diesen drei Wochen 586 Kilometer mit dem Rad zurückgelegt - und damit die Lehrerwertung gewonnen.

Die Vorbereitung war auch von ein Stück weit Angst geprägt, noch einmal Corona zu bekommen oder sich zu verletzen. So gehörte auch die Maske stets dazu - und schwups, schon war es Sonntag. Um vier Uhr klingelte der Wecker. Um 6.30 Uhr erfolgte der Start für die 3000 Teilnehmer - und letztendlich ging ja alles gut und auf der Strecke gab es dann den direkten Kontakt zu den Stars der Szene.

»Als erster Profi rauscht Olympiasieger und dreifacher Hawaii-Weltmeister Jan Frodenoo an mir vorbei, dann kommt der zweifache Hawaii-Weltmeister Patrick Lange und schließlich die spätere Siegerin und Ironman-Weltmeisterin 2019 Anne Haug - Gänsehaut. Sie sehen so top aus und zum ersten Mal wird mir klar, dass man als Profi ab Position drei genauso unterwegs ist wie Agegrouper. Was für ein Geschenk, was für ein Fest, 180 Kilometer fast ohne Autos fahren zu können und versorgt zu werden. Die letzten 50 Kilometer auf dem Rad brannten mir die Füße wie Hölle, aber ich redete den Füßen gut zu, dass sie sich beim Laufen wieder bewegen können und alles gut wird. So war es dann auch und zum Ende hin wurde ich sogar wehmütig, soll dieser Sport-Party-Tag schon zu Ende sein? Da ist es, das Stadion, das Ziel, die Stimmung, genießen, nur nicht zu schnell und hinter der Ziellinie fließen ein paar Tränen des Glücks und der Dankbarkeit. Ich bin hier, wo ich dreieinhalb Jahre hinwollte. Heute werde ich belohnt.«

Nach dem Event ist vor dem Event

Es folgte dann die Rückkehr in den Berufsalltag und der Rückblick, was sich durch die Ausdauerleistung verändert hat. Lauber nennt hier neben einer gestiegenen Zufriedenheit auch mehr Geduld. »Kummer und Anspannungen verfliegen nach einer Stunde Laufen, Radfahren oder Schwimmen.« Statt Beine hochlegen, wie vielfach vermutet nach so einem strapazenreichen Wettkampf, hat sie drei Wochen vor allem geschwommen, geradelt, Yoga gemacht und wieder mit Krafttraining begonnen - und sich für zwei olympische Triathlons (1500 Meter Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und zehn Kilometer Laufen) in Rodgau und Hannover angemeldet.

»Mit dem Laufen habe ich sparsam angefangen. Aufpassen muss ich, dass ich mehr so viel futtere wie in den Trainingshochzeiten.« Aber auch der Frankfurt Marathon steht noch auf dem Plan und am Nationalfeiertag der Halbmarathon in Treis.

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