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Lara Gruber sammelt Spenden für Kongo

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Lara Gruber ist bekannt durch ihre Hilfseinsätze für Flüchtlinge auf Lesbos. Jetzt engagiert sie sich für Kinder im Kongo. Foto: Mattern © Mattern

Die Wettenbergerin fliegt am Sonntag in die Hauptstadt Kinshasa, um für zwei Schulen Unterrichtsmaterial zu kaufen.

Wettenberg (mav). «Die aktuellen Weltgeschehnisse lassen mich zweifeln, ob der Zeitpunkt meiner Reise in den Kongo der Richtige ist«, erzählt Lara Gruber. Doch sie ist fest entschlossen: »Ich werde am 26. Juni fliegen.« Zusammen mit ihrer Schwester Lucie hat die Wettenbergerin in den beiden vergangenen Jahren Flüchtlingen auf der griechischen Insel Lesbos geholfen. Dafür haben die beiden viel Anerkennung und Wertschätzung erfahren und bewiesen, dass ihnen Menschen in Not und vor allem die Vergessenen aus den Krisengebieten der Welt am Herzen liegen. Nun engagiert sich Lara Gruber im Kongo.

Die 22-Jährige hat Kontakt zu zwei Elementarschulen in der Hauptstadt Kinshasa. »Ich habe durch meine Reisen nach Lesbos gelernt, nicht mehr wegzusehen.« Lara steht kurz vor dem ersten Staatsexamen und möchte ihren späteren Beruf als Lehrerin mit einer Reise in den Kongo verknüpfen. Sie hat sich für den Lehrerberuf entschieden, um an Orten wie diesen zu arbeiten und sich hierfür zunächst einen Einblick von der schulischen Situation zu verschaffen.

Die Verantwortlichen der Elementarschulen in Kinshasa haben ihr vom Mangel an Unterrichtsmaterial berichtet. Es gibt kein Papier zum Schreiben, denn das ist teuer und die geringen Einkommen reichen gerade mal so für das Nötigste. Lara möchte die Menschen nun um eine kleine Spende bitten, um während ihres 14-tägigen Aufenthalts vor Ort Material kaufen zu können. Mit nur zehn Dollar kann ein Monatsgehalt eines Familienmitglieds gedeckt werden und für die Wettenbergerin wäre es eine unbeschreiblich schöne Sache, den Kindern etwas Gutes zu tun und gleichzeitig die Wirtschaft zu unterstützen. Wer Lara dabei helfen möchte, kann sie unter 0179/4661189 (täglich ab 18 Uhr) oder per E-Mail an laramariegruber@icloud.com erreichen. 100 Prozent der Spendengelder werden für das Unterrichtsmaterial eingesetzt.

Warum der Kongo? Lara hadert mit sich, weil sie befürchtet, dass viele Menschen angesichts des Kriegs in der Ukraine und vor dem Hintergrund vieler Konflikte und Tragödien weltweit für ihre Aktion kein Verständnis haben werden. »Ich verfolge die Nachrichten über den Krieg jeden Tag und bin schockiert und frustriert«, betont sie. Im kleinen Rahmen versucht sie, auch diesen Menschen zu helfen. »Das ändert aber nichts daran, dass ich mich weiter für jene einsetzen werde, deren Leid ungesehen und ungehört bleibt.«

Die 22-Jährige hat sich mit dem Land und seinen Menschen intensiv auseinandergesetzt. Die Demokratische Republik Kongo ist das rohstoffreichste Land auf der Welt. Doch weniger als zehn Prozent der Menschen hätten Zugang zu Strom, es gebe die niedrigste Zugangsrate zu Trinkwasser, 60 Millionen Menschen lebten in schwerster Armut und Kinder arbeiteten in Minen statt zur Schule zu gehen, schildert sie. Die Welt bereichere sich am Kongo und beute das Land aus. Auch Rohstoffe für E-Autos stammten von dort. Jedes zweite Kind gehe nicht zur Schule. Zahlreiche große Technologieunternehmen seien wegen schwerer Verletzung von Kinderrechten im Kongo angeklagt worden. Geändert habe sich nichts. »Niemand soll glauben, er könne mit einem E-Auto sein Gewissen beruhigen«, klagt Lara an. »Ich mache niemand Vorwürfe, möchte aber Aufmerksamkeit erreichen.«

Auf Lesbos hat sie die Kongolesin Cathy und ihren Sohn kennengelernt. Die Frau war 20 Jahre alt, als sie schwanger wurde und beschloss, dass ihr Kind dieses Leben nicht verdient hat. Im fünften Monat und stark unterernährt, packte sie ihren Rucksack und machte sich auf den Weg. Ziel war eine Bekannte in Belgien. Der lange Weg endete auf Lesbos, wo die Frau seit zwei Jahren festsitzt.

Lara Gruber will im Kongo erfahren, unter welchen Bedingungen die Menschen dort leben müssen. Es wird eine Fahrt ins Ungewisse, sagt sie nachdenklich. Über ihren Freund Laetis, der sie auf der Reise begleitet, bekam sie Kontakt zur Tochter des Präsidenten Felix Thisekedi. Die Wettenbergerin hofft auf ein Treffen.

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