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Laubach: Maßnahme gegen Motorradlärm

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Das Gerät befindet sich etwa 500 Meter hinter dem Ortsschild von Laubach in Fahrtrichtung Schotten und soll Verkehrsteilnehmern ein Feedback zur Fahrweise geben. © Wißner

Die Landesregierung setzt auf spezielle Displays im Kampf gegen Biker-Lärm . An der B276 auf dem »Schottenring« wurde jetzt ein solches Gerät in Betrieb genommen.

Kreis Gießen (twi). »Danke«, »Langsamer« und »Leiser« können Verkehrsteilnehmer nun lesen, wenn sie auf dem »Schottenring« (B 276) nach der ersten S-Kurve von Laubach in Richtung Schotten unterwegs sind. Hier wurde das erste Lärmdisplay im Bereich der Polizeidirektion Gießen in Dienst gestellt.

Bereits am Wochenende wurde dieses schon einmal getestet und die Auswertung stellte Polizeihauptkommissar Gregor Zylka vor. Bis es jedoch um Zahlen in Form von Geschwindigkeiten und Lärm ging, war es Polizeipräsident Bernd Paul, selbst ein begeisterter Motorradfahrer, der darauf verwies, dass die hessische Landesregierung auf spezielle Displays im Kampf gegen Biker-Lärm setzt. Überwacht werden so beliebte Ausflugsstrecken, um auf diesen an die Einsicht der Fahrer zu appellieren.

An warmen und trockenen Sommertagen hört man in Laubach manchmal kilometerweit den Lärm, den Motorradfahrer und ihre Maschinen verursachen, aber auch PS-starke Boliden möchten mit ihrem Sound beeindrucken - zum Leidwesen der Anwohner, die gerade bei Süd- und Westwind den Lärm verstärkt wahrnehmen.

Vor allem wenn an den Auspuffanlagen gebastelt und sogenannte Dezibel-Killer ausgebaut wurden, wird der Lärm zu einer wahren Plage für die Anwohner von beliebten Biker-Strecken. Und eine solche ist der »Schottenring« zweifelsohne. Nach den Worten von Polizeioberkommissar Thomas Baumgart vom Regionalen Verkehrsdienst Gießen trage der Mythos Schottenring als einstige Rennstrecke mit seiner Charakteristika bei Motorradfahrern zur Beliebtheit bei »Doch hier gibt es keine Auslaufzonen, hier gibt es Gegenverkehr!«

Der Standort für das Lärmdisplay sei bewusst ausgewählt worden, weil nach der S-Kurve eine gerade Strecke, trotz 80-Stundenkilometerbeschränkung, dazu verleite Gas zu geben. »Dies war der ausschlaggebende Punkt ,um hier dieses Display aufzustellen. Es geht darum, dass der Lärm verringert wird«, erläuterte Baumgart, derweil Gregor Zylka die Messungen vom Samstag vorstellte. Insgesamt 1107 Fahrzeuge wurden in beiden Richtungen gezählt, wobei es sich um 776 Pkw und 301 Motorräder handelte. Ein Pkw war mit 136 Stundenkilometer am »schnellsten« unterwegs, gefolgt von einem Motorrad mit 128 Stundenkilometern. Hatte der Geschwindigkeitsspitzenreiter noch einen Lärm von 107 Dezibel verursacht, so wurde dieser noch von einem anderen Pkw mit 108 Dezibel übertroffen.

Menschen empfinden Geräusche zwischen einem Schallpegel von 40 Dezibel bis etwa 65 Dezibel als leise, normal und angenehm. Laut wird es für uns ab einer Lautstärke von etwa 80 Dezibel. Als Normalwert ist auf der Strecke ein Wert von 89 Dezibel eingestellt. Dies ist der Schwellwert unter dem sich die meisten Fahrzeuge bewegen. Allerdings gibt es auch hier unrühmliche Ausnahmen wie nicht nur die Samstagsauswertung aufzeigte. Laubachs Bürgermeister Matthias Meyer dankte der Polizei für ihr Engagement, sei doch gerade Motorradfahren im Luftkurort ein umstrittenes und heiß diskutiertes Thema. Motorgeräusche würden laut empfunden und beeinträchtigten nicht nur den Verkehr, »sondern auch die Wander- und Radwege, die wir angelegt haben Dann ist die Natur getrübt«. Seine Hoffnung eine Umstellung auf E-Motorräder werde noch einige Zeit dauern. »Wenn Sie ein zweites oder drittes Lärmdisplay noch aufstellen wollen, dann finden wir schnell geeignete Standorte, auch aus Freienseen wurde bereits angefragt«, so Meyer mit einem Dank an den städtischen Bauhof, der die Installation vorgenommen hatte und Hessen Mobil. Mit dem nun in Laubach angebrachten Dialogdisplay LED-Vollmatrix werden den Verkehrsteilnehmern keine Geschwindigkeitsdaten und Schallwellenzahlen angezeigt, sondern der Fahrer erhält eine optische Rückmeldung mit »Danke« in grüner sowie »Leiser« und »Langsamer« in roter Schrift. Zum Lärmdisplay gehört auch noch ein Solarmast, aus dem die Anlage gespeist und über die auch die Daten einmal täglich übermittelt werden. Das Display umfasst ein Erfassungsgerät, das sowohl die Geschwindigkeit als auch den Lärm misst. Die reizvolle Landschaft und der durch die Streckenführung geprägte kurvenreiche Abschnitt der Bundesstraße zieht in den Sommermonaten Motorradfahrer weit über die Landesgrenze hinaus an. »Leider haben wir in dem genannten Streckenabschnitt aber auch proportional extrem hohe Unfallzahlen zu dem restlichen Unfallgeschehen im Bereich der Polizeidirektion Gießen«, wie Baumgart verriet. In den Jahren 2019 bis 2021 ereigneten sich in dem Streckenabschnitt 29 Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Krafträdern. Erfreulicherweise haben sich Pandemie-bedingt diese etwas nach unten bewegt, sodass es im vergangenen Jahr lediglich zwei Verkehrsunfälle mit einem Schwerverletzen zu beklagen gab.

Zwischen 2017 und 2019 ereigneten sich dagegen 51 Verkehrsunfälle mit Kradfahrern, wobei es 2019 zu drei und 2020 zu zwei tödlichen Verkehrsunfällen kam. Um einer in Betracht gezogenen Teilsperrung für Kradfahrer entgegen zu wirken, wurden neben den bereits 2015 errichteten »Rüttelstreifen«, eine Vielzahl von Maßnahmen in der Unfallkommission besprochen und dann umgesetzt. Die Inbetriebnahme des Lärmdisplays ist der Abschluss des Maßnahmenkataloges, der in den vergangenen zwei Jahren angeordnet wurde und zu dem die Erhöhung der Griffigkeit der Fahrbahnoberfläche, die Sperrung von zwei Parkbuchten im Bereich der Kaiserbrücke zur Vermeidung von »›Zuschauertribünen«‹, die Installation von Unterfahrschutz, das Aufbringen einer durchgezogenen erhabenen Mittellinie, das Anbringen sogenannter »taktilen Kurvensegmenten« und die Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf 60 Stundenkilometer zählen. Diese Maßnahmen und die erhöhte Präsenz von Polizeistreifen auch mit Krädern und Geschwindigkeitsmessungen haben zur Absenkung der Unfallzahlen in den vergangenen beiden Jahren zusätzlich beigetragen. Der Standort des Lärmdisplays am Ausgang der S-Kurve am Ortsausgang von Laubach als abschließende Maßnahme wurde ganz bewusst gewählt. Nach Erneuerung der Fahrbahndecke sind in diesem Bereich seit 2018 keine Unfälle mehr zu beklagen. Allerdings schließt sich direkt die erste Gerade an, auf der die Kräder voll beschleunigt werden können. Durch die trichterförmige Form der Topografie ergibt sich hier eine enorme Lärmbelästigung für den östlichen Bereich der Innenstadt von Laubach. »Wir hoffen, dass wir hier nicht nur eine Geschwindigkeitsreduzierung erreichen können, sondern auch eine Verringerung der Lärmbelästigung für die Einwohner von Laubach«, so Baumgart.

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