Laubacher Sozialdemokraten kämpfen wie die Löwen

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LAUBACH - (ww). Die Laubacher Sozialdemokraten kämpfen wie die Löwen, wenn es um einen Ansprechpartner für die Jugend in der ehemaligen Residenzstadt und ihren Stadtteilen geht. Sozialkoordinator Jochen Bantz, der über einen Dienstleister angestellt war, hatte Anfang des Jahres seine Stelle nach vier Jahren Tätigkeit aus persönlichen Gründen aufgegeben.

Die Sozialdemokraten wollten daher Anfang November in der Stadtverordnetenversammlung eine Stelle mit einem Bediensteten der Stadt Laubach besetzen lassen. Sie hatten schon früher die Idee, das Tourismusbüro dafür auflösen zu lassen. Der Eilantrag wurde auf die Tagesordnung genommen, allerdings wandelte ihn die FW ab. Zuletzt stand fest, dass es doch ein externer Dienstleister wird.

Der Vize-Chef der Freien Wähler (FW), Dirk Oßwald, hatte sich dafür ausgesprochen. Der ehemalige Sozialdezernent des Kreises erinnerte daran, dass auch die Sozialarbeit an Schulen vom Kreis an freie Träger übertragen und damit gute Erfahrungen gemacht worden seien.

Hartmut Roeschen (SPD) hatte zuvor betont, dass die Jugendarbeit derzeit brachliege und sich in anderen Städten wie beispielsweise Grünberg und Lich, die sich Profis leisteten, viel mehr abspiele. "Das kann nicht so bleiben", stellte er für Laubach fest. An eine interkommunale Zusammenarbeit glaube er selbst nicht. Die Strukturen des Städteservices ließen es nicht zu, eine zusätzliche halbe Stelle zu schaffen. Allerdings könne man Rat in Lich einholen.

Gute Erfahrungen

Auch Bürgermeister Peter Klug hatte immer wieder in Gremien dafür plädiert, einen externen Dienstleister zu beauftragen, wie den Internationalen Bund (IB), den Verein für psychosoziale Therapie oder TokoLive. Das habe 20 Jahre lang gut geklappt. Da wohl noch Diskussionsbedarf zur zukünftigen Aufstellung der Jugendpflege nach dem Weggang von Bantz bestand, habe er die Suche nach einem externen Dienstleister allerdings zunächst gestoppt.

Sollte jedoch ein Jugendpfleger direkt bei der Stadt angestellt werden, benötige er eine weitere Stelle für die Fachaufsicht dieser Person. Kenntnisse hierzu seien in der Laubacher Verwaltung nicht vorhanden. Im Übrigen meinte er, dass auch die interkommunale Zusammenarbeit nicht umsonst sei. Lich und Laubach betreiben einen gemeinsamen Städteservice, der Dienstleistungen wie das Standesamt interkommunal aufstellt. Hier könnte die Stelle eines Jugendpflegers angeflanscht werden.

Nachdem nun feststand, dass der Jugendpfleger extern angestellt wird, forderte die SPD Mitte November im Haupt- und Sozialausschuss, dem Vorbereitungsgremium für die Stadtverordnetenversammlung, ein Kinder- und Jugendbüro einzurichten, dass die Jugendarbeit stadtteilübergreifend organisieren soll. Eine Fachstelle sei gegebenenfalls durch eine Umschichtung in der Verwaltung zu schaffen. Ein Stadtrat solle zudem zum Jugenddezernent ernannt.

Ihrem Antrag fügten die Sozialdemokraten ein Leitbild zur Kinder- und Jugendbetreuung bei. Harald Mohr (SPD) führte dazu aus, dass in den Ortsteilen wenig für die Jugend getan werde. Er wünsche sich eine Infrastruktur und damit begriffsnotwendig eine Anlaufstelle in der Verwaltung neben dem Jugendpfleger. Er setze sich in Röthges als Ortsvorsteher schon lange für die Jugendpflege ein.

Diesmal gab es moderatere Töne im Antrag, denn von der Abschaffung des Tourismusbüros war nichts mehr zu hören. Die Fachstelle solle jetzt angelehnt an das Tourismusbüro in der LTS GmbH der Stadt eingerichtet werden.

Klug echauffierte sich in Richtung SPD, dass wohl auf einmal die ganzen Jahre die Jugendpflege in den Stadtteilen nicht ausgereicht habe. Als in Röthges, wo Mohr herkomme, Jugendliche eine Burg in der Nähe des Friedhofs gebaut hätten, sei man sich vom Ortsbeirat zu schade gewesen, das abzustellen. Der Jugendkoordinator habe das veranlassen müssen. Wenn es um die Renovierung von Jugendräumen in den Ortsteilen gehe, sei die Stadt nicht kleinlich. Die Jugendlichen benötigen allerdings womöglich Hilfe beim Stellen eines Antrags bei der Stadtverwaltung. "Wenn es aber in Röthges zu laut und besoffen zugeht, dann machen wir da eine Bremse rein. Es scheitert jedenfalls nicht an einer Klobrille."

Joachim Michael Kühn meinte für die Freien Wähler, dass das Parlament den Magistrat nicht zwingen könne, einen Dezernenten auszuweisen. Das sei einzig und allein Sache des Magistrates. Seine Fraktion wolle jetzt die Ausschreibungsergebnisse abwarten, bevor weitergehende Änderungen an der Jugendpflege-Konzeption der Stadt vorgenommen würden. "Ihr habt euch viele Gedanken gemacht", konstatierte Björn Erik Ruppel von der CDU in Richtung SPD im Hauptausschuss. Die Jugend habe allerdings mehr von der pädagogischen Stelle, die beschlossen worden sei. Er bat darum, den Antrag im Geschäftsgang zu belassen und an dem Abend keine Empfehlung zu treffen. Es fehle auch an einem Betrag für die Jugendbüro-Vollzeitstelle. Michael Köhler von den Grünen sah es ähnlich wie Ruppel: "Ich will dem Neuen auch nicht gleich solche Vorgaben machen." Roeschen lenkte danach ein und nahm den Punkt Richtlinien aus der Abstimmung heraus.

Bleibt im Geschäftsgang

Dirk-Michael Hofmann von der FBLL (Freie Bürgerliste Laubach) wünschte sich die Aufnahme der Stelle in den Haushalt, aber zugleich einen Sperrvermerk für die Mittelbereitstellung. "Es sollte mit in den kommenden Etat hinein." 50 000 bis 60 000 Euro im Jahr wurden vom Bürgermeister für die Stelle samt Nebenkosten geschätzt. Ulf Häbel (FW) stellte den weitergehenden Antrag, die Angelegenheit im Geschäftsgang zu belassen. Die Sozialausschussvorsitzende Anne Sussmann stellte zuletzt die Mehrheit für diesen Vorschlag fest.

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