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Licher sieht sich gut gerüstet

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Von: Klaus Kächler

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Blick in die Produktion: Brauer Tobias Blöcher zapft unfiltriertes Bier für eine Qualitätsprobe. Foto: Welsch © Welsch

Brauerei stellt kurzfristig von Erdgas auf Öl um. Lieferschwierigkeiten bei Kohlensäure in Lich kein Thema.

Lich . Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe. Mit der Binding-Brauerei schließt in Frankfurt eine der traditionsreichsten Braustätten in Hessen. Wegen hoher Verluste soll der zum Radeberger-Konzern gehörende Produktionsstandort im Stadtteil Sachsenhausen 2023 aufgegeben werden.

Doch wie steht es um die Licher Privatbrauerei, die ebenfalls auf eine lange Tradition zurückblickt und heute zur Bitburger-Braugruppe gehört?

»Wir bereiten uns bereits seit längerem auf mögliche Krisenszenarien wie Lieferengpässe oder ein Komplettembargo bei Erdgas oder anderen Energiequellen und Grundstoffen vor«, erklärt Patrick Damberg, Leiter Kommunikation bei Licher, auf Anfrage des Gießener Anzeigers. Deshalb sieht sich der Marktführer in Hessen am Standort Lich gut aufgestellt.

Wer genau hinschaute, konnte sehen, dass seit einiger Zeit der hohe schwarze Schornstein auf dem Betriebsgelände am Hardtberg wieder raucht. Wie Damberg bestätigt, habe man tatsächlich in Lich den Energieeinsatz für die primäre Wärmeerzeugung vorsorglich weitgehend von Erdgas auf Öl umgestellt.

»Wir sehen uns hier auch als Unternehmen in der Pflicht, unseren aktuell notwendigen Beitrag in dem verantwortungsvollen Umgang mit Erdgas schnellstmöglich zu leisten und nicht regulatorische politische Maßnahmen abzuwarten«, macht Damberg klar. Die Gaskrise sei bereits da, und entsprechend müsse man jetzt handeln.

Unabhängig von dieser sofortigen Umstellung wolle man in Lich mit Hochdruck daran arbeiten, langfristige und nachhaltige Energiekonzepte umzusetzen.

Keine gravierenden Engpässe

»Aktuell verzeichnen wir aufgrund unserer langfristigen und nachhaltigen Warenplanung in Lich keine gravierenden Engpässe bei Roh- oder Hilfsstoffen.«

So habe beispielsweise die eingeschränkte Verfügbarkeit von Kohlensäure auf dem Markt keine Auswirkungen auf die Produktion.

Die bei der Gärung des Bieres entstehende Kohlensäure wird in der Licher Brauerei zurückgewonnen und in Tanks gespeichert.

»Wir setzen auf Energieeffizienz«

Die so gewonnene Menge sei ausreichend für die gesamte Produktion, weshalb es im Normalfall nicht erforderlich sei, zusätzliche Kohlensäure einzukaufen.

Darüber hinaus liege der Fokus wie schon seit vielen Jahren weiter auf Energieeffizienz. Allein zwischen 2008 und 2020 habe man den CO2-Ausstoß der Primärenergieträger um fast 80 Prozent senken können.

»Wie alle deutschen Brauereien sehen auch wir uns in den vergangenen Monaten mit zum Teil enormen Preissteigerungen in verschiedenen Bereichen konfrontiert«, so die Licher Privatbrauerei. Ob sich das mittelfristig auch im Bierpreis niederschlage, könne man nicht sagen.

Begonnen hatte alles im Jahre 1854. Damals gründete der Brauer Johann Heinrich Ihring nach vierjähriger Wanderschaft die J. H. Ihring Brauerei in Lich am Hardtberg, wo ein Brunnen und ein Felsenkeller zur Kühlung zur Verfügung standen. Sein Vater schenkte das Bier zunächst als Wirt in seinem Gasthof »Zum goldenen Löwen« aus. 1873 wurde in der Brauerei eine Dampfmaschine mit einer Leistung von sechs PS anstelle von Pferden verwendet, um die Maschinen anzutreiben, was damals zur Bezeichnung »Dampfbierbrauerei« führte.

Heute zählen Brauereien zu den Produktionsstätten mit großem Energiebedarf.

Vieles spricht aber dafür, dass Bitburger weiter auf den Standort in Lich setzt. Erst 2020 hatte man in vier riesige 17 Tonnen schwere und 23 Meter hohe Gär- und Lagertanks mit einem Fassungsvermögen von 10 800 Hektolitern Bier investiert. Außerdem werden auch die Benediktiner Biere größtenteils in der Licher Privatbrauerei gebraut.

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Seit 1854 wird am Standort der Licher Privatbrauerei am Hardtberg Bier gebraut. Foto: Kächler © Kächler

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