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Lumdatalbahn: Staufenberger Parlament einstimmig "wohlwollend"

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Von: Debra Wisker

STAUFENBERG - (dge). "Wohlwollend" haben alle Staufenberger Stadtverordneten in der Sitzung am Dienstagabend die Machbarkeitsstudie zu Reaktivierung der Lumdatalbahn zur Kenntnis genommen.

Auf die Einzelheiten der Studie waren zuvor Landrätin Anita Schneider und Stefan Klöppel (Leiter Verkehr, Zweckverband Oberhessische Versorgungsbetriebe, ZOV) eingegangen. Schneider warf nochmal einen Blick zurück. Die Machbarkeitsstudie sei im Anschluss an eine Vorstudie aufgestellt worden. Dies vor dem Hintergrund, dass die Vorstudie nicht ausgereicht habe, um eine Förderfähigkeit des Projekts feststellen zu können. Dafür brauche es eine Nutzen-Kosten-Analyse. Rhein-Main-Verkehrsverbund, ZOV und der Landkreis haben diese Studie in Auftrag gegeben - mit einem positiven Ergebnis.

Verkehrsminister Tarek Al-Wazir hatte bekanntlich empfohlen, die Investitionskosten für eine Reaktivierung ermitteln zu lassen und signalisiert, dass er die Reaktivierung der Lumdatalbahn für förderfähig hält. Bis zu 85 Prozent der Investitionskosten würden vom Land übernommen, die verbleibenden 15 Prozent teilen sich der Landkreis und die Anliegerkommunen.

Schneider wies darauf hin, dass erst diese Vorplanung die genauen Kosten ermitteln könne und man dann sehe, ob der errechnete Faktor noch immer den erforderlichen Wert über "1" erreiche. Wirtschaftlichkeit im ÖPNV sei immer "so eine Sache". Die Landrätin betonte, dass der öffentliche Personennahverkehr immer von Subventionen abhänge. Man müsse auch den Nutzen berücksichtigen, der sich nicht nur an der Wirtschaftlichkeit orientiere, sprich den Nutzen für die Menschen der Region. "Das ist Daseinsvorsorge", so Schneider. "Das bietet auch Chancen für den ländlichen Raum."

Bestandsaufnahme

Verschiedenes wurde in der Machbarkeitsstudie unter die Lupe genommen. Fachmann Stefan Klöppel erklärte, dass sie zum einen eine Bestandsaufnahme sei und zum anderen die Möglichkeiten aufzeige. "Das standardisierte Bewertungsverfahren wird bei großen Projekten ab 50 Millionen Euro angewandt, in der vereinfachten Form bei Projekten ab 25 Millionen Euro", erläuterte er. Beides trifft auf die Lumdatalbahn mit derzeit geschätzten 10,6 Millionen Euro Kosten für eine Reaktivierung nicht zu.

Außerdem geht die Studie von drei Prämissen aus, die sich im standardisierten Verfahren nicht finden. Das sind die Durchbindung von Zugfahrten auf die Lumdatalbahn in Gießen, eine Nutzungsverbesserung durch die Stabilisierung der Entwicklung von Bevölkerung und Arbeitsplätzen sowie die Entwicklung des Kapitalmarkts. Hinter letzterem Punkt steckt das anhaltende Niedrigzinsniveau. Man geht hier von einem Zinssatz von 1,7 statt drei Prozent aus. Bei einer Streckengeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern errechnet sich so ein Faktor von 1,68, dieser liegt also über dem geforderten Kosten-Nutzen-Indikator von "1".

Das Betriebskonzept sieht eine Einbindung der bestehenden Buslinien vor. Die Lumdatalbahn soll im 60-Minuten-Takt fahren und so getaktet sein, dass die Verbindungen nach Frankfurt oder Marburg zeitlich gut zu erreichen sind. Ein Aspekt ist auch der Zeitgewinn. Auf der Strecke Londorf-Gießen sind es laut Studie rund 20 Minuten Ersparnis. Für die Staufenberger Stadteile Treis, Mainzlar und Daubringen sah Klöppel "deutliche Fahrzeitgewinne".

Planung und Gespräche

Für den Bereich der Stadt Staufenberg zählte der Verkehrsexperte 15 Bahnübergänge, zwei Bahnüberführungen und drei Stationen auf. Die Gleisanlage müsse erneuert werden, ebenso die Signaltechnik. Ob man auf manche Bahnübergänge verzichten könne, müsse eine Überprüfung zeigen. "Das ist aber Gegenstand genauerer Planung und Gegenstand intensiver Gespräche mit den Kommunen", fügte Klöppel hinzu.

Im nächsten Schritt steht die Vorplanung an. Die Kosten in Höhe von 1,2 Millionen Euro wollen sich ZOV und RMV teilen. Die Kosten der Reaktivierung bezifferte er mit 10,6 Millionen Euro. Anita Schneider erklärte abschließend, dass für eine Entscheidung des Landkreises Gießen die Planung den Ausschlag geben werde. Aber "wenn wir diese Fragen nicht abarbeiten, werden wir es nie wissen".

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